Montag, 16. September 2013

Der Fotoautomat des Grauens

Ort des Geschehens: Rossmann-Filiale im Neumann-Center. Einem unspektakulären und oft recht leeren Center in Pankow mit ein paar Supermärkten, einem Medimops und wenigen weiteren Läden. Und im Winter gibt es dort sogar immer eine Eisbahn im Parkhaus, weil es anscheinend zu viele Parkplätze gibt.

Also...eigentlich ist da nie etwas los. Außer heute. Bei Rossmann an den Fotoautomaten...

Ich wollte nur mal kurz ein einziges Foto ausdrucken. Zu Hause hatte ich alles schon vorbereitet, also ging es heute flugs mit dem USB-Stick bewaffnet zu den Fotodruckern.

Aber dann hieß es Schlange stehen. Da waren vier Automaten und vier druckwütige Leute.

An Automat 1 stand ein älterer Mann, der in einer beispiellosen Langsamkeit Fotos von Schiffen auf recht großem Format ausdruckte. Das Auswählen ging noch relativ flott, aber dann musste er in einer absoluten Ruhe jedes dieser Fotos genaustens betrachten. Einmal dachte ich, er geht jetzt und ich sei nun an der Reihe. Aber weit gefehlt, er hatte sich nur eine Tüte für die Fotos geholt.

Automat 2... eine junge Frau wurde etwa 5 Minuten nach meiner Ankuft fertig mit dem Drucken. Behauptete sie. Sie verschwand mit den Worten "Der Nächste bitte!". Ich stand Sekunden später an dem Automaten. Dort war ein Fortschrittsbalken, der sich gaaaaaaaaaaaaaaanz langsam bewegte. Was auch immer die Frau da angestellt hat, entweder ist ihre Bestellung noch lange nicht fertig gewesen oder sie hat die Kiste zum Absturz gebracht. Nix ging mehr hier.

Automat 3...eine kleine pummelige Frau mit lila Haarsträhnen stand dort und tippte mit ihren künstlichen Fingernägeln lautstark auf dem Bildschirm des Automaten herum. Offenbar war sie im Urlaub und wollte davon Bilder drucken. Unfreiwillig konnte ich alles mit ansehen...den Air Berlin-Flieger, das Hotel, das Essen, den Strand, ihren Mann und die kleine pummelige Frau im Badeanzug. Manche Bilder wollte sie in Großformat, manche nur klein, manche mehrfach.... Es dauerte und dauerte.

Automat 4... eine junge Frau stand dort mit ihrem Smartphone. Sie hatte dort offenbar unglaublich viele Fotos darauf. Man sah ein Neugeborenes. Man sah ein Baby beim Baden, Herumliegen und Krabbeln. Man sah (das gleiche?) Baby Geburtstag feiern, laufen, auf dem Spielplatz. Dazwischen Fotos von Torten, tätowierten schlafenden Männern und Urlaub.
Ihr Kind (das Neugeborene von den Fotos?) kam plötzlich ganz real angelaufen und war etwa schon vier Jahre alt. Es quengelte. Seine Mutter brummte, sie müsse Fotos sortieren.

Hach ja.. Geschlangene 15 Minuten später ist Automat 2 immer noch beschäftigt, aber der Mann an Automat 1 ist fertig mit dem Drucken und Betrachten der Schiffe....

Ich drucke endlich das Bild aus. Ich erwischte wieder einmal um Haaresbreite die Option "CD erstellen". Und als mein Foto aus dem Drucker purzelte, staunte ich nicht schlecht. Es war in dem Großformat, auf dem der Mann vorher seine Schiffe gedruckt hatte. Da habe ich wohl vor lauter Frust nicht genau genug hingeschaut. Eine Schere hat zu Hause das Problem gelöst.

Vielleicht sollten wir Fotos künftig doch zu Hause drucken.

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