Samstag, 26. Januar 2013

Kein Ausflugstipp...

Gestern waren wir bei einer Nachtführung des Berliner Zoo-Aquariums. Nun ja... Ich war selten von einem Ausflug so enttäuscht wie gestern. Aber mal ganz von vorn...

Das Aquarium bietet alle 2 Wochen in den Wintermonaten eine Nachtführung. Geworben wird mit einer Führung nach den offiziellen Öffnungszeiten, wenn es nicht so voll ist, sondern eben nur die Teilnehmer der Führung herumspringen. An "normalen" Tagen kann man ja manchmal kaum einen Fisch sehen, so voll ist es. Zumindest in den Schulferien und an den Wochenenden. Die Führung sollte, laut Webseite und Auskunft am Telefon, durch alle Abteilungen gehen, also zu den Fischen, den Amphibien und den Insekten und am Ende kann man noch Tiere anfassen. Klingt gut und als würde man echt viel sehen.

Gelber Fisch...draußen vor dem Aquarium

Also haben wir vor drei Wochen Karten für diese Führung erworben. Denn an dem Abend, an dem die Führung ist, gibt es in der Regel keine Karten mehr. Man muss sie also vorher kaufen. Das geht leider nicht online (wie bei normalen Tickets des Zoo), auch nicht als Reservierung per Telefon, sondern nur vor Ort. Man muss also hingehen. Wir wohnen nicht gerade um die Ecke des Zoo, aber gut...was tut man nicht alles...Touristen dürften wohl demnach gar keine reele Chance auf diese Tour haben.
34 Euro kostete der Spaß für einen Erwachsenen und ein Kind. Der Zwerg musste mit dem Papa zu Hause bleiben, denn die Führung sei sehr gruselig und daher erst ab 7 Jahre.

Die Vorfreude war bei unserer Tochter groß. Und so standen wir gestern ziemlich überpünktlich im Aquarium. Man sollte um 18:15 Uhr dort sein, wir waren blöderweise schon um 17:50 Uhr da, weil wir wegen der langen Anfahrt einen Zeitpuffer eingeplant hatten, um keinesfalls zu spät zu erscheinen. Die Jacken gaben wir ab, was noch einmal einen Euro kostete.

Die Jacken abzugeben, war ein Fehler. Zumindest so früh. Denn wir mussten in der zugigen Vorhalle vor den Kassen warten und die Tür stand eigentlich permanent offen. Draußen die kälteste Nacht des Jahres... 
Ab und zu ging die Tür zu, aber es watschelte genau in dem Moment, in dem sie zu war, jedes Mal wieder jemand vor die Tür und sie ging automatisch auf. Und wenn partout gerade niemand aus Versehen oder meinetwegen auch beabsichtigt die Tür öffnete, erledigte dies ein Junge. Es war ca. 10 Jahre alt und war mit seiner Oma da. Er rannte permanent raus und rein ins dem Haus, drehte nur im Shirt draußen Runden und machte stäääändig diese Tür auf... Schön, dass er Spaß hatte, aber uns war saukalt.

Um 18:15 Uhr ging es endlich hinein ins Warme. Es waren unglaublich viele Leute da. Ich frage mich, wie viele Karten es denn für diese Veranstaltung gab. Die meisten Anwesenden waren Kinder, nicht wenige ganz sicher unter 7 Jahre, sogar Kleinkinder in Buggys waren herbeigekarrt worden.

Es war laut, alle stürmten zu dem Koi-Becken im Foyer, wirbelten mit den Händen durchs Wasser, um die Fische zu erschrecken und leuchteten mit den mitgebrachten Taschenlampen. Um 18:25 Uhr waren die ersten Taschenlampen nur noch Funzeln oder schon ganz aus...

Fang´ den Koi!
Der etwa zehnjährige Junge von der Tür saß neben uns und nutzte seine Oma als Sportgerät.  Er saß auf ihrem Schoss und warf sich in alle Richtungen. Die Oma war nicht unbedingt angetan davon und beschwerte sich über das Verhalten ihres Enkels bei mir. Ich fürchte, ich war der falsche Ansprechpartner für das Problem.

18:30 Uhr... jetzt ging es richtig los und das Licht aus. Ein  Aquariumsmitarbeiter sprach ein paar einleitende Worte und warnte davor, dass die Zeitung bei einer Gruppe dabei sein werde. Wer also nicht in die Zeitung möchte, soll bei einer anderen Gruppe mitlaufen. Wir entschieden uns für die kleinste der drei Gruppen, die sich spontan bildeten und die jeweils einen "Zooführer" hatten.  Die Zeitungsleute waren nicht bei uns. Dafür etwa 10 "wilde Kerle", die sich alle offenbar kannten, dazu ein weiteres Mädel und meine Tochter. Dazu eben die Eltern. Die wilden Kerle waren etwas müde und überdreht (oder hatten alle ADHS? ;-)), einer trug ein Nachtsichtgerät (!) am Kopf und sie waren allesamt sehr laut. Und vorlaut. Die Eltern passten auch dazu... Mich wunderte nichts mehr, als ich die Worte "Wilhelm-Alexander, mach` mal Nachtsichtgerät an!" vernahm...

Molch
Wir würden nun alle Abteilungen sehen, hieß es. Zuerst die Amphibien. Es ging hinauf in den 2. Stock. Dort wurde natürlich nicht alles gezeigt, das wäre auch nicht möglich in der Kürze der Zeit. Alle Terrarien waren dunkel. Mit den Taschenlampen wurde erst ein Riesensalamander angeleuchtet und dann Pfeilgiftfrösche...

Der Mann vom Zoo stellte den Kindern Fragen statt selbst zu erklären. Das ist an sich gut, hilft es doch gegen eventuell aufkommende Langeweile...Vor allem die Gruppe der wilden Kerle machte wacker mit. Nur leider stammelten sie die Antworten stotternd daher. Gut, so machen das Kinder, gerade bei Aufregung. Aber es wäre für alle wohl gut gewesen, wenn der Herr vom Zoo die Fakten noch einmal laut und deutlich kommuniziert hätte für alle. So verstand man eigentlich nichts.
Schön wäre auch gewesen, wenn alle einmal die Chance gehabt hätten, in die Glaskästen zu gucken. So ging es immer nur rasch weiter und wer nicht direkt bei der Erläuterung in der ersten Reihe stand, hat eben nix gesehen.

So beschwerte sich meine Tochter schon nach dem 4. Terrarium, dass sie nichts verstehe und auch nicht sehen kann, weil die anderen sich als Gruppe so dicht an die Scheiben drängen, dass sie keine Chance hatte. Die Jungs reagierten auch nicht auf Ansprache und leichtes Anschubsen meinerseits. Und die Mütter waren irgendwie ganz genauso ignorant wie ihre Kinder. Ganz ehrlich, ich habe noch nie so viele Leute mit Tunnelblick erlebt wie dort. Wo kamen die denn alle her?

Bei den Insekten versuchte meine Tochter noch einmal motiviert mitzumachen beim Anschauen und Mitraten. Aber keine Chance. Frust.

Schließlich ging es hinunter zu den Fischen. Erklärungen gab es weiterhin nur in Fragenform, Antworten auf die eigentlich wirklich interessanten Fragen nur als genuschelte Antwort anderer Kinder. Oder aber mit Fachchinesisch, das dem sehr jungen Publikum nicht entsprach. Welcher Siebenjährige weiß, was es bedeutet "die Frösche fressen Drosophilas"? Warum kann man nicht einfach (wenn auch vielleicht nicht ganz korrekt) "Fruchtfliege" sagen?
Und es gab viele ganz coole Geschichten von giftigen Fischen, Haien, Killerwalen, Krokodilen im Meer und tödlichen Splittern. Ok. Das war wohl der Gruselpart.

Noch ein gelber Fisch... wieder draußen... kostenlos anzusehen übrigens!
In jeder Abteilung sah man ca. vier Tiere bzw. in vier Terrarien und Aquarien. Gut, dass ausgewählt werden muss, ist klar. Aber nur ingesamt 12 Schaukästen (in welcher Art auch immer) gesehen zu haben, ist für diesen Preis dann doch schon eher etwas dürftig.

Am Ende durften die Kinder noch eine Schlange und eine Eidechse anfassen. Eigentlich schön und hier hat der Mann vom Zoo zum allerersten Mal die Kinder in der ersten Reihe gebeten, die anderen auch mal nach vorn kommen zu lassen. Blöd nur, dass die beiden Kinder, die eben nicht nur wilden Gruppe gehörten, darauf dann nicht einmal mehr Lust hatten.

Also... Falls jemand von Euch vorhat, dort hinzugehen: es lohnt sich leider nicht, denn es gibt in den 90 min wenig zu sehen und für Kinder ist der Frust fast vorprogrammiert, zumindest wenn es immer so ist, dass die Infos nur genuschelt werden und man wegen des Ansturms kaum eine Chance hat, etwas anzusehen.

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