Mittwoch, 2. November 2011

Und wieder grüßt das Murmeltier...

...seit vor einiger Zeit wirklich schlimme (Einzel!)-Fälle von schwer vernachlässigten oder gar toten Kindern durch die Presse gingen, hat man nun seit wenigen Jahren in Berlin eine tolle neue Idee gegen sowas: den U-Zwang.

Man muss zur U-Untersuchung gehen, tut man dies nicht, wird man aufgefordert, dies nachzuholen. Ist ok. Dachte ich damals, als das eingeführt wurde. Wir sind mit der Großen zu jeder U gewesen, selbst zu den freiwilligen und das ohne jeden Zwang.

Tja, und nun? Wir gehen auch mit dem Sohnemann natürlich zu jeder U. Und nach JEDER Untersuchung flattert uns ein Brief ins Haus. Vom Amt. Wir sollen doch bitte zur U-Untersuchung gehen, denn das ist ganz wichtig...Dazu immer eine Broschüre und ganz viele Infos, die so geschrieben sind, als sei man bekloppt ("Was Sie bei der U erwartet? Was Sie der Kinderarzt fragen wird?"....)

Man wird gebeten, anzurufen, falls man schon da war. Da könne sich ja mal was überschneiden. Ok, dann muss ich also meine Zeit und meine Telefongebühren aufwenden und da anrufen. Beim letzten Mal wurde mir gesagt, man schickt die Briefe halt vorsichtshalber schon in der Mitte des Toleranzbereiches raus. Vorsichtshalber....

Man hat also gar keine Chance, es richtig zu machen. Es sei denn, man geht am besten gleich in der ersten Woche des Zeitraums hin (und vorrausgesetzt, der Kinderarzt hat nix besseres zu tun als dann SOFORT dieses höchstwichtige Schreiben ans Amt weiterzuleiten., sonst nutzt frühes Hingehen auch nichts...!!). Nur blöd, dass die meisten Kinderärzte die Us lieber spät machen....Vor allem die späten Us wie die 8 und 9, wo man ein halbes Jahr Zeit hat und in dem halben Jahr sich enorm viel entwickeln kann. Mit einer späten Untersuchung (im Toleranzbereich) vermeidet man schlichtweg Panik bei den Eltern und unnötiges Therapieren fürs Kind (und die eh schon leeren Kassen...).

Heute habe ich also wieder angerufen. Eine Frau ging ans Telefon und meinte, sie bräuchte die Screening-ID. Ok. Und dann wollte sie auch noch die Telefonnummer des Kinderarztes, denn sie muss prüfen, ob es stimmt, was ich sage....Na danke! Auch wenn ich das Anliegen prinzipiell verstehe (könnte ja jeder kommen und etwas behaupten), finde ich das dennoch sehr dreist. Ich habe von mir heraus sofort nach Erhalt des Briefes angerufen, ich klinge (hoffentlich) nicht wie eine Person, die dumm wie Brot ist und noch nicht weiß, wozu es die Us gibt...Und überhaupt, wie dreist ist das alles eigentlich?

Ich kenne ganz viele "ganz normale" Eltern, die alle diese dämlichen Schreiben bekommen. Wieviel Zeit das wohl frisst? Wovon geht die weg? Von der, die für echte Problemfälle wirklich da sein sollte? Und wenn die schon jeden harmlosen Anrufer SO behandeln, wundert es mich nicht, dass Leute, die Hilfe brauchen, sie vorsichtshalber nicht suchen....

Kommentare:

  1. Bei uns sind die U's nicht verpflichtend. Wir bekommen nur Besuch vom Jugendamt, wen wir nicht hingehen .. *hust*.

    AntwortenLöschen
  2. Das Jugendamt ist ja noch besser. Hier kommt das Jugendgesunsheitsamt (die übrigens auch standardmäßig einmal bei JEDEM Baby vorbeischauen, so 2-3 Wochen nach der Geburt kommen die einfach vorbei).

    AntwortenLöschen
  3. Ja, sowas hatten wir auch. Bei uns kam die Mütterberatung. Erst haben sie einen Brief geschickt, mit dem sie uns einluden, mal vorbeizuschauen. Und eine Woche später kam dann unangekündigt (Holla!) eine Dame vorbei, ließ eine Menge Lesestoff, viele Ratschläge und eine Plastikente da.

    AntwortenLöschen
  4. Genau, so ähnlich ist es hier auch. Bei uns erschienen die aber beide Male angekündigt. Beim ersten Kind hat mich das sehr nervös gemacht und da erschien auch eine recht unfreundliche Dame, die sich über Dinge ausgelassen hat, die sie mal nix angehen und nicht in ihren Zuständigkeitsbereich gehörten.

    Jetzt beim zweiten Kind kam eine supernette Frau, die ratzfatz mit ihrem Fragenkatalog durch war, meinte, wir würden ja schon alles wissen (äh, ja...im Prinzip schon) und die mir höchst begeistert von ihren Indienreisen erzählte ;-). Und am Ende hat sich noch bei uns entschuldigt, als ich ihr erzählte, dass ich die Einschulungsuntersuchung bei der Großen einfach nur unfassbar fand und als reine Schikane.Sie kannte die Kollegin, die mich da so auf die Palme gebracht hat....(indem sie so unheimlich schultauglichkeitsrelevante Fragen stellte wie "Wann geht sie schlafen?" , "wechselt sie täglich die Unterwäsche?" (äh, hallo....?!) usw. )

    AntwortenLöschen