Dienstag, 5. November 2013

Kinderverabredungen im Jahr 2013

Als ich klein war, traf man seine Freunde nachmittags einfach so. Man klingelte und wenn der- bzw. diejenige da war und Zeit hatte, konnte man eben spielen. Wenn nicht, zog man zur nächsten Person weiter. Oder man traf zufällig andere Kinder auf dem Spielplatz oder im Park.

Die Eltern der anderen Kindern sah man selten. Wenn doch, dann nur kurz. Sie waren mit irgendetwas beschäftigt und es interessierte einen auch irgendwie nicht wirklich. Und wenn andere Kinder bei einem zu Hause abgeholt wurden, blieben die anderen Eltern beim Abholen vor der Tür und kamen nicht herein. Abgeholt wurde man eh nur im Kindergartenalter oder der ersten Klassenstufe.

Man musste immer gehen, wenn in der "Gastfamilie" das Abendessen auf den Tisch kam. Oder irgendeine andere Mahlzeit.

Heute ist alles anders. Es geht schon beim Verabreden los. In der Kita sah das meistens in etwa so aus (und das ist wirklich alles SO passiert!):

"Also, montags haben wir Ergotherapie, dienstags und donnerstag Logopädie, mitwochs gehen wir zum Psychologen und freitags fahren wir dann für das ganze Wochenende zu Oma und Opa ins Umland."

Oder:
"Unter der Woche geht es nicht, nie. Am Wochenende immer nur alle 2 Wochen. Wegen Papa-Wochenenden. Aber eigentlich geht dazwischen dann auch nicht, weil wir so oft verabredet sind."

Oder:
"wir haben schon zu viele Verabredungen, mehr geht nicht."

Oder, bei der Frage nach einer ganz spontanen Verabredung zum Schneemann-Bauen an einem Winternachmittag:
"Nein, die Marie-Louisa muss jetzt schlafen gehen!" (es war 16:30 Uhr und das Kind 5 Jahre alt!)

In der Grundschule ist das Szenario sehr ähnlich. Die Tatsache, dass die Schule recht weit weg ist, macht es nicht einfacher, aber es wohnen einige Mitschüler in gut erreichbarer Lauf-/Radfahr-Entfernung und eigentlich kennen wir auch in der Nachbarschaft einige Kinder. Nicht mit jedem Nachbarskind will meine Tochter spielen (oder nicht mehr...), aber prinzipiell bleiben noch genug Leute übrig...die aber alle immer schwer beschäftigt sind und die auch nie spontan vorbeikommen oder anrufen. Immer sind wir es, die dann zum Telefon greifen. Aber auch selten. Man will ja niemanden nerven.

Findet dann mal eine Verabredung statt, ist es auch nicht mehr so einfach wie früher. Heute erwarten erstaunlich viele Kinder, dass sie bespaßt werden - von mir. Ich weiß nicht, wie oft ich es erlebt habe, dass ich die Kinder zum Spielen ins Kinderzimmer schickte und keine 2 min später spielten sie entweder zu zweit im Wohnzimmer oder das Gastkind stand neben mir und wollte wissen, was ich mache. Und ich habe immer wahnsinnig interessante Dinge gemacht wie...Aufräumen, am PC arbeiten, Wäsche aufhängen, aufs Klo gehen....Grrrr...

Und oftmals wird erwartet, dass man eben nichts macht, sondern mit den Kids wahlweise knetet, bastelt oder Plätzchen bäckt. Oder wie wäre es mit Kartoffeldruck, Weihnachtssterne basteln oder was weiß ich was...? MAL mache ich das ja gerne, aber warum spielen sie nicht einfach miteinander?

Inzwischen ist meine Tochter acht Jahre alt und somit, genau wie ihre Freundinnen, in einem Alter, wo sie nicht mehr bespaßt werden wollen. Die Tür fliegt zu. Und was sie dann spielen...keine Ahnung. So lange alles friedlich ist und das Zimmer irgendwann wieder in einen bewohnbaren Zustand zurückversetzt wird, ist mir vieles relativ egal.Ich habe Vertrauen, dass sie weder die Bude in Brand setzen noch sich verletzen.

Meistens spielen sie sogar noch mit Puppen. Oder sie malen. Oder sie basteln - ohne Anleitung von mir. Manchmal bekomme ich Bügelperlen-Gestecke mit einem "Bitte mal bügeln" gereicht. Oder spielen Modenschau, bauen Zelte im Zimmer oder sortieren die Aufkleber-Sammlung. Ist mir alles Recht. Und wenn sie mal zum Nintendo DS greifen, ist das auch ok für mich. Der Akku hält eh keinen ganzen Spielnachmittag durch und das Ladegerät liegt meist im Wohnzimmer herum...

Im Sommer ist die Bespaßung noch einfacher. Wir haben im Garten ein riesiges Trampolin, Schaukel und ein großes Planschbecken (nein, es ist kein gemauerter Pool und es ist kein Freibad, nur ein großes Planschbecken). Letzten Sommer wurde das rege genutzt, oft waren die Kids da kaum mehr herauszukriegen.
Allerdings bekam ich zu hören: "Euer Planschbecken ist viel zu klein. Total langweilig."

Das Abholen der Kids erfolgt heute oft weit nach 18 Uhr. Warum auch immer. Lange Arbeitszeiten? Kann eher nicht sein, denn weder Kita noch Hort haben so lange offen, so dass das nicht die Regel sein kann. Das Ausnutzen maximal vieler kinderfreier Freizeit? Keine Ahnung. Auf jeden Fall wird erwartet, dass das Kind bereits Abendessen gegessen hat. Aber bitte etwas richtiges, eine warme Mahlzeit wäre schon schön und bitte nichts, was wenig Arbeit macht. Also keine Nudeln, Pommes oder Würstchen.

Und mit schlichtem Abholen ist es auch nicht getan. Fast immer wird sofort gefragt "Uuuuuund, was haben sie gespielt?". Gut ist, wenn die Antwort etwas mit "draußen" oder "Bewegung" oder "basteln" zu tun hat. Einmal lautete die Antwort "Nintendo gespielt." Darauf gingen gleich die Nasenflügel der Mutter hoch und es tönte ein "Na toll!" mit dem entsprechenden Blick auf mich....

Und am Ende noch der obligatorische Blick auf die Räumlichkeiten. 
"Aha...4 Zimmer habt Ihr also? Ist das Miete oder Eigentum?"
"Ist das nicht etwas klein mit 2 Kindern?"
"Oh, ein Designer-Sofa" (ja...von Ebay...)..."Wir fliegen immer nach Mailand, um Designer-Sonnenbrillen zu kaufen..." (aha...). "
"Oh, wer malt denn bei Euch Bilder? "(ich)...."Ich habe früher auch gemalt...mit Ölfarben..."
Es folgte noch eine Geschichte über irgendeinen Hubschrauber, der ich nicht folgen konnte oder eher nicht wollte...

1 Kommentar:

  1. au weia.. das war aber wirklich mal entspannter..da kann ich mich ja noch auf was freuen..

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