Freitag, 29. April 2016

Sag niemals nie...mit Ryanair nach Dublin

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub ;-). Nein, es war eher ein Zufall, dass kurz auf den Kurztrip nach Barcelona ein weiterer, schon länger geplanter folgte. Das Ziel des Ausflugs, diesmal ohne Kinder und Mann, war Dublin. Das Finden des ältesten europäischen Geocaches  stand auf dem Plan. Und ich wollte mir mal einen kleinen Eindruck von Irland verschaffen - ob das vielleicht ein Ziel für einen Familienurlaub ist - oder ob es nur aus Klippen, Meer und Bergen besteht.


Ich habe diesmal etwas getan, was ich nie tun wollte. Ich bin mit Ryanair geflogen. Eigentlich habe ich mich bisher ferngehalten.

Auch für den Weg nach Irland hätte ich eigentlich Aer Lingus bevorzugt. Sie sind so schön grün, genau passend zu Irland. Sie fliegen ab Tegel und sind auch nicht teuer, ab ca. 30-40 Euro pro Strecke ist man dabei - und sie gehören eh auch zu 30% Ryanair. Da aber die Flugzeiten nicht so recht zu unseren Plänen passten, buchten wir Ryanair.

Die Gründe, weshalb ich bisher nicht mit dieser Airline geflogen bin, sind vielfältig. Da wäre zum einen die aggressive Werbung, die es zumindest vor Jahren gab. "Bye bye Latehansa" stand auf einem Flugzeug, "Bye bye EasyJet" auf einem anderen... Es sollte Toilettengebühren geben und Sondergebühren für Übergewichtige. Es gab Scherze über Stehplätze und bizarre Angebote für männliche Kunden, falls sie jemals auf der Langstrecke fliegen.
Hm. Ungefähr so sympathisch wie Mediamarkt-Werbung.


In letzter Zeit hört man aber, dass sie versuchen, ihren Ruf zu verbessern. EasyJet hat sie überholt bei den Passagierzahlen und nun ist man bemüht, das schlechte Image loszuwerden. Hm.

Dann gefiel mir immer nicht, dass diese Airline einen zum *** der Welt fliegt und das dann Frankfurt, Düsseldorf, Oslo oder London nennt, man aber ewig weit weg ist, meist auch noch fern von öffentlichem Nahverkehr... So dass man das Geld, das man gespart hat, dafür ausgibt, um in die Stadt zu kommen, in die man auch für etwas mehr Geld auch direkt hätte fliegen können. Und noch ewig viel Zeit flöten geht.

Die Preise bei Ryanair waren früher immer ziemlich intransparent. Ich kann mich erinnern, so vor 10-12 Jahren mal geschaut zu haben. Da waren ganz geringe, irrwitzige Preise, teilweise im Cent-Bereich (!!) und wenn man dann ernsthaft durch den Buchungsprozess ging, kam so viel noch hinzu, dass es immer teurer wurde. Oft so teuer, dass man auch gleich die Konkurrenz buchen konnte.

Früher konnte man, wenn man einen Flug gebucht hat, auf der Webseite aus Versehen sonstwas alles kaufen - vom Koffer bis zur Versicherung. Oder bekam gleich noch einen Mietwagen dazu. Die Webseite war bewusst so gemacht, dass man höllisch aufpassen musste und ggf. Dinge abwählen musste.


Man hört viel von Ärger, den manche Leute beim Check-In haben...Koffer kosten extra, Übergepäck wird ganz doll teuer. Vergessen die Bordkarte auszudrucken? Auch das kostet - früher über 50 Euro, inzwischen "nur" noch 20.
Letzteres sind Dinge, die mich eher nicht abschrecken, da ich fast immer nur mit sehr kleinem Gepäck reise, vor allem wenn ich ohne die Kinder unterwegs bin. Und das Einchecken mache ich grundsätzlich immer vorab online. Daher stört mich so etwas überhaupt nicht.

Ein weiterer Grund, weshalb ich Ryanair bisher vermieden habe, waren die Berichte, die man überall hört. Eben "cheap and nasty". Selbst meine Schwägerin, quasi eine Vielfliegerin bei zahlreichen Billigairlines, meinte,  wenn es geht, fliegt sie mit der orangefarbenen Konkurrenz. Sie warnte mich, dass man mein Handgepäck ausmessen wird, ggf. einzelne Sachen doch noch im Kofferbereich des Flugzeugs bringen wird, weil nichts mehr in die Overhead Compartments passen wird und dann stünde ich mit meinen Wertsachen in der Hand dumm herum. Und sie seien "annoying". :-/
Vorsichtshalber packte ich daher in meinen Rucksack noch eine ganz kleine Umhängetasche, in die in diesem Fall die wichtigsten Dinge wie Telefon, Geldbörse und Kamera gepasst hätten. Und stellte mich darauf an, im Flieger wohl eher nicht Prince Charming als Flugbegleiter zu erleben,

Aber man hört auch gutes... im Endeffekt seien sie immer noch am billigsten. Und sie seien inzwischen nicht mehr "cheap and nasty", sondern "cheap and nice". Zeit also, es mal zu probieren...


Gebucht haben wir ca. 8 Wochen vor der geplanten Reise. Es waren gerade keine Ferien, wir sind an einem Samstag zurückgeflogen - das sind Faktoren, die den Preis natürlich nach unten bringen - bei jeder Fluggesellschaft. Wir haben pro Person ca. 25 bzw. 35 Euro pro Strecke bezahlt, ab 19 Euro wäre es möglich gewesen, hätten wir eher gebucht.

Das Buchen ging problemlos, es fielen mir auch keine wirklichen Fallen auf. Es waren nichts standardmäßig angeklickt, was man hätte "abwählen" müssen.
Allerdings ist die Seite so überfrachtet mit Angeboten, dass man eine Weile sucht, bis man das schlichte Wort "Fortfahren" findet... Es kamen auch nach der Buchung noch Werbemails... Ob man nicht einen Mietwagen möchte... oder ein Hotel...

Die Seite ist in einem sehr holprigen Deutsch verfasst. Manches erschließt sich einem nicht. Gerade die Terms and Conditions sind teilweise einfach nur wirr. Das ist sicher schlecht, wenn es mal Probleme gibt und man stornieren möchte oder ähnliches...



Einchecken kann man bereits 30 Tage vorher, das kostet dann allerdings... Wenn man "einfach nur" einchecken will, ist das 7 Tage vor Abflug möglich. Ist man mit Ryanair im Sommerurlaub und hat keinen Drucker dabei (...), könnte das schon schwierig werden.  Und es muss selbst gedruckt werden, es gibt keine Check-In-Schalter. Die Schalter am Flughafen sind nur für die Annahme der Koffer zuständig, Einchecken kann man dort nur im Notfall und das kostet extra.
Alternativ kann man mit dem Handy und App einchecken, dann hat man auch eine Bordkarte, ohne zwingend einen Drucker zu brauchen.

Beim Einchecken auf der Webseite erschienen bei mir erstmals Gebühren, die ich so noch nicht kannte: wenn man gemeinsam sitzen möchte, muss man bezahlen. 6 Euro pro Person und Flug (was bei einer vierköpfigen Familie für Hin-und Rückflug schon mal eben fast 50 Euro wären...).
Wählt man das nicht aus, kann es sein, dass man an völlig anderen Stellen im großen Flugzeug sitzt. Wir haben die 6 Euro bezahlt. Und konnten uns so auch die Sitzplätze frei auswählen. Auf dem Hinflug haben wir erlebt, dass andere die 6 Euro gespart hatten und dann fröhlich Sitze tauschen wollten, was etwas Unruhe beim Einsteigen verursachte...

Und Unruhe ist schlecht, denn es musste schnell gehen....echt schnell... Ryanair wirbt damit, die pünktlichste Airline Europas zu sein. Ganz ehrlich, vor allem auf dem Hinflug waren sie so schnell, dass mir ganz schlecht wurde. Und das ist schlecht, denn es gibt keine Kotztüten...

Aber von vorn... Im ohnehin nicht schönen Schönefeld hat man Räumlichkeiten für die Abfertigung, die einfach nur unfassbar hässlich sind. Dagegen ist der ZOB am Kaiserdamm schön! Ein kleiner Raum. Voll mit Menschen. Die Sitzplätze reichen bei weitem nicht für die Menge an Leuten, die Mitarbeiterin rief immer wieder, man solle durchtreten, damit noch mehr Menschen in den kleinen Raum passen. Unser Flugzeug, die 4 Jahre alte Boeing 737-800 mit Registrierung EI-EVE,  kam zu spät an... nicht viel, vielleicht 10, 15 Minuten.

Es wurde zu keiner Zeit die Größe unseres Handgepäcks ausgemessen. Es stehen überall diese Teile herum, in die man sein Handgepäck tun kann -  wenn es passt, darf es mit. Ich habe nicht gesehen, dass es angewendet wurde. Man darf zwei Handgpäckstücke haben - ein relativ großes ( 55x 40 x 20 cm) und noch etwas kleineres, etwa in Form einer kleinen Handtasche, genau genommen mit den Maßen 35 x 20 x 20 cm.

Und kaum war der Flieger da und die ankommenden Passagiere ausgestiegen, ging es auch schon los. Die Ansage, der Flug stünde bereit, wurde so schnell gesprochen, dass man es weder auf Englisch noch auf Deutsch verstand. So etwas habe ich noch nie erlebt. Dann ging es ganz fix rein in den Flieger. Das war gut organisiert, Treppen waren vorn und hinten am Flugzeug, auf der Bordkarte stand auch klar, zu welcher Tür man gehen sollte. Es waren übrigens die berühmten Metalltreppen, von denen angeblich schon Kinder gestürzt sind - da war allerdings ein Gitter seitlich. Keine Gefahr (mehr?), würde ich sagen. Es kann aber auch sein, dass Schönefeld und auch Dublin bessere Treppen haben als kleine Provinzflughäfen.


Lange gefackelt wurde vor dem Abflug nicht, als alle da waren. Es ging alles sehr zügig. Eigentlich gut, denn es nervt immer, wenn man noch ewig herumsitzt. "Bording completed" hieß es und schon dudelte das Tonband mit den Sicherheitsinstruktionen. Zum Start ging es irre schnell. Nix mit kurz noch an der Bahn herumstehen... Mein Mann hat den Flug zu Hause mit Flightradar24 beobachtet und meinte, dass muss ein "immediate Take Off" gewesen sein (wie man es Flugfunk manchmal hört), denn es war bereits ein Flugzeug für genau diese Bahn gerade im Anflug...
Es war ok,  sonst hätte  es keine Freigabe gegeben, aber es ging eben einfach nur ratzfatz...Wie alles bei Ryanair.

Erster Eindruck im Flieger: alles sehr gelb. Sitze oben gelb, Overhead Compartments zumindest im 4 Jahre alten Flieger gelb und mit Werbung versehen. Ganz dünne Sitze, aber die gibt es inzwischen anderswo auch. Langstrecke möchte man da nicht fliegen, aber kurz mal fliegen, ist ok. Der Sitzabstand... nun ja, seht selbst. Ich bin 1,72 m und habe kurze Bein. Für mich war es ok.


Es gibt keine Sitztaschen - so kann da auch keiner seinen Müll reintun, der dann weggeputzt werden muss... Spart Zeit...

Die Sicherheitskarte ist auf den Vordersitz gedruckt. Obendrüber ist bei vielen Sitzen Werbung für Snacks. Es gibt keine Kotztüte ... bei dem Preis hat einem nicht schlecht zu werden. Und das Bordmagazin mit den Preisen für Snacks und Getränke, mit dem Angebot des Shops usw. wird verteilt und wieder eingesammelt. Kaffee kostet 3 Euro, es gibt auch Snacks oder eine Fünf-Minuten-Terrine.



 Mein Tisch machte einen unglaublich wackeligen Eindruck. Überhaupt war ich erstaunt, als ich hinterher las, dass das Flugzeug erst 4 Jahre alt war. Da machte auf mich das Germanings-Flugzeug nach Barcelona, das schon 12 Jahre auf dem Buckel hatte, einen weniger heruntergerockten Eindruck.

Auf dem Rückflug war es dann anders... Wir saßen in EI-FRC, einer ganz neuen Boeing 737-800. Ryanair hat auch gar keine anderen Flugzeugtypen, es gehört zum Konzept nur gleiche Flugzeuge zu haben. Auch das spart Kosten.
Das neue Flugzeug war toll, alles ganz sauber, das Tischchen diesmal nicht wackelig. Die Farbe gelb wurde auch nicht mehr so kreischend überall verwendend, sondern nur noch an den Sitzen. Die Overhead-Compartments waren weiß/grau und frei von Werbung. Vielleicht auch ein Teil des neuen Konzepts...

Vorab hatte ich gelesen, es wird an Bord viel verkauft. Es gäbe Rubbellose, Sonnenbrillen... Ich dachte schon, man landet bei einer Art Kaffeefahrt... "Wolle Sonnenbrille kaufen... schöne Sonnenbrille...hier, probieren Sie...vielleicht eine Heizdecke dazu oder einen Regenschirm...?".
NEIN, so war es nicht. Es war nicht anders als der Bordshop bei fast jeder Airline. Es kam die Ansage, dass man etwas kaufen könnte und dass man nun mit den Sachen mal durchläuft. Und es lief auch eine Flugbegleiterin mit den Rubbellosen durch und sagte immer "Scratch cards, scratch cards". Gestört hat das nicht.


Wer fliegt eigentlich Ryanair? Wohin ich um Umfeld hörte, von fast allen kam ein angewidertes "Nein, also ich würde damit nicht fliegen". Es erinnerte mich an das Lesen der Bildzeitung... keiner tut es. Und obwohl niemand damit fliegt, sind bei Ryanair fast alle Flüge ausgebucht. Hm.
Sagen wir es mal so... es fehlten die typischen Geschäftsreisenden fast völlig, wobei neben uns jemand mit einem Laptop saß und sich als Vielflieger bei dieser Airline outete. Aber er war nicht repräsentativ bzw. die Ausnahme. Es gab einige Familien im Flieger und sehr viele...hm... naja, Leute, die tatsächlich aussahen, als würden sie sonst die Bildzeitung lesen. Auch sehr viele sehr junge Leute, die sich für wenig Geld Europa ansehen - woran ja nichts falsch ist.
Auf dem Flug nach Berlin hat sich übrigens jemand in aller Ruhe die Nägel lackiert im Flieger. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen...

Auffällig auf beiden Flügen: eine extrem junge Crew. Auf dem Hinflug aus Osteuropa, das würde ich zumindest aus den Namen und dem Akzent vermuten. Auf dem Rückflug war es, vermute ich, eine italienische Crew. Alle sehr nett, freundlich, sehr nett zu den Kindern. Aber auch irgendwie gehetzt. Das machte mir Sorgen. Ehrlich.

Wir landeten mit 5 Minuten Verspätung in Dublin. Das bedeutet: keine Fanfare (!). Ja, Ryanair hat eine Fanfare, die bei pünktlicher Landung abgespielt wird. Schaut man bei Youtube, stellt man fest, dass die früher mal sehr trashig klang. Die neue Variante klingt besser...
Beim Hinflug gab es keine Fanfare, nur ein "We are 5 minutes behind" (?). Beim Rückflug landeten wir 15 min vor der Ankunftszeit... da gab es natürlich das Gedudel und der stolze Hinweis, auf 90% pünktliche Flüge im letzten Jahr.

Ganz ehrlich, mir macht DAS Angst. Pünktlich sein ist toll, aber das war mir zu viel des "Wir tun alles für die Pünktlichkeit". Es soll angeblich sogar Strafen für die Crew geben, wenn sie zu spät sind. Das Gehetzte hinterließ bei mir ein sehr mulmiges Gefühl.

Mein persönliches Fazit: Ich glaube, ich mache das nicht noch einmal.  Es war ok, wir sind gut  angekommen, es war keine fliegende Kaffeefahrt, wir sind nicht in der Provinz gelandet und bis auf die 6 Euro fürs Wählen des Sitzplatzes kamen keine Überraschungen auf uns zu. Aber in Zukunft möchte ich wieder entspannter fliegen, meinetwegen auch mit ein wenig Verspätung.

Das wichtigste in Kürze:

  • man sollte natürlich rechtzeitig buchen, dabei auf Sparangebote auf der Seite achten und bei der Buchung dem Einchecken immer nach dem "Fortfahren"-Button suchen, denn nur damit geht es weiter...
  • Koffer vermeiden und wenn man doch einen abgeben möchte - VORHER das Gepäck hinzubuchen, das ist billiger als direkt am Flughafen
  • Bordkarte ausdrucken keinesfalls vergessen
Da das Flugzeug ganz neu war und somit die Fenster noch blitzsauber, gelang auch ein Video im Landeanflug auf Schönefeld... Zu sehen sind unter anderem der Müggelsee, der Müggelturm, Reste des einst in den Müggelbergen geplanten Fernsehturms, die Dahme... Und man hört die Fanfare, wobei diese inzwischen offenbar einer einfachen Melodie gewichen ist.


Mittwoch, 20. April 2016

Kurz mal weg... Barcelona im Frühling

Im meinem Freundeskreis scheint es nur Leute zu geben, die entweder schon mal in Barcelona waren (und größtenteils wieder hin möchten) oder Leute, die dort gern mal hinfliegen wollen. Für mich stand die Stadt gar nicht mal oben auf der "Muss ich sehen"-Liste, aber nachdem einem auf Facebook permanent Bilder um die Ohren flogen, die ganz gut aussahen und die Flugpreise mit 33 Euro verlockend niedrig waren, haben wir beschlossen, dass wir uns das mal selbst anschauen müssen...

Gleich vorneweg: vermutlich liegt es daran, dass durch Berichte und Fotos meine Erwartungen zu hoch angesiedelt waren.

Oben Kolumbus, unten Touristen
Barcelona ist eine Stadt am Meer und sie hat ein paar wirklich schöne, bunte und alte Gebäude. Punkt.

Im Landeanflug sieht Barcelona schön aus... Auf unserem Flug war es leider die meiste Zeit recht wolkig, erst bei den französischen Pyrenäen klarte es auf und man sah Berge mit Schnee ("Was? Schnee? Mama, du hast Strand versprochen!"). Und schließlich dann die spanische Küste, Strand, Segelboote, Kreuzfahrtschiffe und die Stadt, die wirklich schön liegt zwischen Meer und Bergen. Ohne Looping, den sich mein Sohn gewünscht hatte, landeten wir in Barcelona.

"Ich kann das Brandenburger Tor sehen...!"..."?!"

Man sah gleich, hier ist ein Mekka der Billigflieger... sie sind alle da. Ryanair, EasyJet, Germanwings, Norwegian und natürlich die spanische Vueling. Aber auch Emirates landete direkt nach uns - was ganz gut passte, denn die Frau, die im Flugzeug neben mir saß, wollte mir absolut nicht glauben, dass es auch Flugzeuge mit zwei Etagen gibt ;-). Schön, wenn dann direkt wie bestellt ein A380 angerollt kommt...

Der Vorplatz des Flughafens sieht aus wie überall in Spanien. Karg, Palmen mit brauen Wedeln. Vermutlich liegt es noch am gerade vergangenen Winter.

Vor dem Flughafen halten Busse nach Lloret de Mar. Dort stieg auch genau das Publikum ein, das ich dort erwarten würde. Junge, bereits verkatert aussehende Männer mit "Lloret de Mar"-Hut. Wie war das? Die Saison fängt an, wenn der erste Tourist betrunken vom Balkon fällt?

In die Stadt fährt eine U-Bahn in die Stadt, die keinen Fahrer hat. Das fand ich erst ziemlich cool. Als dann recht uangenehme Mitmenschen einstiegen, schon weniger.

Über die Sicherheit in Barcelona hört man nicht viel gutes. Taschendiebe angeblich überall, vor allem auf Las Ramblas und am Strand. Und in den öffentlichen Verkehrsmitteln  und in allen Sehenswürdigkeiten, in Cafés und überhaupt überall. Fast jeder erzählte mir von Diebstählen und dass die Polizei das einfach anschauen würde.

Andererseits... nachdem ich so viel über das gefährliche Barcelona gelesen hatte, habe ich mal bei Google eingetippt "Berlin dangerous areas"...  Ich wollte mal schauen, was Touristen so schreiben. Man mag es kaum glauben, da wird sogar über die Sicherheit nachts in Prenzlauer Berg (!!) diskutiert. Was soll da bitte passieren? Es könnte einem Bio-Tomate von einem Balkon auf den Kopf fallen, aber sonst fallen mir keine Gefahren in Prenzlauer Berg ein.

Zurück nach Spanien.. ich habe keinen Dieb gesehen, dafür viele Polizisten, die auch aufmerksam wirkten. Aber ich war noch nie im Urlaub so unentspannt. Ich habe permanent gecheckt, ob alle meine Sachen noch da sind. Andere haben es ähnlich gemacht. Überall Menschen, die ihre Rucksäcke nach vorn trugen...
Uns kam nichts weg. Ob es daran lag, dass wir im Prinzip alles ständig festgehalten haben, weiß ich nicht.

Springbrunnen
In dem einen der Schlag treffen könnte!
 Dass Spanien in der Wirtschaftskrise steckt, merkt man überall. Viele Läden sind geschlossen. Obdachlose an vielen Orten. Manche lesen abends noch ein Buch in ihrem Schlafsack. Es ist wohl so, dass es in Spanien nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nichts mehr gibt. Ob es stimmt, weiß ich nicht. Viele fliegende Händler verkaufen an jeder Ecke Souvenirs, Sonnenbrillen, Schmuck... viele Sachen, die sie auf auf Decken ausbreiten. Man darf laut Schildern bei ihnen nicht kaufen. Ist die Polizei am Horizont zu sehen, wird alles zusammengerafft und losgerannt. Es erinnerte mich an vietnamesische Zigarettenhändler, nur mit anderer Ware.

Es sollen wohl auch viele davon leben, ihre eigene Wohnung über AirBnB zu vermieten, um dann selbst zu Verwandten zu ziehen.  Wir haben diesmal nicht bei AirBnB gebucht, da es nichts familientaugliches gab bzw. das, was es gab, entweder ganz weit draußen war oder ausgebucht. Wir haben schließlich ein "Hotel" gebucht, das sich vor Ort als große Wohnung mit lauter vermieteten Einzelzimmern herausstellte. Ich hatte das schon fast geahnt, als ich das Hotel auf Streetview nirgends sehen konnte, sondern stattdessen nur Wohnhäuser.

Häuser...
Immerhin lag es in Laufnähe zu Las Ramblas, es gab zwei Zimmer mit jeweils Doppelbett und großem Fernseher (mit Sendern wie Somali TV...) , eine vollkommen leere (?!)  Minibar und ein Bad mit Leuchtdusche... Eine Rezeption gab es nicht, dafür einen Mann, der uns aufschloss und leider nur Spanisch und Russisch sprach.

Barcelona ist erstaunlich klein. Man kann es zu Fuß weitgehend erkunden, so sind wir an einem Tag vom Park Güell zur Sagrada Familia und weiter zu Las Ramblas gelaufen. Für den Tag hatten wir gut 30.000 Schritte auf dem Schrittzähler. Das U-Bahn-und Busnetz ist aber auch gut ausgebaut und es gibt Drei-Tages-Karten für den Nahverkehr. Sogar eine Standseilbahn ist im Preis mit drin. Ich tat mich mit den U-Bahnen etwas schwer. Spanisch liegt mir offenbar gar nicht, die Namen der Stationen waren so schnell wieder aus meinem Gedächtnis wie ich sie gelesen hatte. Oder nein, sie kamen da gar nicht erst an. Jedes Mal stand erneut vor dem U-Bahnplan mit drei Fragezeichen über dem Kopf, weil ich "unsere" Station bzw. dessen Namen schon wieder vergessen hatte...

Für Early Birds, morgen zwischen 6 und 8 Uhr, ist der Eintritt in den Park Güell frei, alle anderen zahlen seit einigen Jahren recht happige Eintrittspreise. In dem Park ist das Haus von Gaudi und allerlei Kunst von ihm. Aber der Eintrittspreis ist nicht nur hoch, man muss sogar eine Uhrzeit für den Besuch buchen. Das war mir dann irgendwie zu doof und wir haben nur den kostenlosen Teil des Parks besucht und die ganzen Werke Gaudis nur aus ein wenig Entfernung gesehen. Der Park liegt übrigens auf einem recht steilen Hügel. Freundlicherweise gibt es Rolltreppen am Berg!

Park Güell


Komfortabel auf den Berg
Bei der Sagradia Familia verhält es sich ähnlich wie mit dem Park. Es ist sehr voll und möchte man sie besichtigen, ist mit großen Warteschlangen zu rechnen. Die Kirche ist übrigens so eine Art BER. Sie wird einfach nicht fertig. Sie soll einmal 18 Türme haben. 2026 soll sie fertig werden. Begonnen wurde 1882.

Turmbau
Und auf Las Ramblas konnte man vor lauter Menschen kaum treten. Ich dachte bisher immer, Berlin sei, zumindest in Mitte und rund um die Warschauer Straße sehr voll mit Touristen. Aber das ist lächerlich im Vergleich zu den Menschenmengen, die sich durch Barcelona walzen. Und ich vermute, dass es im Hochsommer noch voller sein wird - wenn das Wetter dann besser ist.

Auf Las Ramblas sind jede Menge Marktstände. Sie verkaufen Souvenirs, sehr seltsame Pflanzensamen und zu 90% Nippes, den niemand braucht. Mittendrin stehen fliegende Händler, die mittels Minipfeifen auf sich aufmerksam machen, damit man bei ihnen einen Selfiestick kauft. Mir war diese Straße entschieden zu voll. Es erinnerte mich an den Weihnachtsmarkt in Berlin-Mitte an einem Adventssonntag.

WTF...?!
Ich vermute, hier hat jemand eine Wette verloren:



Sehr niedlich: Halsbandsittiche leben frei in der Stadt und sind fast überall zu sehen.


Überall vorhanden: Mülleimer für iPhones:



Am Ende der Las Ramblas  dann... das Meer... Man kann am Ufer sitzen... Waffeln auf goldenen (!) Pappen zu 3,50 (!) Euro essen und Fische im Hafenbecken füttern. Teure Jachten anschauen (man könnte sie auch für eine Million pro Woche mieten...). Oder Seilbahn fahren.

Goldene Waffelpappe

Teure Jacht...
Das kann man auch noch an der Festung auf dem Montjuïc. Die Seilbahn ist relativ neu und der Fahrpreis für 4 Personen für einmal hinauf und zurück mit knapp über 40 Euro auch kein Schnäppchen. Aber die Warteschlangen waren dennoch lang und nachdem die Kinder so gern Seilbahn fahren wollten, haben wir uns auch angestellt. Es lohnt sich, man hat eine gute Aussicht und die Festung ist auch ganz schön, kostet aber nochmals Eintritt.


Hoch war es...
Zu guter letzt ging es noch an den Strand. Da es mit knapp 15 Grad Lufttemperatur nicht so ganz strandtauglich war, waren wir weitgehend allein. Nur ein Mann mit einem Metalldetektor drehte eifrig seine Runden, ich vermute, er suchte Münzen. Der Strand ist schön und man kann hier auch Kunstwerke wie diesen Fisch sehen.


Fisch!
Alles in allem hat sich mal wieder gezeigt, dass man nie mit zu hohen Erwartungen irgendwo hinfahren sollte, denn dann wird man enttäuscht. Die Stadt ist schon schön und sehenswert, aber bietet eigentlich gar nicht mal so richtig viel. Und mir war sie definitiv zu voll. Dazu die ständige Angst vor Dieben. 
Wiederholungsfaktor: ungewiss, wobei ich zugeben muss, dass mir Paris und auch London auch erst beim zweiten Besuch gefallen haben...

Mittwoch, 13. April 2016

Veggie

Wie kiezneurotiker auch feststellte, ist "vegan" die neue Religion. Wohin man in Berlin schaut, alles ist voller Plakate und Aufkleber. Und passenden Produkten.

Diese Woche war ich in Kreuzkölln unterwegs. Unweit der Hasenheide, aber nah genug am coolen (und teuren) Kreuzberg. Und was gab es dort: veganes Eis, vegane Pizza und diese Shirts:


Mittwoch, 6. April 2016

Haus am See

Letzte Woche haben wir das Frühlingswetter genutzt und sind mal wieder am Schloss Dammsmühle gewesen. Es ist nicht weit von uns entfernt und das Gelände immer wieder interessant. Das über 100 Jahre alte Schloss gehörte unter anderem schon Himmler, der Roten Armee und der Stasi. Aus dieser Zeit dürften wohl auch die Bunker unter dem Gelände stammen, die teilweise vermüllt, teilweise aber auch sehr aufgeräumt sind und in denen noch Gegenstände stehen, auf denen auf russisch "ABC" steht...

Das Gelände ist frei zugänglich, das Schloss aber nicht. Die untere Etage ist mit Metall an den Fenstern fest verschlossen. Man kann nur in die Kegelbahn, denn da ist der Zaun durchtrennt. Die Fenster der oberen Etagen sind offen, aber um da hineinzukommen, bräuchte man eine riesige Leiter, die Drehleiter der Feuerwehr oder müsste waghalsige, nicht empfehlenswerte Kletteraktionen machen....

Abends sollen hier im Sommer übrigens viele Fledermäuse aus den Fenster fliegen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, ich finde den Ort schon am Tage unheimlich. Wenn man dort spazieren geht, hat man den Eindruck, alle Leute laufen einem mindestens drei Mal über den Weg, als seien sie in einer Zeitschleife gefangen. Am Ufer saß ein alter Mann und angelte, er saß da auf einem alten DDR-Klappstuhl. So als säße er da schon seeehr lange ;-). Das alte Haus auf der Insel mit der Holzbrücke ohne Geländer hat auch etwas gespenstisches.

Wie dem auch sei, ich finde es schade, dass dieses schöne Schloss bislang noch nicht wieder aus dem Dornröschenschlaf erweckt wurde, denn eigentlich ist die Lage am Mühlenteich schön. Aber so erobert sich die Natur alles zurück. Wir haben einige Blindschleichen gesehen...













Mittwoch, 30. März 2016

Frühling in Marzahn

In Marzahn gibt es nicht nur Plattenbauten... Dieses Foto ist am Ostermontag am Wuhlewanderweg zwischen Biesdorf und Kaulsdorf (wo sogar Hähne krähten!) entstanden...


Donnerstag, 24. März 2016

Nostalgisch, Teil 2

Was macht man einem verregneten Sonntag? Straßenbahn fahren ;-) Nachdem wir schon alle möglichen alten Verkehrsmittel Berlins ausprobiert haben, sollte es nun auch die Straßenbahn sein. In Köpenick, ganz weit draußen, kann man das tun. Jeden Tag, ganz normal, mit einfachem Fahrschein (der aber bis Tarifbereich C gelten muss!). Wer nur mit der Bahn fahren will, kann Tickets, die nur für diese Straßenbahnlinie gelten, beim Fahrer kaufen, einmal hin-und zurück kostet 2,60 Euro, ermäßigt 2 Euro.

Es gibt zwei alte Straßenbahnlinien im Südosten der Stadt. Zum einen die Linie 88, die von Friedrichshagen nach Rüdersdorf fährt und zum anderen die Linie 87. Sie führt von Rahnsdorf nach Woltersdorf. Darauf fiel unsere Wahl.

Alle 20 Minuten fährt hier eine Bahn vom S-Bahnhof Rahnsdorf nach Woltersdorf Schleuse. Es gibt nur einen Wagen und nur wenig Platz. Gruppenfahrten muss man daher vorher anzumelden. Mit einer Streckenlänge von gerade einmal 5,6 km ist diese Betrieb einer der kleinsten Straßenbahnbetriebe Deutschlands. Es geht durch einen Teil des Köpenicker Forst und sonst durch Woltersdorf, das wirkt, als sei es definitiv nicht mehr wirklich Berlin.

Es fahren hier die alten Gotha-Wagen aus der DDR. Die kenne ich aus der Kindheit. Als ich klein war, fuhren genau diese Bahnen von Pankow-Rosenthal zum Kupfergraben. So fühlte sich die Bahn gleich irgendwie vertraut an.

Die Türen quietschen, die Sitze sind weich und bei der Abfahrt klingelt die Tram ohrenbetäubend. Und die Heizung ist warm, extrem warm. Ich hörte jemanden sagen: "Morgen steht bestimmt in der Zeitung "Brandverletzte in Straßenbahn in Woltersdorf"...

Was macht man in Woltersdorf? Man kann Eis essen, auch im Winter. Es ist nicht so stylisch wie in Prenzlauer Berg, es gibt kein Eis mit Lakritz-Ingwer-Glücksklee-Geschmack, aber es ist ok. Man könnte auch die Schleuse beobachten, an der es auch eine aufklappbare Brücke gibt. Da war nix los im März... Im Sommer kommen hier auch Ausflugsdampfer entlang und man könnte mit dem Boot von hier bis nach Tegel fahren.








Sonntag, 28. Februar 2016

Nostalgisch

Nachdem diese Woche in allen Medien verkündet wurde, dass diesen Sonntag historische U-Bahnen auf der U6 unterwegs sind, haben wir uns mal auf den Weg gemacht, um uns das anzusehen...

Gefeiert wurde das fünfzigjährige Bestehen der Teilstrecke nach Alt-Mariendorf.


Historische Busse kennen wir schon - zum einen fahren sie regelmäßig am Wannsee, zum anderen gab es erst vor kurzem unterhaltsame Sonderfahrten von Lübars bis in den Tegeler Forst und wieder zurück...Die Busse waren dabei gar nicht mal das beste, eher die Werbung und Info-Schilder von früher und die netten Gespräche mit anderen Fahrgästen.


Aber U-Bahnen sind  auch interessant, Stadtgeschichte auch und so wurden die Kinder mit dem Versprechen, dass es in Mariendorf leckeres Eis gibt, mitgelockt zum Ausflug.

Es war am Vormittag nicht so voll wie befürchtet und wir schafften es auch, beide Züge zu nutzen, auf voller Länge der Strecke vom Wedding bis nach Mariendorf.

Unser Fazit:

Alte Werbeanzeigen sind nostalgisch. Und anders komisch als die heutigen.



Alte U-Bahnen klingen ein bißchen wie früher die S-Bahn.

Es gab ein interessantes Streckennetz.



Die Ledersitze waren früher weicher.

Die Lampen tauchen alles in ein gemütliches Schummerlicht.


Man durfte früher rauchen...


Eine solche Anleitung fehlt heute:


Ich hätte nicht gedacht, dass diese Wagen aus den 20er Jahren stammen, ich hätte sie für deutlich jünger eingeschätzt.

Es war lustig, die Leute auf den Bahnsteigen zu beobachten. Nicht die Fotografen und U-Bahn-Spotter, sondern die Leute, die von der Aktion nichts wussten. Die guckten fast so verdutzt wie bei der Durchfahrt des U-Bahn-Cabrios.



Nächste Woche gehen wir Straßenbahn fahren, in Rahnsdorf.