Samstag, 2. November 2013

Nimm, nimm, nimm...

Dieser wunderbare Blog, der mich an die Simplify your life-Bücher stark erinnert, hat mich inspiriert....Ich miste derzeit mal wieder aus.  Irgendwie wird man damit ja nie wirklich fertig, weil ständig irgendwas nachkommt. Zum Beispiel von Mitmenschen, die einen oder eher die Kinder als wandelnde Mülldeponie anzusehen scheinen.

Wenn man Kinder hat, sammelt sich viel Zeug an. Aus Kleidung wird schnell herausgewachsen und viel Spielzeug ist nur kurz interessant. Klar, Kinder brauchen logischerweise Kleidung und Spielzeug. Und darum soll es auch gar nicht gehen.

Mich nervt, was ich nicht schon alles aus dem "Kram-Boxen" meiner Tochter dezent, wenn sie gerade außer Haus war, entfernt habe. Lauter Dinge, die sie nie ernsthaft wollte und auch nie brauchte. Die ihr einfach, teilweise wildfremde Menschen, geschenkt haben. Mein Sohn wird nicht so zugeschüttet, vielleicht liegt es an seiner Art, alle fremden Menschen gar nicht oder wenn dann, böse anzuschauen - da gibt es keine Geschenke. Sein Glück.

Wie wir zu viel Kram kamen? Es ist die Angewohnheit mancher Menschen, Kinder mit jeglichem Krimskrams zu überschütten. Frei nach dem Motto:
"Ich biete dem Kind mal den ollen gammeligen Teddy, der sogar Kaffeeflecken hat, an..." -"Oh guck mal, das Kind lacht....!"-" Da haste, Kleine/r....nimm mit...schenke ich dir!"

Gern wird dieser Satz von Omis ausgesprochen, die selbst alles horten. Ich kenne so einige alte Leute, die viel sammeln. Das mag an der Vergangenheit liegen. Liegt es ganz bestimmt. In entbehrungsreichen Zeiten, war es toll, wenn man als Kind EINEN Teddy besaß. Oder wenn man sich einen Vorrat von was auch immer anlegte. Aber diese Zeiten sind eindeutig vorbei. Und inzwischen entrümpelt wohl auch so manche ältere Mitbürgerin (die sind die häufigsten Schenker)...

Auf diese Weise kamen wir schon zu diversen (zum Teil sehr alten, stark bespielten und verschmutzten) Stofftieren, zerfledderten Büchern, nicht so zerfledderten Büchern aus einer Zeit, in der ideologische Werte vermittelt wurden, die ich heute meinen Kindern wirklich nicht vermitteln möchte...

So kamen wir außerdem zu einer ganzen Tüte bespielter, teilweise stark frisierter (Kurzhaarschnitt-)-Barbies, Bastelbüchern über glitzender Klebebänder (!) und einer weiteren Tüte billigster Teddybären zum Basteln, alle aus Plüsch und ca. 5-10 cm hoch. Sowas braucht kein Mensch! Die Nachbarin eindeutig auch nicht, also hat sie es meiner damals 5 Jahre alten Tochter übergeholfen. Und ich konnte es dann entsorgen, aber erst nachdem die Tüte mal schön eine Weile abgelagert wurde in unserer (für so etwas viel zu kleinen!) Abstellkammer, weil ich erstmal schauen musste, ob mein Kind diese Tierchen schnell vergisst und die nicht doch noch haben will (ja, die Bären waren sofort vergessen!).

Und dann sind da noch die Leute, die ihren derartigen Müll einfach in Ebay-Pakete legen. Darüber habe ich ja schon geschrieben.

Es nervt! Es gibt die BSR und wenn man nichts wegwerfen will, gibt es Giveboxen, öffentliche Verschenkplätze (wir haben in der Nähe einen Baum mit Verschenk-Regal), Tauschgruppen auf Facebook oder die Möglichkeit, den Kram vor die Tür zu legen. Wenn ich den Krempel mit einem "Zu verschenken"-Schild vor die Gartentür lege und jemand nimmt es, dann ist es seine Entscheidung, aber einfach Kindern alles zu geben, wohlwissend, dass Kinder zu unglaublichen Sammelleidenschaften neigen, ist einfach nur nervig. Am Ende ist man noch Schuld, wenn in 30-40 Jahren das Kind als Messie durchs Privatfernsehen gezerrt wird...Und alles begann mit einer Tüte Teddys und Kurzhaar-Barbies...

Beim "Halloweenlaufen" gab es dieses Jahr übrigens auch mal wieder 4 (!) Plüschtierchen, von einer alten Frau, die gerade keine Süßigkeiten da hatte. Ist ja alles lieb gemeint, aber ich mag kein Animal Hording...

Kommentare:

  1. Oh wie wahr. Ich ersaufe in Kinderkram. Wo kann ich den Scheiß loswerden? Kann man das irgendwo sinnvoll verschenken oder bleibt nur die Mülltinne?

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    1. Ja, man kann es sinnvoll spenden. Bei der BSR gibt es eine ganze Liste:
      http://www.bsr.de/9406.html

      Du kannst Spielsachen auch im Oxfam-Shop an der Schönhauser Allee abgeben. Die verkaufen es und verwenden den Erlös für gute Zwecke. Besser als die Mülltonne ist es auf jeden Fall.

      Wenn es schnell gehen soll, kann man den Kram auch mit einem "zum Mitnehmen!" vor die Tür stellen. Oder eine "zu verschenken"-Anzeige bei Ebay Kleinanzeigen einstellen. Das ist auch recht amüsant, weil du dann schnell jede Menge Mails bekommst von "will haben! wo holen?" bis zu herzzerreissenden Geschichten von Familien mit 8 Kindern, die angeblich keinerlei Spielzeug (aber ein Smartphone zum Mailen...) haben...

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  2. hallo. bin vorhin irgendwann hier gelandet, ich glaub es war über thorgefärlich oder den kiezneurotiker. jedenfalls einfach nur ein dickes danke. tut gut sowas zu lesen, keine linkschleuderei, keine harten (aber auch geilen) rants. fein für sonntagabend ( was aber nicht heissen soll, dass ich die erwähnten kritiken (rants sind eher ein toben, zornen) ernst nehmen kann). nochmal einfach danke.

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  3. Danke Leute, wenn ihr den Krempel vor die Tür stellt, landet es vermutlich recht bald im Kinderzimmer meiner Kinder und ich kann gucken wie ich es wieder los werde. Kinder schleppen gern Zeugs nach Hause, das gehört halt dazu.

    Mal davon ab, können alte Bücher erhellend sein und Kindern ab einem gewissen Alter einen Einblick in frühere Lebensweisen und Ideologien geben.

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    1. Komischerweise haben meine Kinder bisher nichts von allein aus der GiveBox oder solchen Geschenken vor Haustüren angeschleppt.

      Und ja, es ist interessant aus alten Zeiten 1-2 Bücher zu besitzen, die man dann anschauen kann. Aber ich brauche keine halbe Bibliothek mit Kinderbüchern aus den 30ern und auch keine Kinderbücher mit Panzern und Soldaten aus der DDR.

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  4. Klar, ungefragt den Kleinen Sachen in die Hand zu drücken, die sie -- und auch sonst niemand braucht, -- ist blöd. Wir haben hier auch zwei kleine Wesen, 4 und 5, die so einiges bekommen, bei dem ich die Augen verdrehe und die nächstbeste Gelegenheit nutze, es loszuwerden.

    Andererseits ... Menschen sind verschieden, was für den einen Müll und Kitsch ist, ist für den anderen ein Sammlerstück, ein Lieblingsteil, etwas ganz Besonderes, mindestens für eine gewisse Zeit.

    Wir sortieren unseren Kram öfter mal durch, die Menge ist dadurch überschaubar, es herrscht ein reger Kreislauf. Viele meiner Bekannten mit Kindern geben Kleidung und Spielzeug sehr rasch weiter, wenn sie nicht mehr altersgemäß sind. Man schenkt weg und bekommt, was nicht (mehr) gefällt/gebraucht wird, wandert weiter. Ich finde daher, dass Schenken -- nicht ungefragt, manches ge-braucht man wirklich nicht -- immer noch besser ist als Kaufen/Wegwerfen. (Kommt natürlich immer drauf an ... was, wer, wie (!), Zustand.)

    Der goldene Mittelweg ist also für uns, immer mal wieder zu überlegen, ob etwas wirklich genutzt wird, ob man etwas anderes draus machen kann (ergraute Kleidung, die aber sonst völlig in Ordnung ist beispielsweise färben wir gern, olle Cordhosen sehen in schniekem Marineblau wieder aus wie neu), wer sich darüber freuen könnte.

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    1. Genau so sehe ich es auch. Auch ich bin ein Freund gebrauchter Sachen (wir kaufen viel Spielzeug bei Ebay und Ebay Kleinanzeigen, denn der Kreislauf Kaufen/Wegwerfen ist auch so überhaupt nicht unser Ding. Und gebe gerne Sachen weiter, die noch brauchbar und gut sind. Wir bekommen relativ wenig, was aber einfach wohl daran liegt, dass wir mit Abstand die ersten im Freundeskreis waren, die Kinder bekommen haben - das ist niemand, der etwas an uns ablegen könnte. Aber das ist ok.

      Mich nervt nur, wenn Leute wirklich bewusst Müll an Kinder entsorgen. Niemand möchte Barbies mit abgeschnittenen Haaren und die dazu noch angemalt sind. Oder minderwertige Plüschtiere in rauen Mengen (die sind am Ende eh nur Staubfänger) oder Ü-Ei-Figuren, von denen Teile fehlen.

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    2. Was mich aber noooch mehr nervt: Leute, die den "Müll" extra für Kinder kaufen, also diesen ganzen Plastikmist, der langfristig die Ressourcen -- der Kinder und späterer Generationen! -- frisst und schon beim Ansehen auseinanderfällt. Oder Oma, die dafür (den von Dir beschriebenen Müll) auf dem Flohmarkt auch noch Geld ausgibt, das dann an anderer Stelle fehlt. Und dafür noch Dankbarkeit erwartet. Grrrr.

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    3. Stimmt! Bei uns hält sich das (dank minimal weniger Verwandtschaft) zum Glück in Grenzen.

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