Sonntag, 2. November 2014

Vom großen Sortieren...

Vor kurzem bekam ich den Laptop meines Schwiegervaters in die Hand gedrückt. Ich sollte alle seine Fotos auf der Festplatte wiederfinden. Er hatte sie mit einem Klick allesamt in den unendlichen Tiefen seiner Festplatte verschwinden lassen und brauchte sie nun dringend wieder – nach Jahren der Aufnahme sortiert. Es galt, gut 50 Jahre Vergangenheit wieder zu finden und am besten auch zu sichten. Er hatte vor Jahren seine alten Fotos und auch Dias digitalisieren lassen und schaut sie quasi wöchentlich durch und nutzt sie als Bildschirmschoner. Daher war das Wiederfinden wichtig. Und ich machte unfreiwillig eine Reise in die Vergangenheit und kenne nun die gesamte (teilweise längst nicht mehr unter uns weilende) Verwandtschaft meines Mannes.

Früher fotografierte man noch wenig, entsprechend wenige Bilder waren aus den 60er und 70er Jahren vorhanden. Später wurde es dann immer mehr. Man sah anhand der Fotosammlung auf dem Laptop auch, wann er unter die Digitalfotografen gegangen ist. Eine spürbare Häufung war zu merken, aber weniger „wichtige“ Bilder waren darunter. Von ganz früher gab es nur Fotos von Familienfeiern, kleine Kindern und Reisen. Aus den letzten 10 Jahren gibt es Fotos von jeder Blume im Garten, jedem noch so kleinen Umbau im Haus in allen Variationen, jedes noch so kleine Dorffest und jeder Besuch der Enkel wurde genaustens festgehalten. Nein, dokumentiert.

Eine Freundin von mir sagte mal, sie fotografiert auch heute mit der Digitalkamera noch so wie „früher“. Sie überlegt sich ganz genau, was aufnehmenswert ist und was nicht. Ich muss gestehen, dass ich das nicht so mache. Ich habe beispielsweise mit meiner Digitalkamera seit dem Kauf vor zwei Jahren ca. 25.000 (!!!) Fotos gemacht. Ich wollte es selbst nicht glauben, zumal ich die total verwackelten oder doppelten Fotos sofort lösche - aber die Zahl stimmt.

Mit meinem neuen, gerade einmal zwei Monate alten Smartphone, habe ich auch schon wieder über 1000 Bilder gemacht. Man ist unterwegs... sieht dies und das und denkt „Och, das könnte etwas zum Bloggen sein, das ist lustig/seltsam/sehenswert“. Oder man macht ganze Fotoserien, denn man könnte das ja irgendwie später weiterverarbeiten. Oder irgendeine Alltagskleinigkeit muss unbedingt mit Freunden geteilt werden. Ob sie das jetzt sehen wollen oder nicht...
Wir kaufen gelegentlich neue Festplatten, um Fotos, die ja auch noch immer größer werden, auf dem heimigen Server zu speichern. Sortiert nach Jahren, versehen mit Schlagworten... Sehr selten sehe ich das mal alles durch.

Und dann kommt immer Weihnachten... Zu Weihnachten verschenke ich an die Großeltern seit Jahren Fotokalender mit den Kindern als Motiv. Als Großeltern mag man solche Fotosammlungen in aller Regel gern. Reale Fotos schaut man sich eher mal wieder an. Man kann sie hinstellen, an die Wand hängen oder eben auf Fotogeschenken wohl dosiert damit die Wohnung schmücken.

Aber man braucht nicht viele. Weniger ist mehr. Aber ganz auf echte Fotos verzichten wollen wir auch im Zeitalter der Digitalkamera nicht mehr.

Wir haben irgendwann beschlossen, neben den jährlichen Kalendern auch für jedes Jahr ein Fotobuch zu erstellen. Die werden bei uns tatsächlich öfters in die Hand genommen. Da kommen alle Ereignisse des Jahres hinein, gern auch jahreszeitlich sortiert... Schlittenfahren... ein paar wenige schöne Blumenfotos im Frühling....Urlaub, Geburtstage....Weihnachten. Es ist recht schön, immer mal wieder persönliche Jahresrückblicke zu haben. Für sich selbst. Und ich würde es sogar spannend finden, wenn meine Oma schon solche Bücher gehabt hätte und man so in die Vergangenheit schauen könnte.

Bestellen kann man Fotobücher auf vielen Webseiten, unsere sind meist von Foto Budni, die viele von den CEWE Fotobüchern kennen werden. Es gibt dort Fotogeschenke, Fotobücher und vieles mehr. Das alles bieten einige andere Dienste auch. Ich bin dort einfach nach dem ersten Fotobuch geblieben.

Aber ich kann nur eins raten: schon während des Jahres vorsortieren. Sonst hilft einem auch die beste Software, die es bei diesen Seiten gibt, nichts. Ich habe diese Vorsortierung jahrelang immer wieder vergessen, verschludert oder auf die lange Bank geschoben. Das Ergebnis: Ich saß stunden-, nein, manchmal tagelang und habe Bilder gesichtet. „Wann waren wir noch auf diesem und jenen Ausflug, bei dem das tolle Bild mit perfekter Beleuchtung entstanden ist, das jetzt unbedingt mit dabei sein soll?“, „Wo ist das Foto auf dem beide Kinder so fotografiert sind, dass es jetzt genau zum Kalenderblatt „September“ passt?“... Suchen, suchen, alle Fotos anschauen, um bloß nichts zu vergessen, sich darüber ärgern, dass man im Garten das Wachstum jeder Blume dokumentiert hat und vom schönen blauen Meer im Urlaub ungefähr 50 Aufnahmen hat, die man aber jetzt gerade gar nicht anschauen wollte.

Also... ich bin dann mal sortieren und Fotos sichten. Dieses Jahre habe ich immerhin schon einmal grob in einem Ordner „Fürs Fotobuch“ gute Fotos im Laufe des Jahres gesichert. Rechtzeitig bestellen vor Weihnachten möchte man ja auch noch und in nicht mal mehr 2 Monaten ist es so weit. 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen