Freitag, 19. Dezember 2014

Es war Liebe... Ausflug nach Leipzig

Eigentlich wollte ich ja zur Ostsee. Seit gut 2 Jahren schaute ich regelmäßig auf der Webseite vom Interconnex, ob sie endlich eine Verbindung nach Warnemünde anbieten, die einen morgens hin und abends zurück nach Berlin bringt. Aber nichts. Der Zug nach Warnemünde kam immer gegen 14 Uhr dort an und fuhr postwendend zurück. Doof. Ich wartete und wartete, in der Hoffnung, dass es sich ändert. Denn ich wollte so gern mal mit dem Interconnex fahren. Ich probiere gern die Konkurrenz der Deutschen Bahn aus.


Vor wenigen Wochen hieß es, dass der Interconnex eingestellt wird. Aus der Traum vom Tagesausflug nach Warnemünde. In der letzte Woche gab es alle Tickets zum Super-Sparpreis von 10 Euro und ich habe rasch noch die Chance zum Fahren genutzt … nun eben nach Leipzig. Morgen um kurz vor 8 Uhr hin, abends nach Hause.

Ich war zuvor noch nie in Leipzig. Irgendwie hat es mich bisher nicht dorthin gezogen. Ich kenne dort niemanden, bis auf unsere schrecklich nervigen Ex-Nachbarn, die nun eben dorthin gezogen sind und die mir einmal im Jahr in Berlin immer zufällig (!) über den Weg laufen, wenn sie Freunde besuchen und mir dann im heftigsten sächsischen Dialekt von ihrem neuen Leben in Leipzig berichten. Zu meinem wirklich großen Erstaunen habe ich sie in Leipzig nicht getroffen!

Und glücklicherweise fiel der, für den Tag angekündigte, Schneefall aus und der Zug stand in Gesundbrunnen schon bereit, als ich die Treppe 15 Minuten vor der Abfahrt hinaufkam. Drinnen nur eine handvoll Fahrgäste. Eigentlich dachte ich, es könnte voll werden bei dem Preis, aber dem war nicht so. Auch am Hauptbahnhof wurde es nicht voller und am Südkreuz stieg niemand ein. Und dann ging es ohne weiteren Halt direkt nach Leipzig. Dabei hatte ich mich doch darauf eingestellt, wie mit einem Regio an jeder Milchkanne zu halten...

Die Gegend war schöner als das nordöstliche Brandenburg auf dem Weg nach Stettin. Aber auch hier: Ruinen und Kühe. Und eine Reh-Herde. Reh-Horde? Reh-Gruppe? Rehe jedenfalls.

Leipzig wirkt recht schick. Ich habe gelesen, dass hier viel Geld ausgegeben wurde und das sieht man auch. Lauter neue Fassaden, alles sieht neu aus oder wie „aus alt mach neu“. Der Bahnhof ist innen eher ein Shopping-Center und von außen sieht die schmucke Fassade mit der ganzen Leuchtreklame etwas eigenwillig aus.

Direkt vor dem Bahnhof wäre ich beinahe unter eine Straßenbahn gekommen. Dabei bin ich Straßenbahnen doch gewohnt. Aber die in Leipzig sind anders. Nicht nur, dass sie ein wenig aussehen wie ein alter Zug, sie haben auch komische Ampeln. Es gibt Ampeln mit einer Tram drauf. Diese Ampeln können ganz doll blinken – aber das machen sie auch, wenn gar keine Tram kommt. Aber am Bahnhof war genau diese Ampel aus. Ich dachte, dann kommt wohl keine... und plötzlich KLINGELING! Ärgs...

Auf den Weihnachtsmarkt habe ich natürlich einen Abstecher gemacht. Sehr heimelig und nett, aber da ich weder Glühwein trinke noch an erzgebirgischen Holzschnitzereien interessiert bin, war es für mich persönlich nicht so spannend. Mich hat gewundert, dass sich der Weihnachtsmarkt durch die Altstadt ziemlich verteilte. Immer wieder ein Fetzen Weihnachtsmarkt. Ergibt es mehr Sinn, wenn man sich in Leipzig auskennt?

Wie bestellt ein Sachse in New York einen Weihnachtsbaum? A Tännschen, please!“. Das ist zugegebenermaßen nicht von mir. Aber es fiel mir hier wieder ein.

Am Pleißemühlgraben, direkt neben dem Naturkundemuseum, habe ich einen Eisvogel gesehen! Einen echten Eisvogel mitten in der Stadt. Leider flog er davon, als ich ihn fotografieren wollte.

Beim Schlendern entdeckte ich einen Laden von Orchestra. Französische Kindermode und dazu noch eine meiner Lieblingsfirmen. Ich kannte sie bisher nur aus Frankreich und den Onlineshop, aber was sah ich an der Kasse: einen Flyer für eine weitere Filiale in Berlin-Spandau. Ok. Da kann ich von uns aus mit dem Bus hinfahren.
Vor der Tür war dieser Pustebär. Leider war er ausgeschaltet.


Es gibt Plattenbauten und Ruinen, in denen noch Licht brennt.


Aber auch einen Konfuzius-Kindergarten! So viel ich weiß, gibt es DAS in Berlin noch nicht, oder? Was machen die Kinder dort wohl? Früh-Chinesisch lernen?

Hier hat jemand einen Plastik-Mann im Müll versenkt. Sehr schön, immer weg mit dem Kitsch...

Und es gibt noch einen Konsum. Konsum Supermarkt. 


Der Zug war übrigens wirklich gut. Schade, dass er eingestellt wurde. Ich kann nicht bestätigen, dass er von innen wie eine S-Bahn wirkte, wie es manche im Netz schrieben. Vielleicht wie eine S-Bahn anderswo, aber nicht wie eine in Berlin, sondern eher wie ein Regio der Bahn. Dazu bezahlbare Snacks, viel Platz und hätte man Kopfhörer dabei gehabt, hätte man wohl Musik hören können -  im Sitz war so eine Entertainment-Buchse wie im Flugzeug. Leider keine Steckdose. 

Veolia betreibt noch weitere Strecken mit jeweils anders genannten Bahnen. Im nächsten Jahr werde ich mal den Harz-Express (Hex?!) ausprobieren.

Der Tag in Zahlen:
  • fast 3 Stunden im Zug gesessen
  • 21 km (!) gelaufen
  • 18 Geocaches gefunden
Am Naturkundemuseum (in dem es übrigens gerade eine interessante Ausstellung über invasive Arten gibt), hängt ein achtbeiniges Tier in Übergröße. Alle Spinnenphobiker hören an dieser Stelle auf zu lesen und scrollen nicht nach unten...






….NICHT....











….nein, nicht scrollen....












….Ok, Ihr habt es nicht anders gewollt:

Kommentare:

  1. Ich kenne einige Leute bei mir im Südwesten, die Leipzig ganz toll finden und tatsächlich dahin auswandern wollen.
    Ein Argument war neben den kleinen Mieten die geringe Ausländerdichte !!
    O-Ton " nicht so viele Türken ". Dazu muss man wissen, daß Wir hier im Südwesten tatsächlich recht viele Türken haben. Was mich aber nicht stört, weil es für mich normal ist. Nur so am Rande.
    Der Typ ist aber kein Nationaler, Nazi oder sonst was ! Geht eher so in Richtung Gothic/Punk. Also, auf nach Leipzig !

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    1. Also ich weiß nicht, ich würde nicht nach Leipzig auswandern wollen. Die Stadt erinnert mich ein wenig an Berlin in den 90ern. Die Gothic- Shops mitten in der Innenstadt (davon habe ich auch einige gesehen), die Ruinen etwas abseits der schmucken sanierten Gebäude. Aber ansonsten fand ich es recht langweilig, vielleicht gerade weil das multikulturelle tatsächlich fehlt.

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