Montag, 6. Oktober 2014

Allein unter vielen im Grünen

Gestern wollte ich mit den Kindern eigentlich nur mal kurz zur Botanischen Anlage in Blankenfelde fahren, um dort die Rehe zu füttern. Das ist nicht weit von uns und unser Plan, war es, mal eben kurz hinradeln, Fahrräder mit reinnehmen, zu den Rehen gehen, füttern und wieder gehen. Wie sonst immer würden wir kaum einen Menschen treffen. Das war unser Plan.


Aber wir haben da etwas nicht bedacht. Schon als wir auf dem Weg durch eine sonst ruhige Kleingarten-Anlage waren, wunderte ich mich über die vielen dort geparkten Autos. Komisch! Was ist hier los? Haben bei dem guten Wetter alle Berliner das Bedürfnis ihre Verwandtschaft in Kleingarten-Anlagen zu besuchen?

Ist hier schon wieder Hasen-Ausstellung? Wobei die beim letzten Mal so wenig besucht war, dass ich, als ich mit dem Kleinen spazierend vorbeikam, mit den Worten "Kommt herein, schaut Kaninchen an" hereingerufen wurde...

Der sonst immer offene Nebeneingang der Botanischen Anlage war geschlossen, also ging es zum Haupteingang. Auch hier unglaublich viele Menschen. Der Bus der Linie 107, der sonst  so wenig gefragt ist, dass er nur seeeeehr selten fährt, kippte reihenweise Leute aus. Am Zaun Fahrräder über Fahrräder. Auf der Straße Autos soweit das Auge blickt.

Und dann erblickten meine Augen noch etwas mehr. Ein Schild:  "Herbstfest am 5. Oktober". Oh.

Am Eingang ein Stau. Es überwachte jemand, dass man auch seinen Euro Eintritt in den dortigen  Automaten wirft. Nun hat nicht jeder immer passend einen Euro zur Hand...
"Gundula, hast du mal einen Euro?" Gundula stand aber gaaanz hinten in der Schlange und eh die dann mal die Münze gebracht hatte, dauerte es....
"Puh, Kinder müssen nicht bezahlen, wir müssen also nur zwei Euro zahlen. Hast du zwei Euro-Münzen?"
"Macht mal Platz hier, es kommt ja niemand mehr durch den schmalen Ein-und Ausgang wieder heraus!" (warum machen die bei Großveranstaltungen denn das Tor nicht mal weit auf?)
Es wurde geschubst und gedrängelt, als gäbe es etwas umsonst.

Das Publikum bestand zu etwa 40% aus Rentnern und der Rest waren Familien. Die meisten, schätzungsweise, eher aus Prenzlauer Berg und Friedrichshain. Lagen die Flyer zum Fest bei Denn´s Biomarkt aus? Sie waren alle da...Die Ü40-Mütter mit bereits ergrautem Haar, aber schönen Schuhen. Und die dazu passenden Männer, die die Wickeltasche hinterhertragen.

Auf dem Fest waren einige Stände und eine Bühne. Wir haben keine Musik von dort vernehmen können, wir haben da auch niemanden gesehen. Vielleicht kamen die Musiker später. Mussten noch den Euro für den Eintritt suchen...


Ein Stückchen weiter konnte man Kartoffeln selbst ernten. Da herrschte großer Andrang. Wir zogen weiter. Wenn ich Kartoffeln ernten will, kann ich das im eigenen Garten machen.

Am Gehege mit den Rehen und Hirschen herrschte logischerweise riesiger Andrang. Der Futterautomat spuckte nur noch sehr sporadisch Futter aus. Eine Frau mit 6 Kindern gleichen Alters (Kindergeburtstag? Sechslinge?) stand da und erklärte, dass sie keine Münze mehr  und der Automat ihren letzten Euro "gefressen" habe. Und so stand sie da. Starrte den Automaten an. Erzählte vom verlorenen Euro. Ihre Kinder versuchten, den Automaten zu zerlegen. Irgendwann gelang es jemandem, herauszufinden, dass Futterspender-Schacht 1 leer war, aber Schacht 2 noch grüne kleine Boxen mit Wildfutter hat.

Aber wer braucht schon Wildfutter, wenn man Möhren hat? Oder Grasbüschel mit viel Erde? Neben uns stand ein Kind am Zaun, das immer abwechselnd dem Reh eine Möhre gab und dann selbst in die Möhre biss. Yammi! Aber das Reh ist sicher bio und damit gesund.

Auf der Wiese nebendran wurde gesportelt. Während er das Kind im Tragetuch umherschleppte, machte sie Sport. Erst erinnerte es mich stark an Rückbildungsgymnastik ("Und wir stellen uns jetzt mal vor, wir hätten einen Pinsel im am Hintern und schreiben damit den Namen unseren Kindes"....Mütter kennen es sicher...).. Dann Yoga...schließlich Bauch-Beine-Po-Übungen. Lustig. Würde ich mich in einem vollen Park eher nicht trauen.

Gegen aufkommenden Hunger gab es erstaunlich wenig Angebote für ein Fest. Das nette Café im Gewächshaus hatte offen, war aber hoffnungslos überfüllt. Eis bekam man direkt neben den Grünpflanzen an einem Sonderstand. Und draußen sorgten drei Imbisswagen eines Pankower Restaurants für das kulinarische Wohl. Es schmeckte alles gut, war preislich auch im Rahmen, aber die Bedienung machte auf mich einen leicht überforderten Eindruck...

"Eine Currywurst, bitte!"
"Sie meinen eine Rostbratwurst!" schmetterte es mir auf Sächsisch entgegen.
"Nein, eine Currywurst. Da steht es doch dran, Currywurst für 2 Euro. Die möchte ich."
"Sie meinen Rostbratwurst. Vom Grill."
"Nein!!!"
"Ok, dann Currywurst."
"Danke."

Rostbratwurst wäre vermutlich keine gute Idee gewesen. Der Mann vor mir hatte eine bestellt.
"Aber bitte keine so schwarz verkohlte."
Ihm wurde ein besonders dunkles Exemplar gereicht.
"Ich sagte, keine so schwarze!"
Nach einigem Hin-und Her gab es eine neue Rostbratwurst.

Kaffee war dagegen aus. Der Mann vor mir am Getränkewagen hatte zum Kaffee erstmal eine Frage:
"Ist der Kaffee vegan?"
"?!!"
"Ich möchte gerne Kaffee."
"Aber es ist gar kein Kaffee mehr da. Muss ich neu aufsetzen."...sprach sie und wendete sich direkt uns zu.
Der Kaffee-Interessent brummelt noch kurz, dass ihm das Fest ja echt Spaß mache...

Allzu viel Spaß hatten wir am Fest an sich auch nicht. Ein kleiner Planzenstand verkaufte ein paar Kräuter. Die fleischfressenden Pflanzen waren nur zum Anschauen, aber immerhin verkaufte man schöne kleine Kakteen.

Er war unser einziger Einkauf. An Kräuter-Chutney im Glas und ähnlichem hatten wir nicht so viel Interesse. Zu unsicher ist mir, ob ich darauf nicht allergisch reagiere. Man konnte auch Honig kaufen, direkt neben dem Bienenstock. Schöne Sache, haben wir aber schon. Wir wohnen hier so weit auf dem Land, da bekommt man überall Imkerhonig hinterhergetragen ;-). So viel kann keiner essen.

Auf der Wiese gab es auch noch ein Zelt des Waldkindergartens in der Nähe. In diese Höhle der Ökomütter haben wir uns nicht gewagt, sondern sind zurück zu ihren Fahrrädern gegangen und haben unseren neuen Kaktus vorsichtig nach Hause gebracht.


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