Donnerstag, 29. Januar 2015

Die Nachrichten von 1850...

Als "damals" das Internet neu war und alle ganz begeistert waren von den Möglichkeiten, sich mit der ganzen Welt zu vernetzen, war Ahnenforschung mal ziemlich im Trend.

Ich habe damals auch mal nach Vorfahren gesucht. Bei einer Haushaltsauflösung nach einem Todesfall in unserer Familie fielen mir vor gut 14 Jahren jede Menge alte Dokumente in die Hände. Geburtsurkunden, Sterbeurkunden, Eheurkunden, Briefe, alte Fotos... Viele interessante Dinge, aber als ich damals nach den Namen und Orten im Netz suchte, fand ich schlichtweg nichts. Oder bestenfalls Verweise darauf, dass man Kirchenbücher anschauen könnte in ehemaligen Heimatorten der Vorfahren. Das liesse sich bei meiner einen Oma noch gut bewerkstelligen, sie ist in der Gegend geboren, die heute zu Polen gehört. Bei meiner anderen Oma wird die Anreise schon schwieriger, denn ihr Geburtsort liegt im heutigen Litauen.

Wie dem auch sei... nachdem ich die ganze Sache lange Zeit unter "lässt sich eh nichts finden" verbucht habe, habe ich es jetzt noch einmal versucht. Eigentlich nur, weil ich noch einmal nach den ganzen Orten in den Dokumenten geschaut habe, um mir diese Orte dann mal mit Google Streetview anzuschauen.

Und dabei stolperte ich auf einmal zumindest in der Gegend im heutigen Polen auf jede Menge Ahnenforschungsinfos. Es wurden offenbar viele Dokumente in den letzten Jahren digitalisiert und so findet man doch recht viel. Ich habe noch nicht eindeutig DIE Vorfahren gefunden, aber da meine Oma einen ungewöhnlichen Nachnamen hat, macht das die Sache schon leichter.

Mein heutiges Fundstück des Tages: die "Polizeinachrichten" aus der Mitte des vorletzten Jahrhunderts, man findet sie hier.

Fast so schön wie der Twitteraccount der Berliner Polizei. Fast.  Es fällt auf: es sind viele Hunde zugelaufen, aber keiner wird vermisst. Es liefen Leuten Rinder und Hammel zu, Fohlen entliefen. Dafür, dass das eine ländliche Gegend ist, sind erstaunliche viele Vermisstenmeldungen dabei, darunter auch vermisste Kinder. Da soll nochmal einer sagen, früher sei alles viel sicherer gewesen...

Und zu meinem Entsetzen: jemand mit dem Nachnamen meiner Oma hat 1850 eine Haftstrafe nicht angetreten. Oha.


Mittwoch, 28. Januar 2015

Abgestellt

Auf der SD-Karte meines Handys schlummerten noch diese Fotos. Es ist mal wieder etwas, was ich ohne Geocaching nicht gesehen hätte, weil ich keinen Grund gehabt hätte, dorthin zu gehen.

Am Bahnhof Lichtenberg steht dieser ausgemusterte Zug. Erst dachte ich, es handele sich um einen Zug aus dem Ausland, der natürlich gleich wieder losfahren wird. Tut er aber nicht. Es handelt sich um einen VT18.16, ein ehemaliger Prestige-Zug der Reichsbahn. Er fuhr einst als Vindobona (das hatte ich doch neulich erst...?) auf der Strecke von Berlin nach Wien über Prag.

Der Zug steht dort immer, er gehört einer BSW-Freizeitgruppe. Man kann ihn am besten sehen, wenn man zum Studentenwohnheim Q216 geht, aber nicht hinein, sondern dann nach links zum Bahnhof, den man dann ohnehin schon sieht. Da steht der Zug quasi vor einem, es gibt nicht einmal einen Zaun...



Ausgedruckt

Seit mittlerweile fast zehn Jahren bin ich aktiv auf der Webseite von Postcrossing. Man verschickt dort Postkarten an fremde Menschen in aller Welt und bekommt auch von wieder anderen Fremden Postkarten zugeschickt. Ich finde es immer sehr spannend, was man so im Briefkasten findet und freue mich, dass schon etliche exotische Ecken der Welt wie Pakistan oder Ghana dabei waren. Und da es wirklich reale und echte Postkarten sind, kann dieses Hobby ins Geld gehen.

Beim Porto sind, logischerweise, keine Einsparpotenziale vorhanden, bei den Karten aber schon. Da man aber niemanden mit Werbekarten aus der Kneipe verärgern möchte und auch Selbstgemaltes nur bei einem kleinen Kreis von Leuten gut ankommt, muss man sich etwas anderes einfallen lassen, um günstig an Karten zu kommen. Ich habe schon einiges ausprobiert.

Man kann in der Stadt, etwas abseits der Touristenströme, nach günstigen Postkartenläden suchen. Aber gerade in Berlin sind Postkarten aber leider nie wirklich günstig, oder wenn doch, dann sind sie wirklich nicht schön oder standen mal im Regen. Das möchte ich nicht, denn ich möchte nur Karten verschicken, die ich auch selbst bekommen wollen würde.

Einmal habe ich im Großhandel Karten gekauft, direkt bei einem Postkartenverlag. Das war schon deutlich günstiger, aber man musste mit einem Mal mindestens 100 x das gleiche Motiv nehmen. Das war schon etwas sehr extrem, ich habe einige Karten davon heute noch. Zudem war es ein wenig seltsam, dass ich als Privatperson einen Termin in dem Verlag bekam und gefühlte zwanzig Mal die Frage beantworten musste, was ich denn mit den ganzen Karten vorhabe.

Noch günstiger war es, Karten vom Großhändler im Netz zu kaufen. Leider hatte der keine Berlin-Karten, wie ich sie gerne verschicke, sondern nur Ostsee-Motive und das auch immer gleich als Paket mit 100 Stück mit demselben Motiv. Die Ostsee ist zwar auch schön, aber das Meer könnte überall aufgenommen sein und zudem komme ich dort nun einmal nicht her. Ich kenne nicht einmal die Orte, die diese Karten zeigen.

Man könnte ja eigentlich auch selbst Fotos machen. In Zeiten von Kameras mit hoher Auflösung, könnte man sich eigentlich selbst bei gutem Wetter auf Motivsuche begeben. Aber was dann? Mit dem eigenen Drucker zu Hause sieht das Ergebnis meist ziemlich mau aus, zumal man mit den meisten Druckern keine Karten aus festem Karton drucken kann. Zumindest nicht so, dass es narrensicher wirklich so aussieht wie beabsichtigt. Am Ende kostet es viel Tinte, aber sieht nach nichts aus. Ich habe solche Karten schon bekommen und ganz ehrlich, ich mochte sie nicht.

Vermutlich könnte man Karten auch im Copyshop drucken lassen, aber zum einen ist der Shop hier in der Nähe geschlossen worden, zum anderen erscheint mir das immer sehr kompliziert, mit einem USB-Stick in einem Shop zu gehen, dort genau zu erklären, was man möchte und dann zu hoffen, dass es klappt. Beim Drucken meiner Magisterarbeit habe ich viel Zeit in solchen Shops verbracht – im ersten Anlauf ging es komplett daneben – man nahm meinen USB-Stick, verschwand für eine Stunde und ich bekam drei Exemplare ausgehändigt, die man nicht in der Uni abgeben hätte können. Ein anderer Shop hat es dann gerettet. Ende gut, alles gut, aber es war teuer und ärgerlich.

Aber heutzutage kann man ja auch alles online erledigen und über Google fand ich die Onlinedruckerei cewe-print.de. die sich zwar in erster Linie an Firmen richten, die gedruckte Produkte wie Broschüren, Visitenkarten oder Wandkalender benötigen, aber auch Postkarten, Grußkarten und Briefpapier drucken. Die Mindeststückzahl liegt bei nur 25 Stück, allerdings wird es, wie überall, viel günstiger, wenn man große Mengen bestellt. Gegen einen Aufschlag werden die Karten sogar direkt an den Empfänger geschickt. Da ich Cewe bereits von den Fotobüchern kenne, werde ich es einmal ausprobieren. Dazu werde ich mal bei gutem Wetter ein paar schöne Fotos machen und dann als Karten drucken lassen.

Freitag, 23. Januar 2015

Ansage

Neulich vor der Markthalle 9 in Kreuberg:


Mittwoch, 21. Januar 2015

Von Gummis und Enten - Besuch im Klärwerk Ruhleben

Nachdem wir wussten, wie das Wasser zu Trinkwasser wird, waren wir auch noch zur Besichtigung im Klärwerk Ruhleben.Und wieder zeigte uns ein Erklärwerker das Werk. Auch diese Führungen werden sonst überwiegend von Schülern besucht, die dazu "gezwungen" werden. Ich erinnere ich mich auch noch an den Besuch im Klärwerk Falkenberg während der Schulzeit. Dieses Klärwerk gibt es nicht mehr.

Blick über Klärbecken und Schlammverbrennungsöfen
Das Klärwerk in Ruhleben ist das größte der Berliner Wasserbetriebe und das einzige, das im Stadtgebiet liegt. Es liegt eher in einem Industriegebiet, nur einen Steinwurf vom Kraftwerk Reuter entfernt und direkt in der Nähe ist eine Art Verschrottungshof mit alten (BGV-)Bussen - eine übrigens etwas skuril wirkende Ansammlung.

Die Anlage wurde nach dem Bau der Mauer gebaut, denn sonst hätte West-Berlin schlichtweg keine Kläranlage mehr gehabt und wäre so von Ost-Berlin immer abhängig gewesen.

Nicht in den Rechen steigen!

Zu Beginn der Führung gab es zunächst einen interessanten Vortrag über das Klärwerk und wie das alles funktioniert. Die wichtigsten Fakten in Kürze (und ganz konkrete Daten und Zahlen gibt es hier):
  • pro Tag werden hier 247.500 Kubikmeter Abwasser gereinigt - bei Starkregen, der ja auch in die Kanalisation fliesst, kann es deutlich mehr sein
  • das Abwasser von 1,1 Millionen Menschen kommt hier an
  • das Wasser verlässt das Klärwerk in Richtung Spree und später daher auch Havel und entspricht dann der Badewasserverordnung, es ist zwar kein Trinkwasser, aber 97 % der Abfallstoffe werden herausgefiltert
  • Berlin ist eine depressive Stadt. Man hört ja immer viel von Östrogenen und anderen Hormonen im Wasser. Aber im Wasser sind in Berlin auch auffallend viele Reste von Antidepressiva und Schmerzmitteln. Es ist aber so wenig, dass es für Menschen wohl irrelavant ist. Im Gegensatz zu Fischen... schüchterne Fische werden durch Antidepressiva sehr wagemutig, was ihre Überlebenschancen schmälert. Also: keine Medikamente in die Toilette kippen.
  • es gibt KEINE Krokodile in den Abwasserkanälen der Stadt
Klärbecken
Im Eingangsbereich des Werkes kann man in einem Regal mehr oder weniger kuriose Gegenstände anschauen, die schon so herausgefiltert wurden. Dinge also, die von irgendjemandem in der Toilette oder im Gully versenkt wurden. Es waren Klassiker dabei wie Plastikfische und Spielzeugautos, aber auch ein Teppichklopfer (??), Decken und sogar ein Schildkrötenpanzer- ich möchte eigentlich besser nicht wissen, ob da etwa jemand eine lebende Schildkröte auf diese Weise in die vermeintliche Freiheit entlassen wollte - so wie den kleinen Nemo...

Und auch das ist kein Schwimmbad
 Die Führung war interessant, aber ich war ganz froh, dass sie nicht so lange ging, wie die durchs Wasserwerk. Denn die olfaktorische Wahrnehmung war, vor allem in den ersten Vorklärbecken, schon heftig. Ich habe in dem Bereich auch kaum Fotos gemacht. Zwar war das, was man dort sieht, interessante Technik, aber ...

Riesige Rechen "kämmen" gleich zu Beginn erst einmal Toilettenpapier aus und außerdem natürlich auch eben alles andere. Man erkannte Gummis in allen Farben.


Es folgten einige Vorklärbecken. Sand wird herausgefiltert, der überwiegend bei Regengüssen in die Kanalisation gespült wird.  Fett wird von der Wasseroberfläche geholt. Kein wirklich schöner Anblick, aber nun ja, ist halt so.

Später übernehmen Bakterien den Job des Klärens in den sogenannten Belebungsbecken. Bei der Führung wurde ein Becher Wasser aus diesem Wasserbecken geholt und etwas gewartet. Man konnte den Bakterien bei ihrer Arbeit zusehen. Das Wasser wurde im oberen Bereich des Bechers immer sauberer.

Am Ende landet das Wasser in weiteren großen Becken. Hier wimmelte es vor Enten und Möwen, die einfach gemütlich herumschwammen.

Möwen-und Entenbadewanne ;-)

Alles in allem: nicht wirklich schön anzusehen, aber interessant. Man macht sich über solche Dinge nie wirklich Gedanken, wo alles landet, was man so wegspült. Und da ist so ein Einblick gar nicht mal schlecht.

Donnerstag, 15. Januar 2015

Besuch im Wasserwerk Tegel

Nachdem ich im letzten Jahr bereits das Kraftwerk Reuter West besichtigt habe, ging es in der letzten Woche zu den Erklärwerkern (ja, sie heißen so!) der Wasserbetriebe. Auch die bieten kostenlose Führungen für Gruppen an. Wir waren im Wasserwerk Tegel und einen Tag später im Klärwerk Ruhleben. Die Führungen werden überwiegend von Schülergruppen genutzt, aber es kann nach Anmeldung jeder dorthin gehen und sich über das informieren, was täglich aus dem Wasserhahn kommt und wohin es geht. Ein bißchen wie "Sendung mit der Maus", nur "in echt" ;-).

Trinkwasserschutzgebiet

Ich habe mir noch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, wie aus Wasser eigentlich Trinkwasser wird. Ich kenne natürlich die Trinkwasserschutzgebiete, die vielen Brunnen, die man in Tegel, Köpenick und anderswo mal sieht und die Wasserwerke kenne ich auch von außen, aber wie aus dem Grundwassser Trinkwasser wird, wusste ich nicht.

Im Wasserwerk gibt es natürlich viele Rohre... hier kommt das Wasser an
Im Prinzip ist es in Berlin erstaunlich einfach. Das Oberflächenwasser des Tegeler Sees (bzw. in Friedrichshagen am Müggelsee ist es nicht anders) versickert ins Grundwasser und wird durch den Sand im Erdboden quasi von allein gefiltert. Oberflächenwasser wird nicht für die Wassergewinnung genutzt, das Wasser muss 50 Tage durch den Sand geflossen sein, um genutzt zu werden. Dann wird es mittels der Brunnen (die wirklich tief in der Erde sind), hochgepumpt und man könnte es bereits trinken. Bei der Führung hatte man auch die Möglichkeit, dieses Wasser zu probieren.

Wie eine riesige Dusche - Belüftung
Allerdings enthält das Wasser dann noch Eisen und Mangan, was geschmacklich nicht so gut ist und außerdem das Wasser binnen kurzer Zeit, wenn es steht, dreckig aussehen lässt. Deshalb wird das herausgefiltert. Sauerstoff wird auch hinzugefügt, das sieht aus wie riesige Duschen.

Nicht vom Beckenrand springen, auch nicht rückwärts!

Und das war es. Das Wasser kommt in große Reinwassertanks, wirklich riesige Tanks und darf dort maximal einen Tag lang stehen.Biologen überprüfen natürlich das Wasser und sogar kleine Fische leben im Wasserwerk in einem kleinen Aquarium und "testen" ständig das Wasser. Wenn die Fische unruhig werden, wird Alarm ausgelöst, denn dann stimmt mit dem Wasser etwas nicht (oder der Futterspender ist leer - das hat wohl auch schon einen Alarm ausgelöst ;-)).

Fische...
Diese Art der Trinkwassergewinnung gilt für Berlin. Das Wasser ist hier sehr gut und muss nicht zusätzlich noch bearbeitet werden. Das ist in anderen Städten anders.

Riesiger Wassertank, man sieht nur einen kleinen Ausschnitt

Interessant war auch, wie die Wasserwerke auf die Abnahme von großen Wassermengen reagieren. So muss man dort immer Fußball-WM oder den Tatort schauen und schon quasi vorher wissen, wenn Halbzeit ist etc. und dafür sorgen, dass dann genug Wasser für alle Klospülungen ist. Weil dann wirklich ALLE gleichzeitig aufs Klo rennen. Man sah das in einer Grafik sehr gut. Es gab Grafiken zu allen großen Fußball-Ereignissen der letzten Zeit und man konnte sehen, wann Halbzeit, wann Endspiel (wenn die ganze Nation guckt), wann Verlängerung... Ziemlich lustig.
Und wenn die Wasserwerke nicht entsprechend steuern würden, würde es wohl Rohrbrüche geben bei solchen Ereignissen. Beeindruckend.

Die Führung dauerte etwa 3 Stunden, ging durch das gesamte Werk und zu keiner Zeit war Höhenangst-Gefahr wie bei Reuter West angesagt. Direkt an die Wasserbecken durfte man daher logischerweise nicht, alles ist hinter Glas. Es hat sich gelohnt und ist empfehlenswert.

Montag, 12. Januar 2015

Verfolgungswahn

Ja, ich weiß. Man weiß es eigentlich und natürlich wird immer alles gespeichert. Aber wenn man es mal so richtig vor sich sieht, ist das schon noch einmal anders als das theoretische Wissen. Für viele ist es ganz bestimmt ein alter Hut, aber ich bin heute in der Unübersichtlichkeit des Google-Accounts erstmals auf meine Geschichte gestossen. So richtig bewusst.

Seit August habe ich ein neues Smartphone. Als ich es einrichtete, fragte es mich irgendwann, ob ich Google Now nutzen möchte. Ja, schon... Ich hatte im Freundeskreis auch schon durchaus nützliche Anwendungen, aber bisweilen auch gespenstische Geschichten über diese App gehört.

Das unheimlichste bisher: ein Freund fotografierte ein Buch, es wurde erkannt, dass es sich um ein Buch handelt und um welchen Titel und er bekam daraufhin das Buch und dazu passende Werke vorgeschlagen. Ob es konkret eine Google-App in dem Fall war, weiß ich nicht, aber es war gespenstisch.

Mir war klar, dass Google alles mögliche speichert. Ich wollte eigentlich auch Google Now bewusst mal auf die Probe stellen. Denn eigentlich "versteht" es schnell Zusammenhänge... Dort wo man nachts ist, ist wohl "zu Hause", wo man täglich immer zur selben Zeit ist, ist wohl "Arbeit" und dann kommen weitere Orte hinzu. Da ich mich oft mehrmals pro Woche kreuz und quer in der ganzen Stadt aufhalte und es kein logisches Bewegungsschema gibt, wollte ich mal schauen, was so passiert.

Erstmals getestet habe ich Google Now im Urlaub. Prompt dachte es, mein Zuhause sei in Dänemark. Meine Arbeit in Berlin, denn da bin ich ja auch oft. Hm. Naja... fast. Später wurde dann doch auch Berlin das Zuhause.

Jedenfalls ist es Google Now nicht gelungen, ein sinnvolles Muster in mein wirres Bewegungsprofil zu bringen. Das ist ja noch ganz lustig.

Was ich unheimlich fand, war dagegen, was ich heute fand. Eigentlich wollte ich dem Handy nur abgewöhnen, mir bis in alle Ewigkeit jeden blöden Suchbegriff, den ich vor Lichtjahren mal eingetippt habe, hinterherträgt.

Kleines Beispiel: letzte Woche kam im Fernsehen irgendeine Musiksendung. Bei einigen Sängern fragte ich mich, ob die noch leben. Also... gesucht mit dem Smartphone, um die Neugierde direkt zu bekämpfen.
Ergebnis: zwei Tage später wird mir vorgeschlagen, ob ich nicht auf ein Konzert von diversen älteren Sängern (die noch leben) gehen möchte, vielleicht zu einem Udo Jürgens-Gedenkkonzert... Hilfe...!

Aber auch jeden Suchbegriff, den ich am Laptop eingebe, erscheint auch auf dem Smartphone, denn man ist meist hier ja hier auch eingeloggt. Es nervt, die Liste ist endlos und selbst das Löschen im Browser brachte keinen Erfolg. Also habe ich weiter gesucht und fand die so genannte Account History. Wenn Ihr Eure suchen wollt, klickt hier und seid bei Google eingeloggt...tatata...:
https://www.google.com/settings/accounthistory

Geht man dort auf Browser-Aktivitäten und Suchverlauf, kann man sehen, was man nicht alles schon gegooglet hat, wenn man denn diese Funktionen des Smartphones nutzt. Das ist bei mir viel. Sehr viel. Aller möglicher Krempel. Der mich größtenteils jetzt nicht mehr interessiert. Zum Glück war mit einem Klick diese Geschichte gelöscht. Und ich habe direkt eingestellt, dass ich das nicht mehr haben möchte.

Aber meine Standort-History hat mich dann doch überrascht. Ein Traum eines jeden Kontrollfreaks. Man kann genau verfolgen, wo man (oder eher das Handy) so war. Es gibt ein paar Ungenauigkeiten, vor allem, wenn man U-Bahn fährt. So soll ich am Freitag um 9:51 am U-Bahnhof Pankow gewesen sein (ja, stimmt) und direkt 7 Minuten später in der Yorkstraße. DAS kann nicht sein, da war ich an dem Tag überhaupt nicht und binnen 7 Minuten schon gleich gar nicht.

Ich kenne solche Karten. Mein eTrex 30, ein GPS-Gerät für Fußgänger ;-), macht genau das gleiche und man kann sich das dann auch schön auf der Karte anzeigen lassen. Aber es wird nicht automatisch ins Internet hochgeladen.

Aber ansonsten kommt es gruselig gut hin. Es liess sich aber auch alles löschen. Liegt in Kopie bestimmt noch irgendwo. Und nun habe ich erstmal diverse Funktionen ausgeschaltet. Auch wenn ich nun nicht mehr an jedem x-beliebigen Ort ohne zusätzliche App sehen kann, wie ich am schnellsten nach Hause komme...

Freitag, 9. Januar 2015

Spontan nach Prag...

Letzte Woche bekam ich eine Nachricht: „Wir sind in Prag. Kommst du her?“. Die Nachricht kam von Freunden aus Moldawien. Wir sehen uns sehr selten, schon allein weil Flüge dorthin nach wie vor nicht wirklich Schnäppchen sind. Die Flugverbindung über Ungarn, die früher noch bezahlbar war, gibt es nicht mehr und Wizz Air fliegt nicht nach Berlin. Wobei ich bei Wizz Air auch unsicher bin. Ist jemand mit denen schon einmal geflogen? Sind sie wie Art EasyJet, nur anders?


Wie dem auch sei... kurz überlegt, einiges organisiert und schon konnte es losgehen. Ein EuroCity der ungarischen Bahn, der Hungaria, stand pünktlich morgen uns kurz vor 7 Uhr am Hauptbahnhof und los ging es nach Prag. Mit dem Tschechien-Special der Bahn kostete die Fahrt pro Strecke 39 Euro. Die Bahn war unglaublich leer. Bis Dresden waren noch einige andere Passagiere in dem Großraumabteil, danach war ich allein. Mit diesen Teppichen an der Decke. So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Zug war schon etwas älter, man roch auch ein wenig den Mief der Vergangenheit, was so einem Zug aber eigentlich ganz gut steht. 


Die Bahnfahrt hat mir gefallen. Ab dem Elbsandsteingebirge geht es immer an der Elbe lang. Man sieht die Bastei und den alten Aufzug mit guter Aussicht in Bad Schandau. Eine schöne Gegend. Im Frühling und Sommer sicher noch schöner.

Prag... das letzte Mal war ich dort während einer Klassenfahrt. Immer diese Klassenfahrten nach Tschechien. Ich mochte sie nicht. Man fuhr dann einen Tag nach Prag, den Rest verbrachte man irgendwo im Nichts. Die Fahrten fanden im Winter statt. Es war grau, dunkel, verschneit. Pivo war das einzige mir bekannte tschechische Wort. Bei meinem letzten Prag-Besuch, es dürfte etwa in der 10. Klasse gewesen sein, sahen wir die Burg, wo uns eine Fremdenführerin gefühlt stundenlang volltextete und schwer zu verstehen war. Die Karlsbrücke (mit total genialem Schneemann), den Wenzelsplatz und den dortigen McDonalds. An was man sich so erinnert.

Aber gut, das ist lange her und der Anlass für den Prag-Besuch ein anderer. Winter ist aber schon wieder, angesagt war auch Schnee, der dann aber nicht kam. 


Wir haben die Burg wieder angeschaut, diesmal ohne endlos redende Fremdenführerin. Wir waren natürlich auf der Karlsbrücke. Eher durch einen Zufall sind wir auch auf den Aufsichtsturm oben an der Brücke gestiegen. Dort war eine richtig gute Aussicht. Mir wäre beinahe nicht einmal aufgefallen, dass man da hineingehen kann, die Tür im Turm ist unscheinbar und man sieht sie vor lauter Leuten nicht.

Touristen... wenn man denkt, in Berlin sei es voll, hat man die Massen auf der Karlsbrücke nicht gesehen. Wahnsinn. Ist es im Sommer auch so voll oder gar noch voller?

Am anderen Ende der Karlsbrücke ging es weiter zur schmalsten Straße Prags. Es gibt eine Ampel, die regelt, wann man in welche Richtung gehen darf, denn man kommt nicht aneinander vorbei. Sie schaltet aber wild hin und her und ist ständig im Wechsel rot und grün. Die Ampel ist wohl nötig, damit die Straße als Fluchtweg für ein Restaurant nutzbar ist. Ob das dann funktioniert mit der Ampel? Angeblich soll in der Straße auch schon einmal jemand stecken geblieben sein und mit Seife befreit worden sein. Oha.


Wir schauten uns noch jede Menge kleine und große Seitenstraße an, entdeckten einen russischen Panzer, moderne Einkaufszentren... Der McDonalds am Wenzelsplatz ist immer noch da. Beruhigend, solche Konstanten ;-).

In der Post darf man vieles nicht... Nicht Eis essen, nicht rauchen, keine Waffen...


Mit der Seilbahn ging es den Petrinhügel rauf. Dort oben stand dieser Turm. Da der Aufzug kaputt war und ich ohnehin Höhenangst habe, bin ich nicht hochgeklettert. Es war auch besser so, denn hinterher bekam ich zu hören, dass der ganze Turm im Wind leicht wackelte und selbst, wenn man keine Höhenangst hat, sei es beängstigend gewesen. Und auch ohne den Turm hatte man von dem Hügel eine grandiose Aussicht am Abend.


Und überhaupt kann man abends noch schöne Aussichten genießen. Auf dem Weg zum Hotel:


Das Hotel Archibald City wurde von mir nicht ausgesucht, auch hier war eher das Motto „Komm her, wir sind schon da“. Bezahlt habe ich für eine Übernachtung 48 Euro mit Frühstück. Das Hotel hat 4 Sterne, liegt sehr nah am Zentrum und auch der Bahnhof ist nicht weit. Aber auch das Rotlicht-Viertel oder wie auch immer man es nennen will, ist ziemlich nah.


Das Zimmer in freundlichem Braun gehalten...das trifft nicht jeden Geschmack, aber man kann sagen: Decken und Teppichboden passten zusammen und alles wirkte ziemlich neu. Das Bad war schön, der Boden glänzte und blinkte und alles war sauber. Der Fernseher bot neben ARD auch Kika. Da nehme ich einmal die Kinder nicht mit, schon gibt es Kika... Wlan ist im gesamten Hotel frei. Überhaupt gab es viel freies Wlan in Prag. Kennt man aus Deutschland gar nicht so.

Die Zimmer des Hotels sind allerdings gruselig hellhörig. Aber Straßenlärm war es nicht, denn mein Zimmer ging hinaus in den Innenhof. Aussicht auf eine Wand. Ich bin normalerweise niemand, der wegen jedem Geräusch aufwacht, aber hier war ich ständig wach... duschende Nachbarn, herumlaufende Nachbarn auf dem Flur, stöhnende Nachbarn im Nebenzimmer... Morgens um 7 Uhr ein komisches Geräusch, das klang, als würde jemand Klettverschlüsse öffnen...ritsch...ratsch....ratsch...ritsch... RATSCH...! Was zum Teufel...? Dazu immer wieder ein Staubsauger.

Als ich zum Frühstück ging, sah ich es. Es wurde einerseits der Flur gestaubsaugt, andererseits aber zeitgleich (!) gemalert. Und das Geräusch kam vom Malerkrepp, dass der Mann anklebte, durchriss, ein weiteres Stück anklebte, kurz darauf wieder abzog...ritsch, ratsch, fetz...

Das Frühstück war ein klassisches Hotelfrühstück -alles da, was man erwartet, von Brot bis Joghurt und Müsli. Etwas Obst, aber auch warme Speisen wie Bohnen, mehrere Zentimeter (!) dicke Spiegeleier, Bratkartoffeln und Mini-Würstchen. Mir persönlich war das zu deftig für ein Frühstück, aber nun ja... andere Länder, andere Sitten.

Apropos andere Sitten: ein solches Schild bräuchte man im Prenzlauer Berg auch:

Seid nett zueinander!
Nach noch mehr Sightseeing ging es wieder nach Hause. Mit dem EC172, der bis zum Fahrplanwechsel im Dezember noch Vindobona hieß. Früher fuhr er von Wien nach Hamburg, heute fährt er in Budapest los.

Nach dem Wechsel der Lok in Dresden war es im Großraumabteil dunkel. Komplett dunkel. Keine Ahnung, ob der Strom weg war oder das Licht kaputt. Aber ich fand es gar nicht so schlecht, so konnte man besser rausschauen. Und mein Wagen war der letzte des Zuges und man konnte hinten aus der Glastür aus dem Zug schauen. Das geht beim ICE oder Regio nicht. Ich stand eine ganze Weile dort und habe mich mit einem anderen Fahrgast darüber unterhalten, wie interessant beleuchtete Tunnel aussehen und dass man eigentlich ein youtube-Video davon drehen könnte...;-)

Der Kurzurlaub in Zahlen:
  • 9 Stunden Zug gefahren
  • 31 km gelaufen
  • 14 Geocaches gefunden