Montag, 29. Mai 2017

Kurz mal nach Schweden - Minikreuzfahrt nach Göteborg mit Stena Lina

Schon sehr lange habe ich mit einer Minikreuzfahrt geliebäugelt. Immer wieder kam Werbung für die Fahrten mit Colorline nach Oslo an mir vorbei, aber ich fand nie so das wirklich perfekt passende Angebot. Anfang des Jahres kam mir dann Werbung der Stena Line unter. Es gab Sonderpreise - für 44 Euro pro Person sollte es hin und auch wieder zurück von Kiel nach Göteborg gehen. In Schweden waren wir noch nie, der Preis günstig und ich fand das Angebot sogar in einem Zeitraum, der uns wunderbar passte. Fix noch eine 19 Euro-Aktion der Bahn abgewartet und schon konnte es losgehen...



Letzte Woche ging es dann los. Mit dem ICE ging es nach Kiel. Als wir dort ankamen, lag schon das beeindruckend große Schiff der Stena Line mit den 11 Etagen am Schwedenkai. Gegenüber lag die Colorline am Norwegenkai und war noch größer. Wir hatten etwas zu viel Zeitpuffer in Kiel eingeplant und hatten daher noch die Möglichkeit, ein wenig die Stadt anzuschauen. Nett - schon am Bahnhof ist es schön, mit einer Bahnhofshalle voller Segel.



Das Schiff
Kurz vor dem Einchecken ging es noch zu Rewe, um Proviant zu kaufen. Wir hatten uns gegen das 30 Euro teure Abendbuffet im Schiff entschieden, denn die Kinder hätten mit Sicherheit kaum etwas gefunden. Was nicht am Büffet lag, sondern eher am wählerischen Essverhalten ;-). Also, eingekauft, was wir kennen und los... Das Gepäck wurde durchleuchtet wie am Flughafen und dann ging es hinauf, höher und höher die Schräge hoch, um dann im 8.Stock bzw. Deck das Schiff zu betreten.

Ein Schiffsmaler
Für den Preis bekamen wir natürlich nur zwei Innenkabinen. Die waren sauber, ordentlich, sogar mit Fußbodenheizung. Dusche und WC waren selbstverständlich auch dabei. Und ein Fernseher mit einer Handvoll deutscher Senden (ARD, ZDF...). In der Kabine an sich war ein Bett oben, eins unten. Das obere konnte man am Tage hochklappen. Es gab faktisch keinen Rausfall-Schutz, mit kleinen Kids ist das eher nichts, aber man könnte einen solchen Schutz kostenlos bekommen. Eine Leiter kann man einhängen oder eben abmachen, damit sie nicht im Weg herumsteht.

Wir haben beschlossen: beim nächsten Mal nehmen wir definitiv eine Außenkabine. Den Aufpreis ist es auf jeden Fall wert. Ein Fenster ist ein Muss. Denn so hingen wir immer außerhalb der Kabine herum - entweder oben auf dem Sonnendeck oder an den Fenstern. Denn wir wollten doch aufs Meer hinausschauen...Und es gab unterwegs durchaus auch viel Land zu sehen.

Kojen
Bei der Buchung konnte man diverse Dinge zusätzlich buchen. Weinflasche in die Kabine, Straßenbahnticket für Göteborg, Stadtrundfahrt in Göteborg... Und Kinderpakete. Für 7 Euro sollte es explizit einen niedlichen Plüsch-ELCH und kleine Überraschungen geben. Ich habe für meinen 6 Jahre alten Sohn so ein Paket mitgebucht. Tja...Und DAS ist unser "Elch". Er heißt Sparkles.

Ein Elch...
Kreuzfahrt ist natürlich schon etwas geprahlt für eine solche Fahrt. Sie nennen es vermutlich nur so, weil es schön klingt und natürlich schon eine komplette Reise ist - es geht hin und zurück, man macht einen Landgang zwischendurch ;-).  Es gibt im Schiff ein Restaurant, eine Bar, abends Bingo und einen Sänger. Man kann Lose kaufen, um "viele schöne Preise" zu gewinnen. Dazu gab es sogar eine Durchsage ;-)

Direkt nach dem Ablegen am Abend, sowohl in Kiel als auch in Göteborg ging es gegen 18:45 jeweils los, strömen alle aufs Sonnendeck. Da öffnet dann die Bar, es gibt Bier, Slush, Nüsse und einen Grill - dort kann man Hamburger order Bratwurst erstehen. Die teuerste Bratwurst meines Lebens - für 6 Euro...! Immerhin, eine Art HotDog-Brötchen war dabei. Erinnerungen an die 30 Euro-Pizza in Oslo kamen auf ("Lasst uns in eine günstige Pizzeria gehen!" sagte meine Freundin, die in Oslo lebt ;-))

Direkt an der Bar sind die Panorama-Suiten. Sie sehen ganz toll aus, aber der Balkon geht in Richtung Bar-Bereich. Man hat direkt alle Leute vor sich sitzen. Privatsphäre ist da wohl eher nicht gegeben. Andererseits ist es nur kurz nach der Abfahrt dort oben so voll. Sobald es nichts mehr zu sehen gibt (keine Kieler Bucht mehr bzw. keine Schärengärten mehr), schließt die Bar auf dem Sonnendeck und es öffnet die im Inneren des Schiffes. Alles spielt sich auf Deck 7 ab - Shop, Restaurant, Bühne, Kinderspielecke...(klein, aber zumindest mein Sohn fand es super. Für das Alter meiner Tochter gab es nichts, außer einen Nintendo DS zum Ausleihen.

Die Überfahrt dauert gut 14 Stunden. Oder:


Mit knapp 30 km/h geht es über die Ostsee, metholbetrieben, die dunklen Wolken aus dem Schornstein haben uns beeindruckt, sie waren aber nur bei der Abfahrt zu sehen. Die Nacht über war es ruhig, trotz Gewitter und Windstärke 9. Man merkte nur ein sanftes Schaukeln. Nur das Duschen war komisch, während das Schiff so vor sich hin schaukelte.


Man sollte unbedingt darauf achten, dass man bei seinem Telefon die mobilen Daten und Roaming ausschaltet. Denn trotz Inklusiv-Roaming in fast ganz Europa wird es auf dem Schiff sehr teuer, da es nur Schiffsfunk gibt. Erst in Hafennähe kann man alles wieder beruhigt anschalten.

Aber man braucht die mobilen Daten auch nicht, denn es gibt gratis Wlan, das aber nur in den öffentlichen Bereichen zuverlässig funktioniert. Als ich meinen Begleitern verkündete, dass das Wlan funktioniert, hörte ich eine Frau hinter mir zu ihrem Mann sagen:
"Alle reden von Wlan - ich weiß nicht mal, was das ist!"


Für den Morgen auf der Hinfahrt hatten wir das Frühstücksbuffet gebucht. Das kostete für alle zusammen ca. 30 Euro (vorab gebucht ist es billiger als vor Ort). Es war ein großes Buffet, dessen Angebot ziemlich das enthielt, was auch Hotels bieten - Brötchen mit Aufschnitt aller Art, Marmelade, ein großes Nutella-Glas mit darin steckenden Messer für alle. Lachs, Rührei, gekochte Eier, Speck, Eierkuchen, Müsli, Joghurt, etwas Obst. Saft, Kaffee und Tee natürlich ebenfalls. Es war in Ordnung, wir zogen gestärkt in den Tag.
Auf der Rückfahrt habe ich kein Frühstück mitgebucht, da wir in Kiel in einem Café frühstücken wollten - und das war auch gut, denn auf der Rückfahrt war die Fähre irre voll, alle wollten frühstücken und es kamen immer Durchsagen, man möge sich beeilen, damit noch alle vor Erreichen des Ziels essen können.

Kenn dein Limit...oder so...
Und das Publikum? Bunt gemischt. Familien, Motorradfahrer, alte Leute, etliche Minikreuzfahrer. Und viele Schweden, die zum Einkaufen kamen, da Alkohol auf der Fähre bis zu 60% billiger ist. Man sah Leute mit kleinen Handkarren mit kistenweise Alkohol. Im Schiff wurde auch einiges konsumiert. Manche torkelten schon 30 min nach dem Ablegen. Insgesamt war aber alles ruhig, keine Ballermann-Stimmung oder ähnliches.


Die Einfahrt nach Göteborg ist sehr schön. Blick auf die Schärengärten, kleine rote Häuschen, eine Brücke, unter die das Schiff gerade so hindurchpasst... Möwen kamen und futterten Käsewürfel.



Göteborg... eine Stadt ohne echte Highlights  - keine weltberühmten Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt gesehen haben muss... Aber eine durchaus schöne Stadt. Die Blumenkübel und Rabatten in den Parks waren beeindruckend schön bepflanzt. Hier hat wohl jemand ein echtes Händchen für Gestaltung mit Blumen. Mein Vorschlag, wir könnten eine Hop-on/Hop-off-Tour mit einem Boot machen, wurde leider abgeschmettert mit der Begründung, dass wir ja wohl mehr als genug Boot gefahren seien.

Am Hauptbahnhof gesehen...
Und so ließen wir uns zu Fuß durch die Innenstadt treiben und schauten uns um. Die Zeit reichte nicht wirklich für Vergnügungspark oder Museen, die mir empfohlen wurden. Dafür hatten wir schon zu viel Zeit mit "erst einmal zurecht finden" verbracht.

Schären
Daher ein Tipp: schon vorab bei der Buchung der Minikreuzfahrt ein Tagesticket für die Straßenbahn in Göteborg kaufen. Die Haltestelle ist ca. 200 m vom Deutschlandterminal entfernt und von dort geht es recht fix in die Innenstadt. Das Kaufen der Fahrkarte vorab erspart das Suchen.

Ein wenig nervig ist, dass man im Schiff kein Geld umtauschen kann. Zum Glück gibt es dann in Göteborg alle paar Meter einen Geldautomaten.

Traurig?
Wie gesagt, wir haben den Tag mit Herumlaufen, hier und da schauen, Eis essen und dem Suchen einiger Geocaches verbracht (es gibt hier einen Cache aus dem Jahr 2001...das dürfte für manchen interessant sein :-)). Auch mal ganz schön und das Wetter war großartig.



Wir haben die gesamte Innenstadt gesehen und fuhren dann  zurück zum Deutschlandterminal. Das Gepäck kann man während des Ausflugs übrigens in der Kabine lassen, man fährt mit dem gleichen Schiff ja abends wieder zurück.


Nach knapp 9,5 Stunden legt die Fähre dann wieder ab und es geht zurück nach Kiel. Uns hat es gut gefallen und wir werden mit Sicherheit wieder mal eine Minikreuzfahrt machen, beim nächsten Mal vielleicht dann nach Oslo.


Sonntag, 21. Mai 2017

Eier-Automat

Vor kurzem habe ich eine Radtour durch Marienfelde gemacht. Viel Industrie gibt es hier, zwischendurch dann Plattenbauten mit unglaublicher Oma-mit-Rollator-Dichte, aber direkt in einer Art "Dorfkern" ist ein Bauernhof mit Ziegen und anderem Getier - und diesem Eier-Automaten. Ich habe so etwas zuvor noch nie gesehen, aber einige Freunde meinten, sie kennen solche Automaten quasi seit ihrer Kindheit...


Freitag, 19. Mai 2017

Noch einmal würfeln...

Tja, die Würfel waren doch nicht so ganz gefallen. Nun kam noch ein Brief von der anderen Grundschule, auf der wir den Junior versucht haben anzumelden. Und auch sie haben uns nun eine Zusage geschickt. Wie das sein kann, dass man zwei Zusagen bekommt, ist mir schleierhaft. Genau das ist bei der Oberschulanmeldung der Großen aber auch passiert.

Das Anschreiben ist sogar freundlicher (und fehlerfrei ;-)). Nun können wir wählen... zwischen "Kurzer Schulweg, aber trauriger Ort mit zweifelhaftem Bauzustand und auch nicht so guter Bewertung der Schulinspektion" und "schöne Schule mit vielen Angeboten, dafür 7 Minuten Autofahrt oder wahlweise 20 min Radfahren". Bis Montag sollen wir uns entscheiden.


Donnerstag, 18. Mai 2017

Die Würfel sind gefallen...

Seit Wochen habe ich ungeduldig in den Briefkasten geschaut. Nun kam gestern endlich die ersehnte Post, nämlich der Brief der Grundschule. Endlich wissen wir, wo es im Herbst hingeht für den Junior.
In dem kurzen Schreiben sind gleich vier Rechtschreib- und ein Logikfehler. Ob einem das zu denken geben sollte...?


Montag, 15. Mai 2017

Gönnt Euch doch mal Windpocken...

Schon wieder beim Schwimmen...Beim Umziehen fällt mehreren Müttern ein Junge auf, der über und über voller seltsamer Punkte ist und sich ständig kratzt.

Draußen meint dann eine Mutter: "Ob der wohl Windpocken hat??"
"Na hoffentlich nicht... Aber dann wäre er doch nicht beim Schwimmen..."
"Hm."
"Naja, bei uns dürfte nichts passieren, meinen Großen (der da gerade schwimmt) habe ich LEIDER komplett durchimpfen lassen...."
Niemand reagiert, also legt sie nach:
"Also, ich finde ja, Kinder sollten Krankheiten durchmachen."
Niemand reagiert. Niemand hat Bock auf die nun totsicher folgende, völlig sinnlose Diskussion. Also legt sie noch einmal nach:
"In Pankow ist es heute ja kaum einem Kind mehr *vergönnt* krank zu werden! Meine Jüngste ist nicht geimpft!"
Darauf regt sich dann doch eine Gegenfrage, nämlich: "Ist deine Kleine nicht mal gegen Tetanus geimpft?"
"Naja, leider doch... Der Kindergarten weigert sich nämlich, Wunden richtig ausbluten zu lassen..."

Ich zog dann weiter...

Samstag, 13. Mai 2017

Schwarzfahren mit Erlaubnis

Neulich im Bus...Mein Sohn wollte erstmals eine Fahrkarte kaufen, denn er ist nun 6 und müsste ja bezahlen. Ich drückte ihm die 1,70€ in die Hand, damit ging es beim Einsteigen zum Busfahrer...

"Du willst bezahlen?"
"Ja."
"Aber du bist so klein."
Daraufhin merkte ich an, dass er vor kurzem 6 Jahre alt geworden ist.
"Glaube ich nicht. Du siehst aus wie 4. Brauchst nicht bezahlen."

Mein Sohn war unsicher, ob er jetzt beleidigt sein soll oder nicht...

Montag, 8. Mai 2017

Urlaub 2017 - Sonne, Wal und Sand...

Der April ist bei uns Reisezeit, zumal die Schule der Großen mal wieder die Prüfungen der älteren Schüler so gelegt hat, dass für alle anderen direkt vor und nach den Ferien frei haben. Da der Kleine erst ab dem Herbst zur Schule geht, bietet es sich an, dies noch zu nutzen. Wie immer haben wir uns spät entschlossen... Aus mir wird kein "Monatelang-im-Vorraus-Bucher" mehr ;-).


Wir wollten irgendwohin, wo es warm ist. Definitiv warm. Nicht nur vielleicht warm. Also schied alles rund ums Mittelmeer aus. Endlos lange fliegen wollte ich aber auch nicht. Damit scheiden viele Fernziele aus. Mein Blick fiel auf ein Kanaren-Angebot, das mir günstig erschien. 10 Tage Gran Canaria für 4 Personen für insgesamt knapp 1400 Euro samt Flügen und einem vernünftigen Hotel.

Bei den Flügen stand Niki/Air Berlin und Condor zur Auswahl. Wir entschieden uns für letzteres, nachdem Air Berlin vor 10 Jahren auf dem Weg nach Lanzarote ziemlich ätzend war. Ein klassischer Fall von: Es gibt nur eines, woran sich Kunden noch besser erinnern, als guten Service - nämlich schlechten Service. Ich bin seitdem nur ein einziges Mal noch einmal Air Berlin geflogen und das auch nur, weil ich es in dem Fall nicht aussuchen konnte.

Auf den zweiten Blick stellte ich fest, dass ich exakt an diesem Ort schon war war, mehrmals sogar. Anfang der 90, als ich so 10, 11 Jahre alt war, verbrachten meine Eltern und ich zwei Mal den Urlaub dort. Und zwar wirklich nahezu genau dort, lediglich im Nachbarhotel. Damit war klar, der Strand ist nah und wirklich groß, das Einkaufszentrum nicht weit und keine fiesen Überraschungen möglich wie "Der Strand ist zwar nur 200 m entfernt, leider ist da noch eine Klippe.".... Sonst verbringen wir vor dem Urlaub immer viel Zeit mit Recherche, um vor Ort bestens gewappnet zu sein. Das war diesmal nicht nötig. Keine komischen Überraschungen. Auch mal ganz angenehm.


Am Flughafen noch hier in Berlin kamen mir erste Zweifel. Mir war klar, dass die Insel schon aufgrund der günstigen Preise alle möglichen Leute anzieht. Mir war es im Vorfeld auch etwas peinlich, zuzugeben, wo wir hinfahren. Auf Fragen wie "Wohin fliegt Ihr?" antwortete ich vorab leicht ausweichend mit "Kanaren"... Vor Ort unterhielt ich mich zufällig mit einem anderen Touristen. Auch er meinte "mir ist das Reiseziel ja echt peinlich... aber eigentlich ist es schön hier. Und so ungefährlich. Ich mag zur Zeit nicht in die Türkei, nach Ägypten oder Tunesien". Allgemein trafen wir viele Leute, die genau aus solchen Gründen dort waren. Auch erstaunlich viele Leute, die in den 80ern oder frühen 90ern schon dort waren und nun erstmals seitdem wieder hingeflogen sind.

 Am Gate in Schönefeld stand dann eine Mischung aus Senioren, überdurchschnittliche viele Männern und Familien in Jogginghosen. Wir waren overdressed in Jeans...! Senioren und Jogginghosenträger sausten auch los, als die Gratis-Zeitschriften zum Zugreifen aufgestellt wurden... Super-Illu für alle...Hurra...

Nach 5 Stunden Flug in einem 16 Jahre alten Flugzeug, das aber optisch prima aussah, waren wir da. Es gab nichts zu essen oder zu trinken, was ich bei 5 Stunden schon komisch finde. Dafür immerhin Filme. Und der Akku vom Tablet hielt exakt diese Zeit durch.

Die Landung war leicht turbulent, man sieht es in unserem Landevideo. Das Gekreische und das Klatschen sind nicht von uns!


Erster Eindruck der Insel: wie früher, nur moderner.  Noch rasch in den Flughafen-Supermarkt gesaust, um Getränke zu besorgen und über die moderaten Preise gestaunt. Die Fahrt mit dem Bus nach Playa del Ingles - ja genau, die Touristenhotelstadt im Süden - war kürzer als früher. Oder ich war als Kind ungeduldiger.

Der Ort hat sich teilweise verändert. Durchaus zum Positiven. Klar, es reiht sich nach wie vor ein Hotel ans andere. Wobei das schlagartig endet, wenn man nicht in Richtung Strand läuft, sondern in die andere Richtung. Da gibt es Wohnhäuser, sogar ein paar (sehr einfache) Spielplätze....Viel karge Flächen, man merkt, es regnet nicht viel. Wir sahen sogar ein paar Riesen-Echsen. Und Katzen, überall Katzen. Sogar welche mit langen Haaren. Ich hätte ja zu gern eine mitgenommen ;-).


Das Hotel.... drei Sterne, Familienzimmer mit 2 Schlafzimmern, Wohnzimmer, voll eingerichteter Küche, Bad und Balkon. Es wird darauf geachtet, dass man keine Liegen am Pool mit Handtüchern reserviert, dass keine Handtücher über der Balkonbrüstung hängen und niemand auch nur darüber nachdenkt, von der Terrasse in den Pool zu hüpfen. Ein Rettungsschwimmer wachte über allem. Und der Pool war beheizt auf 29°C. Das soll inzwischen in nahezu allen Hotels in dem Ort so sein.


Das Publikum... gemischt. Das erste, was wir beim Aussteigen aus dem Bus sahen: Mann mit Bierplauze und darauf befindlichem Sonnenbrand, offenem Hemd, Sandalen mit Socken. Ärgs. Ja, auch am Strand waren so einige. Aber nicht nur. Man merkte aber, dass hier einige Senioren wohl den Winter verbringen. Manche hatten Haut, die eher an Leder erinnerte. Aber als in Deutschland dann überall Ferien waren, kamen auch mehr Familien. Am Strand gibt es Bars mit Schlagermusik. Und in Einkaufszentren fast immer mindestens einen Swingerclub (und wir haben am einem Samstagabend geschaut, wer da hingeht... das Publikum ist auch da älter ;-)). Das Yumbo-Center ist abends offenbar ein Gay-Paradies, aber auch ein Einkaufszentrum.
Alles in allem: Urlauber halt. Touristen. Keine Sangria-Eimer, keine Stimmung wie Llroet de mar. Gut so.

Der Strand... riesig wie schon vor 25 Jahren. Jede Menge Dünen in Maspalomas. Strandabschnitte für jeden...Familien, FKK-Freunde, Gays (samt Cruising-Gebiet verborgen in den Dünen... teilweise wird nackt mit Zelt gewartet - DAS habe ich so in Berlin noch nie gesehen ;-)). Es gibt sogar einen Strandbereich, an dem man mit dem Rollstuhl zum Strand kann, mit dazugehöriger Dusche. Man ist offenbar auf sämtliches Publikum eingestellt. Das merkte man auch im Hotel - laut einem Zettel an der Rezeption konnte man nicht nur Babybettchen mieten, sondern auch einen Duschsitz oder Rollator. In der Nähe war auch ein Fahrradverleih, der hochwertige Mountainbikes verlieh und wo jeden Morgen viel los war.


Es gibt angenehmerweise keine nervigen Leute mehr, die einem irgendwelche Timesharing-Wohnungen anhexen wollen. Auch keine Kaffeefahrten mehr, wo Leute zu Werbezwecken herumgekarrt werden (und Werber für diese Fahrten einem ständig anquatschen). Man wird allgemein nicht mehr ständig angesprochen. Sicher, ab und an möchte einem jemand eine Sonnenbrille verkaufen oder ähnliches, aber ein simples "Nein" reicht und der Spuk ist vorbei. Deutlich angenehmer als vor 25 Jahren.


Da wir keine Verpflegung mitgebucht hatten, ging es zum Essen immer hinaus. Morgens zum Bäcker, mittags gab es eine Kleinigkeit vom Supermarkt, abends testeten wir die Restaurants durch. Die Angebote waren überwiegend ähnlich, aber gut und zu ebenfalls günstigen Preisen. Was mich wunderte: abends werden Heizpilze aufgestellt, damit man auch wirklich nicht fröstelt.


Wir haben natürlich Wanderungen gemacht - mal nach Süden, mal nach Norden, meist am Wasser, mal etwas im "Inselinneren", wobei es da recht schnell steil, karg und unwegsam wird. Wir haben den Leuchtturm in Maspalomas angeschaut, Rockpooling bei Ebbe an einigen Stränden gemacht, jede Menge kleine Badebuchten entdeckt, die allerdings alle immer hohen Wellengang hatten. Schnorcheln konnte man nirgendwo wirklich. Eventuell ginge es in Puerto Rico im Südwesten, dort sah die Bucht ruhiger aus (dafür war der Strand so klein, dass die Leute wie Sardinen herumlagen).



Am Aeroclub Gran Canaria kann man Tragschrauber fliegen oder Cessna... oder diese alte DC-7 bewundern, die Binter Canarias restauriert hat. Das Flugzeug aus dem Jahr 1958 flog einst für Swiss, SAS und Japan Airlines, später für Spantex. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass dieses recht kleine Flugzeug früher über den Atlantik flog.


Auf einen Mietwagen haben wir entgegen unserem Plan verzichtet. Es gab genug in der Umgebung und auf Kraxeln durchs Gebirge hatte ich mit den Kindern ohnehin nicht so recht Lust. Die Hauptattraktionen für Touristen, ein Wasserpark sowie der Palmitos Park, eine Art Zoo, sind für kanarische Verhältnisse teuer. Der Wasserpark ist toll, aber kleinere Kinder können da nicht wirklich viel machen. Das meiste sind eher heftig waghalsige Rutschen.


Dass man in Spanien ist, merkt man nicht. Jeder spricht Deutsch und das fast immer so gut, dass man fröhlich drauflos plaudern kann. Das war vor 25 Jahren noch nicht ganz so...

WLAN gab es im ganzen Ort und gratis. Es war abends manchmal etwas lahm, aber meistens lief es ganz gut. Das ist man so gar nicht gewohnt, dass es öffentliches WLAN gibt, das auch noch einfach funktioniert. Und wo kein Wlan war, war wenigstens LTE. Sogar 20 km weit draußen auf dem Meer...!


Am vorletzten Tag entschieden wir uns zu einem Bootsausflug. Ich hatte die ganzen Tage immer schon Werbung für Bootsfahrten zu Delphinen gesehen. Eigentlich habe ich es für Nepp gehalten. So wie die Wanderungen zu Tigern in Indien, wo sich dann herausstellt, dass da vor 20 Jahren letztmalig ein Tiger gesehen wurde. Aber nachdem uns im Hotel andere versicherten, viele Delphine gesehen zu haben, buchten wir einen Ausflug. Dauer: 2 Stunden, Kostenpunkt für 4 Personen: 74 Euro. Mit Delphingarantie - wenn man keine sieht, darf man am Folgetag noch einmal wiederkommen und gratis mitfahren. Im Netz waren zu der Tour sehr viele Berichte zu übelster Seekrankheit. Hm. Es war nur Windstärke 2, also wagten wir es.


Ja, es wackelte, aber niemandem wurde übel. Auf dem Oberdeck schwankte es extrem. Mit ganz kleinen Kindern (oder Wildfängen) würde ich die Tour nicht machen, auch weil das Schiff nicht rundum zu ist. Nachdem wir schon fast eine Stunde immer weiter aufs offene Meer gefahren waren, sah man Delphine, aber nur von Weitem. Sie sprangen hoch, aber wir hatten uns das anders vorgestellt. Einige Kinder murrten. Bis plötzlich die Ansage kam, dass vor uns ein Pottwal sei. Man sah die Wasserfontäne nach oben sprühen. Der Motor vom Boot wurde es ausgemacht, es schwankte ganz arg, als das Boot den Wellen überlassen wurde. Dann war der Wal eine ganze Weile neben dem Boot, ließ sich gut beobachten, bis er ganz klassisch mit Flosse nach oben abtauchte.


Alles in allem:  Schön war es. Klar, es gibt keine kulturellen Highlights, es ist kein besonders ausgefallenes Reiseziel, fast jeder war schon dort, es gibt einfach nur Strand, Meer, beheizte Pools, Katzen und Echsen, viele Wandermöglichkeiten und zahlreiche Restaurants. Zum Relaxen oder Familienurlaub ausreichend und wir würden wieder hinfahren, wenn uns das Wetter hier zu kalt ist.

Freitag, 5. Mai 2017

Neulich im Irrenhaus... nein, beim Sport...

Normalerweise meide ich Kommunikation mit anderen Müttern in den Sportvereinen der Kinder. Man kennt sich nicht und meist stellt man schon nach wenig Smalltalk fest, dass es nicht passt und man sich daher auch nicht näher kennenlernen wird.

Im Schwimmverein des Kleinen gelingt mir das leider nicht. Jedes Mal geht es los... Inzwischen frage ich mich, ob die Mutter, die mir wöchentlich ein Gespräch aufdrängt, verrückt ist oder provozieren will oder....keine Ahnung...Immer wenn man dezent woanders hinschaut oder schwer beschäftigt tuend auf das Smartphone einklöppelt, geht es wieder los...

Vor Weihnachten:
"Und, was macht Ihr an Weihnachten?"
"Feiern im kleinen Kreis."
"Wir werden bestimmt in der Notaufnahme vom Krankenhaus feiern. Die Kinder sind erkältet, so eine Lungenentzündung zum Fest, das hätte doch was."
"??"

Danach sahen wir uns eine ganze Weile nicht, nun seit kurzem wieder...gestern fuhr sie dann zur Höchstform auf.

"Ach...da seid Ihr ja wieder.... Wie war die letzte Woche, als bei Euch Kindergartenfahrt war? Habt Ihr eine tolle Zeit gehabt?"
"Zum einen waren es nur drei Tage, zum anderen mussten wir am Vorabend der Abreise hin zum Abholen, da er krank geworden war."
"Oooooooooooooooooooooooooooochhhhhh.... Und Ihr hattet es Euch bestimmt gerade gemütlich gemacht bei einem Glas Rotwein...."
"Nein." (ich war gerade beim Zahnarzt, als man mich anrief...)
"Und, so richtig schön...so mit Durchfall, Kotzen und so?"
"Nein, Erkältung samt Fieber."
"Hui, auch toll! Hattet Ihr ja lange nicht! Und das konnten die Erzieherinnen nicht selbst regeln? Wie war der Personalschlüssel auf der Fahrt?"
"12 Kinder und 2 Erzieher."
"Ok, der Personalschlüssel ist ja auch total schlecht. Das ginge in unserem Kindergarten gaaaar nicht."
...

"Ach, deine Tochter wird schon 12? Ach, dann bist du ja total früh Mutter geworden, Wie ist das so gewesen?"
"Was soll damit sein? Im Endeffekt auch nicht anders als beim 2. Kind mit 30."
"In dem jungen Alter macht man sich immerhin keine Sorgen und hat keine Angst."
"Würde ich so nicht sagen."
"Doch doch, meine Cousine, die hat mit 20 ihr erstes Kind bekommen. Hat es erst in 20.Woche gemerkt, hat geraucht, getrunken und Drogen genommen. Beim zweiten allerdings auch, obwohl sie es gleich bemerkt hat."
"Aha."
"Die Kinder sind total langsam. Aber sie auch. Kann also normal sein."
"..."

"Aber meine Cousine hat auch nicht so viel gestillt wie ich, die konnte direkt wieder trinken. Ich habe 24 Stunden am Stück gestillt, monatelang"
"Oh..."
"Ja, ging halt nicht anders. Sonst hat hat meine Tochter geweint. Ich habe Ihr gesagt, sie soll aufhören, hat sie nicht gemacht. Also habe ich gestillt. Sie hat nie zugenommen. Keine Ahnung."
"Wie geht das logistisch... so mit essen, duschen, auf Klo gehen, schlafen?"
"Also, mein Mann hat mir morgens Schnittchen gemacht, zum Sessel gebracht und da saß ich dann bis abends, dann hat er neue Schnittchen gebracht. Dann saß ich die ganze Nacht. Morgens wieder Schnittchen...Monatelang. Man kann auch im Sitzen schlafen."
"Aha.. Ich nehme an, das hast du nur beim ersten Kind so machen können?"
"Naja, der zweite war auch so, den hatte ich ein Jahr lang nur im Tragetuch."
...

"Wo wir gerade von Alkohol und meiner Cousine sprechen. Ich trinke ja nur noch Wodka."
"Hm."
"Da bekommt man wenigstens keinen Kater."
"Keine Ahnung, ich trinke kaum Alkohol, schmeckt mir nicht."
"Ja, stimmt...das mag ich eigentlich auch nicht. Hach, man wird so spießig mit Kindern. Man wird so, wie man nie sein wollte. Ich desinfiziere auch immer jeden Bauklotz und so."
"..."

"Wenn wir in den Urlaub fahren, haben wir übrigens nur Handgepäck."
"Wie geht das mit Kindern?"
"Hast Recht, ist schwierig. Wir waren mal im Urlaub, wenig Wechselsachen dabei und dann hat sich mein Kind auf der Anreise übergeben, aber großflächig. Wir hatten zu wenig Sachen dabei. Sie roch daher zwei Wochen dezent nach Kotze."
"...?!"


"Unser Jüngster ist nun in der Trotzphase. Das heißt, wir brauchen täglich bis zu 2 Stunden für den Weg vom Kindergarten und manchmal 4 Stunden für den Rückweg. Dabei ist es nur ein Kilometer"
"...wie geht das?"
"Na... mal komme ich zu früh zum Abholen zum Kindergarten, mal zu spät. Mal habe ich das falsche Getränk oder das falsche Essen eingepackt. Und dann trotzt er und wir kommen nicht vorwärts."
"Wie schafft Ihr das morgens? Bei uns muss man um 9 Uhr da sein?"
"Das ist bei uns völlig egal. Wir erscheinen selten vor 11 Uhr..."


"Übrigens, meine Tochter hatte letzte Woche Sex" (das Kind ist 6)
"??"
"Ja, ich habe sie dann gefragt, was sie meint?"
"??"
"Sie sagte, auf dem Klo. Mit zwei Jungs. Im Stehen. Und sie hat gesagt, man muss ein Kondom nehmen, sonst bekommt man Babys."
"?!" (*wo ist die versteckte Kamera?)
"Sie hat einen Spaß gemacht. Sie meinte, sie haben eigentlich nur alle versucht, im Stehen zu pinkeln."
"Aha."
"Das wäre auch zu lustig... lauter Sechsjährige beim Sex im Stehen auf dem Klo"
"Wenn du meinst."
"Das ist in der Kita normal. Die haben auch einen Nackt-Raum zum Spielen."
"...?!"
"Das erste Buch, dass der Erzieher in der Kita meiner Tochter mit 3 übrigens vorgelesen hat, war dieses Aufklärungsbuch "Peter, Ida und das Minimum"."
"Aha...kenne ich als Buch fürs Grundschulalter."
"Dachte ich auch. Habe mich auch gefragt, ob das die richtige Lektüre für Dreijährige ist."
*ganz ehrlich, wenn das alles SO stimmt, würde mein Kind in so einen Kindergarten ja nicht mehr gehen, aber gut...Ich bin sicher, es handelte sich um eine Märchenstunde.*

Alles so passiert...bis auf den Weihnachtspart alles diese Woche. Wo nehme ich für nächste Woche die Tarnkappe her? Ich mag keine Konversationen, bei denen man ganz offensichtlich verar*** wird, um zu schauen, wie der andere reagiert.