Dienstag, 2. Dezember 2014

Das ist der Peter, er ist Koch...

Ich habe jetzt ich ein Ehrenamt. Klingt total wichtig und überhaupt, aber ich verkaufe nur an einem Vormittag pro Woche Brötchen (und noch viel mehr Kekse) in der Schul-Cafeteria. Und da man ja dabei mit Lebensmitteln hantiert, brauchte ich das, was man früher "Rote Karte" nannte und heute rosa ist.

Ich kenne aus Erzählungen, dass man früher für die Karte angeblich förmlich auf den Kopf gestellt wurde. Mit Blutproben und noch ganz anderen Proben, Tuberkulose-Test und was weiß ich was. Das alles wurde abgeschafft. Schon seit 2001 wird man nur noch belehrt. Denn so eine Untersuchung bringt ja auch immer nur eine Momentaufnahme und damit eh keinen Schutz. Also weg damit (teuer war´s sicher auch).

Aber ich kam mir schon etwas komisch vor, als ich da im Gesundheitsamt saß. Es gibt eine Belehrung in schriftlicher und mündlicher Form. Wie muss man sich das vorstellen?

Man kommt ins Gesundheitsamt. Für die ganze Gegend von Mitte, Reinickendorf, Wedding bis Prenzlauer Berg ist das Amt im Wedding zuständig. Man geht vorbei an einer Tür, auf der steht, es bestünde Seuchengefahr, man solle bitte draußen bleiben. Also husch, husch da vorbei und in einen vollen Warteraum. Wartenummer ziehen. Angstvoll mit der Wartenummer in der Hand auf die Anzeige schauen, sich fragend, wie lange es wohl dauern könnte... und feststellen: "Hey, ich bin ja schon als nächstes dran... was machen all die anderen hier?"

Rein ins Büro, Personalausweis und die Ehrenamtsbescheinigung vorgelegt, sonst kostet der Spaß 20 Euro. Einen Zettel bekommen. Das ist die schriftliche Belehrung. 7 Seiten über Pest und Cholera. Und Salmonellen. Und was man sonst noch so haben kann.

Draussen stellte ich fest: die vielen Leute, die den Wartesaal füllten, waren alle schon vor mir da und lasen auch gerade den Zettel. Oder waren mit der Lektüre schon durch. Es war also doch gut, dass ich nicht um Punkt 9 Uhr zur Öffnung des Amtes da war. Denn anscheinend gibt es die mündliche Belehrung nur so alle halbe Stunde oder wenn genug Leute da sind oder wie auch immer. Jedenfalls ging es um 9:30 Uhr zur mündlichen Belehrung.

Das bedeutet: Video gucken. Mich erinnerte es ein wenig an die Sendung mit der Maus.

"Das ist der Peter. Peter ist Koch in einem Restaurant. Peter hatte kürzlich Durchfall und musste dann vier Wochen von der Arbeit pausieren. Schuld war ein Dessert."

Und so ging es weiter... wie man sich die Hände wäscht, wie man einen Fingerling über eine bepflasterte Wunde zieht, wie man sich eine Haube auf den Kopf setzt, wenn man einen Job hat, bei dem keine Haare ins Essen fallen dürfen (gibt es auch welche, wo Haare erlaubt sind?).  Immer wieder Köche, die aufs Klo gehen. Einblendung der Klopapierrolle. Immer wieder. Durchfall. Klopapier. Hände waschen. 
Irgendwann fühlte ich mich beim Zuschauen schlecht. Zu viel wurde über Übelkeit gesprochen.

Und über Dauerausscheider von Bakterien. Leute, die nie selbst krank werden, aber jahrelang (!) Überträger sind.
Die würde man doch sonst bei einer Kontrolle, wie es sie früher gab, finden. Denke ich mir so.

Ich habe bei dem Video aufmerksam zugeschaut, denn ich dachte, am Ende gibt es vielleicht so etwas wie einen Ankreuztest oder so. Ein Nachweis, dass man das Video verstanden hat. Nö, gab es nicht.

Nachdem das Video fertig war ("Und der Peter, der kann nun wieder arbeiten gehen."), gab es Karten für alle. Für immer gültig.

Mag schon alles seine Richtigkeit haben, aber ich dachte immer, das würde irgendwie strenger gehandhabt werden.

Kommentare:

  1. Kleine Korrektur zu "für immer gültig": das stimmt zwar im Prinzip, allerdings muß jährlich eine Unterweisung durch einen Beauftragten der Firma, Institution, etc., für die man arbeitet, erfolgten - und die muß dokumentiert werden.

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  2. Stimmt, diese Belehrung hatte ich prompt einen Tag später (es war jährliche Teamsitzung). Aber viel kam dabei auch nicht herum.

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