Montag, 18. August 2014

Ausflug: Belantis - oder: von Gewittern, Pannen und Achterbahnen

Vorletzte Woche waren wir im Belantis, dem einzigen Freizeitpark in Ostdeutschland. Südlich von Leipzig gelegen, also nicht ganz um die Ecke von Berlin aus. Berlin hat ja bekanntlich keinen Freizeitpark mehr und das, was davon übrig war, ist seit dieser Woche auch noch teilweise abgefackelt.

Wie dem auch sei, wir hatten beim Familienpass einen Tagesausflug ins Belantis gewonnen, samt Busfahrt und Verzehrgutschein in Höhe von 5 Euro (womit man nicht weit kommt, aber trotzdem sehr nett). Um 7:45 Uhr ging es los, mit gleich 2 (!) Doppeldecker-Bussen wurden die zahlreichen Teilnehmer des Gewinnspiels in Richtung Leipzig gekarrt.

Man hätte auch mit dem Rad anreisen können...

Ich war schon lange in keinem Freizeitpark mehr. Seit der Spreepark nicht mehr ist, müsste man immer weit fahren, um zu einem Park zu gelangen. Hinzu kommt bei mir eine Art "Freizeitpark-mit-Bus-Reise-Trauma". Als ich ca. 12 Jahre alt war, haben meine Eltern  einen Tagesausflug mit dem Bus in den Heidepark Soltau gebucht. Die Freude war groß. Noch größer war dann leider der Stau auf der Autobahn, so dass wir erst nachmittags ankamen, ein wenig durch den Park liefen, dort abermals lange Staus an Fahrgeschäften anschauten und dann schon wieder zum Bus nach Hause mussten. Grandios... Ich war seitdem nie wieder im Heidepark.

Letzte Woche lief es auf dem Weg nach Leipzig besser. Auf der Autobahn war zwar ein Laster umgekippt, aber der kostete uns nur 30 Minuten. Neben uns saß eine Familie, deren Kind, ca. 2 Jahre alt, die gesamte Fahrt über durch ihren Schnuller hindurchsang: "Atemlos...durch die Nacht...". Goldig! Wirklich. Dabei mag ich Helene Fischer gar nicht.

Vor Ort angekommen, war ich erstaunt. Ein leerer Parkplatz. Und der Eingangsbereich sah aus, als habe er etwas Farbe durch Sonneneinstrahlung eingebüßt. Nachdem wir dann endlich im Park waren, fanden wir uns in einer Art Empfangsbereich wieder, der aussah, wie das Shopping-Outlet bei Berlin. Wie eine künstliche Stadt. Typisch Freizeitpark eben. Hier gab es auch Toiletten und die Möglichkeit, Taschen einzuschließen (Kostenpunkt: 1 Euro, kein Pfand).

Die Schließfächer sind relativ klein. Ein Rucksack passt hinein, aber einige aus unserem Bus hatten Rollkoffer (!!) dabei. Die konnten sie dann durch den Park rollen. Was war da nur drin? Fresspakete für die nächsten Wochen, falls es einen riiiiesigen Stau gibt?

Und dann ging es los... Ich hatte vorab schon gelesen, dass der Park ein paar Probleme mit der Bepflanzung habe - aufgrund des früheren Braunkohleabbaus in der Gegend. Ok, das kann ich schon verstehen, aber wächst da jetzt wirklich nur Hainbuche, etwas Rasen und noch ein mir unbekannter Bodendecker? Ein paar mehr Pflanzen, gern auf etwas sommerlich blühendes, hätte den Park hübscher gemacht.

Eigenwillig: diese singenden Steine, die überall am Wegesrand stehen und leise dudeln.


Eigenwillig ist auch die Wegführung. Teilweise sollen die Besucher bewusst in Schlangenlinien durchs Gelände gelotst werden. Was passiert? Es entstehen natürlich Trampelpfade auf dem geraden Weg, teilweise mitten durch Hecken. Da hilft auch ein "Wir wollen wachsen!"-Schild vermutlich nicht viel.

Auch die Tatsache, dass man irgendwann, wenn man den Wegen folgt, im Dorf der  Apatschen (pitschpatsch...ja,  sie schreiben es so und ja, ich weiß, man kann das auch so schreiben, aber es sieht komisch aus) feststeckt und dann den ganzen Weg wieder zurückmuss, finde ich komisch. Uns hat es sicher 30 Minuten gekostet, eh wir gemerkt haben, dass wir da einfach nirgendwo weiterkommen und einen langen Weg um den ganzen See, der mittig im Park ist, noch einmal herumlaufen müssen.


Im Endeffekt hat Belantis drei Hauptattraktionen. Die Loopingbahn Huracan, die mit 5,5 g und 5 Überschlägen die heftigste Achterbahn Deutschlands sein soll. Die Wildwasserbahn Fluch des Pharao, die dank Aufzug (!) richtig hoch ist und die Achterbahn Drachenritt. Auch das Karussel Ikarus, bei dem man in sehr luftiger Höhe, selbst mit den Armen rudernd Überschläge machen kann, ist cool.
Ansonsten gibt es viel bekanntes, von der Schiffsschaukel, einem Karussel, das einen auch in luftige Höhen hebt bis zu Kinderkarussels. Von denen gibt es aber wenige.


Es wird relativ vieles freizeitpark-untypisches angeboten, also nicht nur Fahrgeschäfte, sondern ein Heckenlabyrinth, Indianerzelte, Kanus, eine Art kleiner Bauernhof mit Ziegen (?), Spielplätze, ein Waldlehrpfad... Das sind alles an sich schöne Sachen, aber ich denke nicht, dass jemand dafür in einen Freizeitpark kommt. Da möchte man für sein hohes Eintrittsgeld so viele Fahrgeschäfte wie möglich nutzen.  Entsprechend leer waren diese Attraktionen, die wie Lückenfüller wirken.



Was mich gewundert hat, war, welche Fahrgeschäfte schon für relativ kleine Kinder erlaubt sind. Die Achterbahn Drachenritt ist mit 70 km/h und einer Höhe von 18 m nicht gerade eine Kirmes-Achterbahn. Meine Neunjährige wurde kurz blass um die Nase und ich fand die Fahrt auch nicht ganz ohne. Diese Bahn war jedenfalls ab 4 Jahre. Hola die Waldfee, segeln die da nicht raus?

Was mich auch wunderte: es gab an dem einen Tag mehrere technische Pannen an Fahrgeschäften.  Erst ging das Karussel, das einen in beachtlich luftige Höhen bringt, nicht mehr, dann gingen beim nächsten Fahrgeschäft die Sicherheitsbügel nicht mehr auf (naja, besser als umgekehrt...). Während die davon Betroffenen da feststeckten, zog ein Gewitter auf. Perfekt. Ein Mann fluchte, dies sei seine vierte Panne an einem Tag. Wie gesagt, wir bekamen nur zwei mit, was mir aber auch schon viel vorkam.



Gegen aufkommenden Hunger gibt es Fastfood in Form von Hamburgern. Oder Fastfood als Chicken Nuggets. Oder Fastfood - Pizza. Oder Fastfood-Schnitzel. Oder man isst Waffeln. Die Preise fürs Essen sind natürlich freizeitparktypisch etwas höher angesiedelt. Waffeln für 2 Euro sind ok, Hotdog für 3,50 Euro finde ich schon recht happig. 500 ml Fanta für 3,80 Euro dann schon eher Wucher.

Das Personal ist überwiegend nett und legt, genau wie die meisten Besucher, einen (für meine Ohren) lustigen Dialekt an den Tag. Da fällt mir immer wieder der Satz ein:
"Wie bestellt ein Sachse in New York einen Weihnachtsbaum? - A Tännsch`n, please!" ;-)
Aber ick jeb´s ja zu.. berlinern klingt och nich scheen.

In der Gegend wird übrigens die brandenburger Bicolore noch getoppt. Man trägt hier die sächsische Tricolore auf dem Kopf - Haare dreifarbig! In Orange, rot und lila!! Und dazu rote Strumpfhosen zu knielangen Jeans. Leider kann man die Glitzersteine nicht erkennen...



Ach ja, und noch etwas: beim Fluch des Pharao sollte man sich keinesfalls von der kurzen Warteschlange vor der Pyramide täuschen lassen. Das geht in einer Art "Innenhof", wenn man durch die Pyramide ist, weiter mit dem Anstehen. Ich stand da geschlagene 30 Minuten, konnte aber wegen des bereits hinter mir gelassenen Drehkreuzes auch nicht mehr weg. Das wäre nicht so schlimm gewesen, hätte ich nicht meine Tochter, die für die Wasserbahn wenige Zentimeter zu klein war,  mit einem "bin gleich wieder da, warte mal hier!" draußen gelassen hätte. Zum Glück war sie die Geduld in Person und hat fröhlich gewunken, als ich dann endlich in dieser Bahn saß... Trotzdem...Mein Adrenalinspiegel war durch das "Mist, sie ist unbeaufsichtigt auf völlig fremden Terrain - gibt es hier Bösewichte, Wespen oder die Möglichkeit eines Sonnenstichs?!" vermutlich mehr gestiegen als dann bei der Wasserbahnfahrt...

Am Ende des Tages waren wir mit (fast) allen Fahrgeschäften einmal gefahren, wir haben uns auch im Labyrinth verirrt und sind Kanu gefahren. Schade war, dass es, obwohl es eher leer war, eben doch einige Warteschlangen gab. Warum Wagen der Achterbahn und auch der Wildwasserbahn ständig halbleer fuhren bei dem Andrang, erschloss sich mir nicht. Aber klar, jeder will vorne sitzen...

Alles in allem ein schöner Ausflug, einige gute Fahrgeschäfte, aber irgendwie habe ich den Eindruck, dass Freizeitparks früher voller waren mit Attraktionen. Oder ist das wieder so eine verschobene Wahrnehmung, weil man sich an Sachen von "früher" anders erinnert?

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