Mittwoch, 3. September 2014

Alles egal...

Es wird immer gebetet, man soll sparen. Fürs Alter. Damit man dann nicht arm ist. Es droht schließlich Altersarmut und im Fernsehen sieht man zu dem Thema immer alte Leute, die bei der "Tafel" anstehen. Diese Renter gibt es zweifelsfrei.

Wenn man ins Altenheim zieht, gibt es Vollverpflegung, die dann von der Pflegekasse plus Rente plus Unterhalt erwachsener Kinder plus, in vielen Fällen, von der Sozialhilfe übernommen wird. Wer gespart hat, bekommt natürlich nichts. Was ja auch verständlich ist. Erst aufbrauchen, dann ...

Aber die Preise für die Pflege sind der Hammer. Da geht jeden Monat ein Urlaub auf den Malediven drauf...All Inclusive...In nackten Zahlen: unsere Verwandten zahlen, bei Pflegestufe 2 und erhöhtem Pflegeaufwand (was das ist, kann uns niemand sagen...) gemeinsam knapp 3000 Euro/Monat aus eigener Tasche, da dort noch etwas drin ist. Die Pflegekasse zahlt für beide zusammen nochmals ca. 3000 Euro. Also fast 6000 Euro gehen für 2 Personen ans Heim. 3000 Euro pro Person.
Und das zahlen ja alle, in vielen Fällen halt übers Sozialamt. Der Preis ist an sich immer ähnlich für diese Form der Pflege.

Da sind Körperpflegeprodukte, Maniküre & Pediküre (ich hätte gedacht, das gehört zur Pflege? Nägelschneiden halt...?), Frisör und Ausflüge noch nicht mit drin. Apothekenrechnung und Telefonkosten sind auch noch einmal zusätzliche Posten.

Wer macht eigentlich die Preise? Müssen die so hoch sein? Ich finde es sehr viel für das, was man bekommt, vor allem angesichts des extremen Personalmangels.  Aber es kommt mir vor, als stelle man das nie in Frage, weil es in aller Regel offenbar nicht selbst gezahlt werden muss.

Letzte Woche hatten wir ein, sagen wir einmal, komisches Erlebnis, das mich zum Nachdenken gebracht hat.

Wir haben uns eine Demenz-WG angesehen, weil die demente Oma in dem jetztigen Heim, aus dem sie ständig verschwindet, vermutlich nicht mehr bleiben kann (eine Anfrage ans Amtsgericht, wie es weitergehen soll, läuft seit 6 Wochen). Wir suchen nun bereits nach Alternativen.  Die WG gehört zu einem staatlichen Träger, ist im Gebäudekomplex eines Heims und rechnet mit den Pflegekassen ab.

Der Mann bei der WG erklärte uns alles und nach langem Reden um den heißen Brei, sagte er uns, dass eine WG nochmals 2000 (!) Euro MEHR im Monat kostet. Als uns die Kinnlade herunterklappte, kam ein:
"Das bezahlt doch das Sozialamt! Ist bei 99,9% der Bewohner so! Wir richten uns nach dem, was die Sozialhilfe-Träger zahlen".

Heißt das übersetzt: "Wir setzen das Maximum an, weil...muss ja eh keiner aus eigener Tasche zahlen"...?
Ich weiß es nicht, klang nur so...

Und erinnerte mich an die Studien"beratung" in der Uni. Als ich dort im ersten Semester leicht verzweifelt aufschlug, weil 2 Pflichtkurse zur exakt gleichen Zeit lagen, so dass ich unmöglich beide besuchen konnte. Dazu meinte die Beratung:
"Bekommst du Bafög?"
"Nein."
"Na, dann ist doch egal, wenn du 2 Semester länger brauchst."

Kommentare:

  1. Natürlich wollen die Pfleger und Pflegerinnen gut bezahlt werden, auch die sonstigen Angestellten eines Altenheims auch. Aber 6000 Euro monatlich für 2 Personen - lass es die zwei Zimer 600 Euro inkl. Strom/Heizung kosten, Essen 800 Euro für beide im Monat (wenn überhauot so viel!), persönliche Nebenkosten noch mal für beide 300 Euro im Monat (Bücher, Zeitungen...), Versicherungen vielleicht auch noch mal 200 Euro im Monat... da bliebe immer noch genug übrig, um eine Pflegerin Vollzeit zu beschäftigen. Und wieviele Angestellte/PflegerInnen gibt es meistens? Zu wenig Personal. Personalmange überall... Das passt doch vorne und hinten nicht. Ich hab mal einen Beitrag (ZDF, ARD?) gesehen, in dem es um ein Pflegeheim für Demente u. a. in Thailand ging. Dort werden die Dementen fast 1:1 betreutet (jeder verdeint genug), die Menschen würdevoll betreutet - und der Platz kostete weniger als hier in Deutschland., aber es waren alle zufrieden. Nun, ein Umzug nach Theiland ist natürlich keine Option für alle, aber daran sollten sich die Pflegeeinrichtungen ein Beispiel nehmen.

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    1. Das Personal verdient ja nicht mal gut. Und es sind wenige Pflegekräfte, viele auch nur Hilfskräfte. Wenig examierte Pflegekräfte. Und selbst die verdienen ja wenig. Und es ist am Tage ja EINE Pflegekraft für den ganzen Flur (ca. 30-40 Bewohner) zuständig. Ob das eigentlich anders sein müsste, weiß ich nicht (Betreuungsschlüssel), aber faktisch ist es so. Manchmal ist auch NIEMAND auf dem Flur.. Aber gut, irgendwer ist ja da...Drei Schichten.. Nachtzuschläge, Feiertage, Wochenenden, aber trotzdem...da muss viel über bleiben. Selbst wenn man natürlich bedenkt, dass weitere Angestellte (Hausmeister, Empfangstresen, Sozialarbeiterin) logischerweise auch etwas verdienen und das Haus das Pflegen natürlich zum Geldverdienen macht.
      Aber rechne mal hoch, was da im Monat reinkommt bei 100 Bewohnern. Ich glaube, im nächsten Leben eröffne ich ein Altenheim.

      Die Miete pro Zimmer sind 400 Euro, Essen 250 Euro pro Person (und das Essen ist auch so minimalistisch wie man bei dem Preis denkt).

      Die persönlichen Nebenkosten (Apotheke, Friseur, Fußpflege) kommen ja noch OBENDRAUF.

      Von 1:1-Betreuung ist man weit entfernt. Im Demenzbereich (ca. 20 Bewohner, geschätzt) kommen 2 Pflegerinnen auf den gesamten Bereich. Manchmal ist auch nur eine da. Da schreit dann mal ein Bewohner im Flur herum, eine andere sitzt weinend im Aufenthaltsraum und der nächste haut ab...

      Thailand ist keine Option, nein. Der herzkranke Opa würde vermutlich mit dem Klima enorme Probleme haben.

      Ich kann verstehen, dass Pflege kostet, aber ich habe den Eindruck, dass die Preise fast willkürlich ausgerufen werden, der Steuerzahler zahlt (in angeblich 99% der Fälle). Daher meckert vielleicht auch niemand...

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  2. Ich bin ja ganz bei Dir, sehe das ja im Krankenhaus auch ständig (Stress für die Pflegekräfte, gerade wenn dann ein wegen Krankheit ausfällt...; nachts ist dann auch eine Krankenschwester für 2 Stationen zuständig, ein Arzt für mehrere Stationen...) Meine Mutter hat viele Jahre erst als mobile Altenpflegerin gearbeitet, dann als Nachtschwester im Aktenheim (sie ist examiniert) und hat da einiges mitgemacht... Anständig bezahlt wurde sie und ihre Kollegen/innen nicht für diese harte Arbeit. Die "Inhaber" dieser Altenpflegehäuser haben sich aber dumm und dämlich verdient...

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    1. Genau das meine ich...dass sich vermutlich die Inhaber/Betreiber oder wie auch immer man es nennt, dumm und dämlich verdienen.

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