Dienstag, 7. Februar 2012

Der neue Flughafen oder....Vienna calling

Schon im Juli letzten Jahres hatte ich mich angemeldet, um den neuen Flughafen Berlin-Brandenburg International, auch BER genannt, zu testen. Heute war es endlich so weit. Dabei kam mir dieses Datum doch soooo unendlich fern vor, als ich es letzten Sommer in den Kalender eintrug...

Am frühen Morgen ging es los mit Bus und Bahn in Richtung Schönefeld. Von uns aus leider eine halbe Weltreise und einer der Gründe, warum ich Tegel ganz sicher vermissen werde. Immerhin hatte der Flughafen Tagestickets für den Tarifbereich ABC spendiert und da man damit auch Regionalbahn fahren kann, war ich flott da. Wobei, naja, 1 Stunde und 20 min habe ich schon gebraucht...
 
Ich hoffe sehr, dass die Bahn noch viel an der Beschilderung des Airport Express tut. Denn wenn ein Zug nach Wünsdorf faehrt, ahnt man nicht, dass der auch zum Flughafen fährt. Da nutzt auch ein klitzekleines Schildchen, dass man da auch zum Flughafen kommt, nicht viel. Und über den Bahnhof schweigt man mal besser ganz. Die Halle roch nach altem Rauch und versprühte einen Charme, der einen um mindestens 20 Jahre in die Vergangenheit katapultierte. Aber es wird ja einen neuen Bahnhof geben...

Den konnte man heute aber nicht testen...Sondern erstmal das Einchecken, den Transit und das Ankommen am neuen Flughafen. Pünktlich um 8:30 Uhr fuhren die Shuttle-Busse los zum neuen Flughafen, dort ging es erstmal in ein Zelt. Dort war Schlange stehen angesagt...gegen das Vorzeigen von Ausweis und Teilnahmebestätigung gab es eine grüne Weste mit der Aufschrift "Flughafen-Tester", einen grünen Helm und einen Baustellenausweis für Komparsen. Und dann hieß es warten....warten....warten in diesem Zelt. Das war einigermaßen beheizt, dennoch hatte ich nach einiger Zeit eiskalte Füße. 
 
Unter den Komparsen waren deutlich mehr Männer als Frauen, wäre das ganze ein Swingerclub gewesen, hätte man es "Herrenüberschuss" genannt. Es waren recht viele ältere Leute (Renter?) dabei, dazu einige sehr junge Leute, vermutlich Studenten. Nun ja, wer hat auch schon großartig frei mitten unter der Woche...Geschäftsleute, wie man sie sonst immer auf Flughäfen trifft, waren gar nicht dabei. Nicht sehr realistisch für eine Flughafensimulation.
 
In diesen fast 1,5 Stunden Wartezeit wirbelte die Presse ständig herum und suchte nach Opfern für Interviews, außerdem hielt uns der Chef-Organisator einen gut dreißigminüten Vortrag zum Ablauf des Probetages. Eigentlich war alles ganz einfach, aber aufgrund der Fülle an Informationenwar es dann doch etwas viel auf einmal. Ein Sicherheitsvideo verriet uns wo man die Schwimmwesten findet, warum man einen Helm trage muss und wieso man sich vor Kabeln hüten sollte. 
 
Schließlich gab es dann endlich die begehrten Tickets und dann wusste man endlich, was man tun sollte und wohin die virtuelle Reise ging. Einige erhielten auch Ereigniskarten (ja, wie beim Monopoly), mit denen man Ereignisse wie "Passagier will ein Upgrade" auslösen sollte. Umgekehrt war es möglich, dass der Flughafen ein "Ereignis" ausruft...Man sollte sich dazu z.B. unbedingt seine Namen auf den Tickets merken, falls man aufgerufen wird. Gar nicht so einfach bei insgesamt 2x2 Tickets mit fremden Namen. Es hätte der besseren Merkbarkeit sicher gut getan, wenn man bekanntere Namen genommen hätte. Letzte Woche sollen gerüchteweise einige mit den Namen der Familie Feuerstein getestet haben?!
Für mich ging es in der ersten Welle mit Air Berlin nach Wien, in der zweiten nach Helsinki mit Finnair. 
 
Der Flughafen ist in der Tat noch eine totale Baustelle. Leider bestand im Terminal absolutes Foto-Verbot, zu gern hätte ich die halbfertigen Böden, die Holztreppen, das herumliegende Werkzeug und die unglaublichen Mengen an Kabeln fotografiert....aber keine Chance. Es gab mehr Angestellte, die auf die Komparsen aufpassten, als Komparsen und so gelang es mir gerade mal mit dem Smartphone ein rasches unscharfes Bild zu knipsen.
Der Flughafen an sich ist gut gelungen. Kein Vergleich zu der sozialistischen Schuhschachtel des alten Flughafens Schönefeld. Die Halle ist riesig und nur ein paar große Stahlträger scheinen die Halle zu halten. So wirkt alles sehr großzügig und luftig. Und der Fußboden ist total schön. Es wirkt wie heller Marmor und ist auch nicht laut beim Drüberlaufen. Die braunen Holzvertäfelungen sind Geschmackssache. Ich finde sie ein wenig zu dunkel. 
 
Nicht ganz so gelungen fand ich die Ausschilderung. Es war schon nicht einfach, bei den würfelförmigen Eincheck-Schaltern seinen Weg zu finden, da an den Würfeln nicht stand, welche Nummern sich denn an der Rückseite befinden. Man konnte nur ausprobieren. Das ist im realen Leben, wenn man es eilig und viel Gepäck hat, doof. 
Noch blöder fand ich die Tatsache, dass manche Abflugsteige einfach mal im Untergeschoss sind. Man läuft den Gang mit den Gates entlang....sucht, wie in meinem Fall, Gate 24. Auf der Aufschrift steht "Gate 10-30"...also geht man dort entlang. Der Weg endet aber bei Nr. 14 und geht mit 30 weiter...Und nu? Nach langem Überlegen merkt man dann "ah, ich muss die Treppen runter!". Da müssen unbedingt noch Schilder hin, sonst gibt das sicher totales Chaos.
 
Schade ist, dass nur kleine Monitore die Abflüge, Gates usw. zeigen. Viele vermissten sofort die übersichtliche und riesengroße Anzeigetafel, die man in Tegel findet. Lustig war, dass diese Monitore angeschaltet waren und zumindest plausibel wirkten....Es standen Flüge dran und genau um die Zeit, zu der man drauf schaute, waren die, die die gerade von der Uhrzeit her dran waren, beim Bording oder gestartet. Komischerweise war da auch mein virtueller Flug nach Helsinki drauf....Und noch komischer...Flüge mit der inzwischen insolventen Cirrus Airlines nach Mannheim ;-)
 
Das Personal war ebenso neu am BER wie die Komparsen, aber im Großen und Ganzen lief es gut. Man war bei jeder der beiden "Wellen" (Durchgänge) zwei Personen und musste 2x einchecken. Einmal mit 2 Koffern, einmal mit einem Koffer. Die Koffer waren schwer und total schmuddelig. Ich frage mich, wo sie die denn aufgetrieben haben. Vielleicht bei Lost & Never found?! 
 
Meine Koffer, die ich als Susanne Fenster nach Helsinki mitnehmen wollte, waren glattweg zu schwer, ich musste Übergepäck zahlen... ;-) Mein Rucksack hingegen, den ich als Manuela nach Wien mitnehmen wollte, war nur kompliziert wegen seiner vielen Schnallen und Riemen und musste in eine Plastikwanne. Verständlich, denn es ist ja bekannt, dass gerade die großen Trekkingrucksäcke in den Gepäcksystemen der Flughafen gern mal hängen blieben und manchmal erst Jahre später wiedergefunden werden...
 
Etwas nervig war die Bundespolizei bei der Sicherheitskontrolle, die sich gut 10 min mit meiner Tasche befassten, bis sie feststellten, dass der "spitze Gegenstand" nur ein Metallbügel ist, der in meiner Tasche festgenäht war und da dran gehört (und von dem ich, bis heute, noch nichts wusste). 10 min waren schon arg viel und die lustigen Sprüche der Polizistin von wegen "Nun geben Sie es doch zu, wird nur schlimmer, wenn Sie schweigen. Ihr Flieger ist eh weg" waren irgendwann auch nicht mehr lustig, sondern nervig.
 
Den Flieger hätte ich auch wirklich beinahe verpasst. Bei beiden Testdurchläufen. Meist hatte ich zu lange am Check-in warten müssen, dann einmal das Heckmeck mit der Tasche und beide Male ein guuuuut verstecktes Gate...Beim Flug nach Wien fand sich nur ein Bruchteil der Passagiere rechtzeitig ein....Übers Megaphon wurde der Rest herbeigerufen. Vienna calling..
 
Beim Flug nach Helsinki sah es nicht besser aus. Ein Herr Schade erschien leider gar nicht (oh wie schade...). Sein Gepäck musste wieder ausgeladen werden....Die Angestellte des Flughafens fragte mehrfach in ihr Funkgerät, wie lange der virtuelle Kapitän denn noch warten will, bis das Gepäck ausgeladen werden muss. Als sie das dritte Mal nachfragte, stellte sie lachend fest "Ich komme mir hier vor wie beim Puppentheater-Spielen mit meiner Tochter" ;-)
Mittags gab es Essen...Ein Brötchen mit Kasseler (oder wahlweise Omelett), ein Donut und einen Joghurt gab es für jeden, dazu noch ein Getränk und das alles in einer BER-Papiertüte. Das ganze schmeckte deutlich besser als es aussah. 

Und zu guter letzt gab es am Ende des Probetages noch eine "Überraschungstüte mit Überraschungen" wie der Herr vom Organisationsteam es so nett sagte. In der Tüte befanden sich viele Kleinigkeiten von einigen Airlines...ein Frühstücksbrettchen von Lufthansa, ein Nackenhörnchen von Easyjet, eine BER Tasse, ein Schokoherz der Air Berlin, Block, Stift und Gutscheine für die Aussichtsterasse des neuen Flughafens. Wie nett :-)
 
Alles in allem war es doch ganz gut. Das lange Warten am Morgen war etwas viel, aber ansonsten ging es ja dann recht fix und schon um 14 Uhr war der Probetag beendet, gut 1,5 Stunden eher als geplant.  
 

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