Montag, 29. Dezember 2014

Otto sagt Hallo - Ausflug nach Magdeburg

Was macht man so in der Weihnachtszeit, wenn man dem ganzen Trubel aus dem Weg gehen will? Mit dem Regio und einem „Schönes-Wochenende-Ticket“ nach Magdeburg fahren. Eisenbahn-Urlaub nennt mein Sohn das immer und in Magdeburg war ich zuvor noch nie. Und ich begebe mich gerne an Orte, die ich noch nicht kenne. Alles ist sehenswert. Und wenn nicht, kann man zumindest absurde Fotos machen.

Was soll es da geben? Ich hörte was von Plattenbauten, grau, klein, keine Sehenswürdigkeiten. Muss man nicht hin. Sagte mir jemand, der allerdings das letzte Mal vor der Wende dort war. Schauen wir mal nach, wie es heute ist.


Das Wetter meinte es gut mit uns. Nachdem uns ein quasi unbeheizter Regio durch Brandenburg nach Sachsen-Anhalt gebracht hatte, wurde das Wetter doch noch gut. Und ist außer mir auch anderen schon aufgefallen, dass im Regio ab Berlin am Sonntagmorgen immer auffallend viele Leute mit riesigen Pupillen sitzen? Das kann kein Zufall sein.

Die Fahrt ging mal wieder vorbei an Ruinen-Bahnhöfen. Hier der Bahnhof Kirchmöser...


Man kann viele Ruinen-Bahnhöfe übrigens kaufen. Auch auch Bahnhöfe, die noch keine Ruinen sind. Und Wassertürme. Falls sich jemand dafür interessant, hier findet man die Immobilien der Bahn.

Bei bestem Sonnenschein spazierten wir am Elbufer entlang. Sogar einen Strand gibt es. Und an jeder Straßenecke Halbkugeln. Wegen dem Magdeburger Halbkugel-Experiment. Aber auch noch viele Kunstwerke mit Soldaten, typische DDR-Kunst. Ein Relief mit einem Soldaten, der einst ein kleines Kind, das aus dem Fenstern fiel, mit seinem Mantel fing. Oder ein Soldat mit Kind auf dem Arm. Bestimmt gibt es noch mehr. In Berlin habe ich schon lange solche Kunstwerke nicht gesehen.

Was mir auffiel: die Mütter sind dort mindesten 10-15 Jahre jünger als im Prenzlauer Berg, man packt gigantische Kissen in Kinderwägen (sieht man da noch das Kind?) und stellt Kinderwägen samt Baby vor den Supermarkt, wenn man einkaufen geht. In Leipzig habe ich das auch gesehen. Alte Sitten sterben langsam.

Es gibt Ampelfrauen in grün und rot.


Und Ruinen mal wieder. Mit Wal.

Oder ohne. Auch ohne Fenster. Und die Plastikplane weht im Wind. Das dürften Anlagen des Magdeburger Hafens sein.


Und der Kaufhof am Alex ist wieder auferstanden: 


Aber es gibt auch viele schöne Gebäude in der Altstadt. Ein Kloster, das Hundertwasserhaus, diverse Gebäude mit Burgzinnen und viele Kunstwerke. Ein Flusskraftwerk. Interessant. Finde ich gut.


Einen alten Friedhof oder Teile davon haben wir auch gesehen. Schöne Sanduhr auf dieser Grabplatte.

Und hier ist sie, die obligatorische Kanone. Es ist egal, wohin ich fahre – Mumbai, Helsinki, Lamezia Terme, Stettin...egal, ich finde IMMER eine Kanone. Es ist wie ein Naturgesetz. Urlaub, Ausflug, egal wohin, wir werden zufällig eine Kanone finden. Wir suchen sie nie. Wir googlen nicht vorher nach „Ort mit Kanone“. Wir stehen immer irgendwann davor. Inzwischen finde ich es gespenstisch.
 Witzig dagegen diese Aufschrift:


Im Land der Frühaufsteher macht der Weihnachtsmarkt übrigens ungewöhnlich früh auf. Als wir um 10 Uhr dort vorbeikamen, konnte man schon einen halben Meter Bratwurst kaufen oder Riesenrad fahren.


Wollte aber kaum jemand. Es war total leer. Die ganze Stadt war leer. Kein Mensch weit und breit. Niemand. Auf einem Markt, auf dem es gruselig kitschigen Zwerge gab, waren ein paar wenige Leute. Dann wieder lange Zeit niemand. Nicht am Elbufer, nicht in den Parks. Auch keine Hunde. Nicht mal Hundehaufen.

Aber dann... als wir am Nachmittag ein Einkaufszentrum betraten, wussten wir, wo alle sind. Auf dem Klo! In dem Einkaufszentrum war die Toilettenschlange so lang, dass man sicher eine Stunde angestanden hätte...!! Es war der letzte verkaufsoffene Sonntag vor Weihnachten und das Einkaufszentrum komplett überfüllt.

Alles in allem: ein gelungener Ausflug in die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt.

Der Tag in Zahlen:
20, 4 km gelaufen
3 Stunden Regio gefahren – und alle Züge waren pünktlich auf die Minute, aber kalt
18 Geocaches gefunden

Für 2015 habe ich mir vorgenommen, alle weiteren Landeshauptstädte zu besuchen. Es gibt schließlich eine Geocaching-Deutschlandserie... Finde einen bestimmten Geocache der Serie in eben jeder Hauptstadt, ermittle die dazugehörigen Bonuszahlen und finde dann das Finale irgendwo in Bayern.

Ich wollte schon immer mal nach Kiel oder Bremen... und in Hannover und Düsseldorf war ich auch schon lange nicht mehr. Saarbrücken und Hamburg stehen auch auf dem Plan. Mal sehen, wie weit uns das Schönes-Wochenende-und das Quer-durchs-Land-Ticket bringen...

Kommentare:

  1. In Saarbrücken warst Du aber schonmal.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt. Das war sehr kurz. Also, ich komme wieder.

      Löschen
  2. In Magdeburg war ich genau ein Mal und zwar im Herbst '98 um Urlaubsbekanntschaften aus dem zurückliegenden Spanienurlaub zu besuchen.

    Damals fand ich die Stadt absolut gruselig, war gleichzeitig auch mein erster Besuch in Ostdeutschland und MD hat so ziemlich jedes Klischee bestätigt, dass ich aus den Medien kannte. Das war absolut verstörend damals, am krassesten fand ich, dass die da so etwas wie ein Nazi-Ghetto hatten! So eine Art gated community vor den Toren der Stadt, in die ab einer gewissen Uhrzeit nur noch Anwohner reingelassen wurden und die sahen alle exakt so aus, wie man sich im tiefen Westen den "tumben Ossi" vorstellte bzw wie man ihn verkauft bekam, weil man es ja nicht besser wusste. Da liefen fast ausschließlich Glatzen in Bomberjacken mit weißen Schnürsenkeln in den Doc's herum, das werd ich nie vergessen. Wie in einem richtig schlechten Film! Zum Glück haben weder mein Kumpel noch ich je geglaubt, dass der durchschnittliche Ostdeutsche nunmal so ist, aber der Anblick war schon SEHR befremdlich. Ich habe leider vergessen, wie das Stadtviertel hieß. Neu-Irgendwas...sollte ich vielleicht mal googlen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh je! Klingt als seist du im übelsten Viertel gelandet. Also die Altstadt war jetzt vor 2 Wochen absolut ok. Als typisch Ossi fielen mir nur die jungen Mütter und die Babys allein vor Supermärkten auf. Keine Nazis.

      Diese Tussis habe ich in Magdeburg auch gesehen, aber es waren weniger als in Berlin-Marzahn (wo ich die Leute überwiegend gruselig finde...aber da geht es nicht um Ossis... Die gleichen gruseligen Leute sind auch im Märkischen Viertel...RTL2-Soziolporno-Protagonisten eben... Natürlich nicht alle, aber die Normalen fallen einem nichtvso auf...

      Als ich das erste Mal in Hamburg war, wollte ich fröhlich nach Mümmelmannsberg fahren, weil das so lustig klang. Der Freund einer Freundin, ein Hamburger, hat mich davon sofort abgebracht mit den Worten 'da fahre ich nicht mal mit dem Auto durch'... Ob die Warnung berechtigt war, weiß ich nicht.

      Löschen
  3. Neu-Olvenstedt war's! Was wär ich bloß ohne Google!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das sieht total gruselig aus bei der Google Bildersuche. Da war ich jedenfalls nicht.

      Löschen