Sonntag, 2. November 2014

Ausflug: Stettin im Herbst

Inzwischen ist der Ausflug schon wieder ein paar Tage her, aber irgendwie kam ich in den Herbstferien nicht so oft zum Bloggen wie sonst. Jetzt aber...

Vor einiger Zeit entdeckte ich eher durch Zufall, dass für die Bahn Teile Polens zu Brandenburg gehören. Ob das politisch korrekt ist, sei dahingestellt, aber vermutlich werden sie so das Berlin-Brandenburg-Ticket besser los, als wenn man damit nur bis Schwedt, in die Uckermark oder nach Fangschleuse fahren könnte.


Für 29 Euro können mit dem Ticket bis zu 5 Personen einen Tag lang kreuz und quer durch Brandenburg und eben in einige angrenzende Gegenden fahren. In Polen sind es die Städte Küstrin und Stettin.
Macht bei maximaler Auslastung des Tickets also nicht mal ganz 6 Euro pro Person. Selbst zu zweit lohnt es sich bereits. Und es ist alles drin, von der Berliner S-Bahn über den Regio und IC bis hin zur Oderland-Bahn der NEB und der Straßenbahn in Stettin. Nur die Straßenbahn in Rüdersdorf nicht ;-)

Ursprünglich war Küstrin als Ziel angepeilt. Die Fahrt wäre kürzer gewesen und ich mag die NEB, die eben dorthin fährt. Aber es wurde dann doch Stettin. Es war einfach die attraktivere Stadt: mehr Einwohner, daher sicher mehr los, fast am Meer und dazu mehr Geocaches. Also los...


Ab Berlin- Gesundbrunnen brachte uns ein Doppelstock-Regio, der leer (!) war, pünktlich (!) nach Angermünde. Draußen war Brandenburg im Herbst zu sehen. Je weiter wir nach Norden fuhren, umso mehr sang eine Stimme in meinem Kopf: "Ich fühl´ mich heute so leer, ich fühl´ mich Brandenburg...".
Ruinen, Rehe, Rindviecher. Sogar die Bahnhofsgebäude hatten ihre besten Tage eindeutig hinter sich. Einige kann man übrigens kaufen.

In Angermünde stand ein Zug voller Panzer (was machen die in der Uckermark?!) und es wartete ein kleiner Zug mit einer Diesel-Lok auf uns. Ein Teil der Strecke nach Stettin ist (noch) nicht elektrifiziert.

Weiter ging die Tristesse. Irgendwo unterwegs... 99,6 km bis Berlin:



Aber dann plötzlich: Licht, Leuchtreklame, Leben. Das Smartphone meldete "Willkommen in Polen!". Ich war zuvor noch nie in Polen. Wenn meine Oma ab und an mal hingefahren ist, konnte ich mich nicht dazu hinreissen, mitzufahren. Schade eigentlich.

Die Stadt sah im Nieselregen ganz schön aus. Ohne Nieselregen wäre es sicher noch besser.  Mein Eindruck nach einem ganzen Tag Stettin: viele Gebäude sehen sehr nach "Ostsee-Gegend" aus, viele sind schön saniert, aber es gibt auch einige Ruinen. Fastfood-Ketten, sogar Starbucks, sind billiger. Im Einkaufszentrum, das aussah, als könne es überall in Europa stehen. Einen "Polen-Markt" im klassischen Sinne haben wir nicht gesehen, hatten wir aber auch gar nicht im Sinn.

Im Einkaufszentrum war ein Berlin- Imbiss. Nein, da gab es keine Currywurst, sondern Döner:



Wir haben die Stadt überwiegend zu Fuß erkundet. Manche Straßenzüge sind halb saniert und sehen aus wie im Prenzlauer Berg. Aber nur teilweise. Manche Häuser sind eben nicht saniert. Und sehen aus Prenzlauer Berg früher. Oder so wie Friedrichshain.

Ganz selten sieht man Spuren früherer Zeiten, so wie hier neben dem Bahnhof.


Am Bahnhof steht auf einem Abstellgleis übrigens eine schmucke alte Dampflok, an die man auch herangehen kann (nicht über die Gleise! ;-)):



Ich mag ja Transportmittel aller Art und so konnte mich auch die Straßenbahn in Stettin begeistern. Es sind verschiedene Arten von Bahnen, moderne und älter aussehende. Auffällig waren die vielen Bahnen, die aussahen wie aus Berlin und die, wie ich später gelesen habe, auch aus Berlin stammen. Das Bremsgeräusch ist so charakteristisch, dass ich für einen Moment inne hielt und dachte "das klingt so vertraut!!". Ich habe jahrelang ohne Schallschutzfenster an einer Tram-Strecke gewohnt.


Alles in allem: eine schöne Stadt. Die Oder sieht hier schon so riesig aus, dass man erahnt, dass es nicht mehr weit ist bis zum Meer. Einen Strand gibt es wohl nicht. Es gibt viiiiele Treppen.  Man sollte am Busbahnhof nicht querfeldein laufen, nur weil es kürzer ist. Manche Busfahrer halten stoisch drauf. Es gibt riesige Kreuzungen. Riesige. Man kann im Einkaufszentrum nicht mit Euro zahlen, oder nur manchmal mit Euroscheinen und bekommt Zloty heraus. Und Kreditkarten nimmt sogar McDonalds. Für einen Tag, an dem wir ja nicht einmal Shoppen auf dem Plan hatten, wollten wir nicht extra Geld umtauschen. 


Wir werden bald wieder kommen, allein schon weil der Rest der Familie, die zu Hause geblieben war, nun auch hinfahren möchte. Und demnächst teste ich mal das Bahn-Eurospezial Berlin-Posen.

Aliens dürfen hier nicht mit Laserschwertern hantieren...?


Kommentare:

  1. Antworten
    1. Konnte man denn erkennen, ob das Bundeswehr-Panzer waren? Wenn ja, dann könnte das sein, daß die auf den Weg zu oder zurück von einem der Truppenübungsplätze in Brandenburg waren. Wenn es dagegen US-amerikanisch waren, dann dürfte das evtl. mit der Truppenverstärkung in den östlichen Nato-Staaten zu tun haben

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    2. Es waren Bundeswehrpanzer. Stimmt, es könnten einfach welche sein, die vom Übungsplatz kommen. An so etwas simples hatte ich gar nicht gedacht.

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  2. Das ist ja Wahnsinn, man muss einfach mal mehr in der Welt umherfahren, damit man so etwas entdeckt. Toller Beitrag

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    1. Ja, einfach mal umherfahren. Ich schau immer nach günstigen Angeboten/Ländertickets oder was auch immer und dann geht es los. Irgendetwas schönes findet man schon an jedem Ort.

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