Freitag, 9. Januar 2015

Spontan nach Prag...

Letzte Woche bekam ich eine Nachricht: „Wir sind in Prag. Kommst du her?“. Die Nachricht kam von Freunden aus Moldawien. Wir sehen uns sehr selten, schon allein weil Flüge dorthin nach wie vor nicht wirklich Schnäppchen sind. Die Flugverbindung über Ungarn, die früher noch bezahlbar war, gibt es nicht mehr und Wizz Air fliegt nicht nach Berlin. Wobei ich bei Wizz Air auch unsicher bin. Ist jemand mit denen schon einmal geflogen? Sind sie wie Art EasyJet, nur anders?


Wie dem auch sei... kurz überlegt, einiges organisiert und schon konnte es losgehen. Ein EuroCity der ungarischen Bahn, der Hungaria, stand pünktlich morgen uns kurz vor 7 Uhr am Hauptbahnhof und los ging es nach Prag. Mit dem Tschechien-Special der Bahn kostete die Fahrt pro Strecke 39 Euro. Die Bahn war unglaublich leer. Bis Dresden waren noch einige andere Passagiere in dem Großraumabteil, danach war ich allein. Mit diesen Teppichen an der Decke. So etwas habe ich noch nie gesehen. Der Zug war schon etwas älter, man roch auch ein wenig den Mief der Vergangenheit, was so einem Zug aber eigentlich ganz gut steht. 


Die Bahnfahrt hat mir gefallen. Ab dem Elbsandsteingebirge geht es immer an der Elbe lang. Man sieht die Bastei und den alten Aufzug mit guter Aussicht in Bad Schandau. Eine schöne Gegend. Im Frühling und Sommer sicher noch schöner.

Prag... das letzte Mal war ich dort während einer Klassenfahrt. Immer diese Klassenfahrten nach Tschechien. Ich mochte sie nicht. Man fuhr dann einen Tag nach Prag, den Rest verbrachte man irgendwo im Nichts. Die Fahrten fanden im Winter statt. Es war grau, dunkel, verschneit. Pivo war das einzige mir bekannte tschechische Wort. Bei meinem letzten Prag-Besuch, es dürfte etwa in der 10. Klasse gewesen sein, sahen wir die Burg, wo uns eine Fremdenführerin gefühlt stundenlang volltextete und schwer zu verstehen war. Die Karlsbrücke (mit total genialem Schneemann), den Wenzelsplatz und den dortigen McDonalds. An was man sich so erinnert.

Aber gut, das ist lange her und der Anlass für den Prag-Besuch ein anderer. Winter ist aber schon wieder, angesagt war auch Schnee, der dann aber nicht kam. 


Wir haben die Burg wieder angeschaut, diesmal ohne endlos redende Fremdenführerin. Wir waren natürlich auf der Karlsbrücke. Eher durch einen Zufall sind wir auch auf den Aufsichtsturm oben an der Brücke gestiegen. Dort war eine richtig gute Aussicht. Mir wäre beinahe nicht einmal aufgefallen, dass man da hineingehen kann, die Tür im Turm ist unscheinbar und man sieht sie vor lauter Leuten nicht.

Touristen... wenn man denkt, in Berlin sei es voll, hat man die Massen auf der Karlsbrücke nicht gesehen. Wahnsinn. Ist es im Sommer auch so voll oder gar noch voller?

Am anderen Ende der Karlsbrücke ging es weiter zur schmalsten Straße Prags. Es gibt eine Ampel, die regelt, wann man in welche Richtung gehen darf, denn man kommt nicht aneinander vorbei. Sie schaltet aber wild hin und her und ist ständig im Wechsel rot und grün. Die Ampel ist wohl nötig, damit die Straße als Fluchtweg für ein Restaurant nutzbar ist. Ob das dann funktioniert mit der Ampel? Angeblich soll in der Straße auch schon einmal jemand stecken geblieben sein und mit Seife befreit worden sein. Oha.


Wir schauten uns noch jede Menge kleine und große Seitenstraße an, entdeckten einen russischen Panzer, moderne Einkaufszentren... Der McDonalds am Wenzelsplatz ist immer noch da. Beruhigend, solche Konstanten ;-).

In der Post darf man vieles nicht... Nicht Eis essen, nicht rauchen, keine Waffen...


Mit der Seilbahn ging es den Petrinhügel rauf. Dort oben stand dieser Turm. Da der Aufzug kaputt war und ich ohnehin Höhenangst habe, bin ich nicht hochgeklettert. Es war auch besser so, denn hinterher bekam ich zu hören, dass der ganze Turm im Wind leicht wackelte und selbst, wenn man keine Höhenangst hat, sei es beängstigend gewesen. Und auch ohne den Turm hatte man von dem Hügel eine grandiose Aussicht am Abend.


Und überhaupt kann man abends noch schöne Aussichten genießen. Auf dem Weg zum Hotel:


Das Hotel Archibald City wurde von mir nicht ausgesucht, auch hier war eher das Motto „Komm her, wir sind schon da“. Bezahlt habe ich für eine Übernachtung 48 Euro mit Frühstück. Das Hotel hat 4 Sterne, liegt sehr nah am Zentrum und auch der Bahnhof ist nicht weit. Aber auch das Rotlicht-Viertel oder wie auch immer man es nennen will, ist ziemlich nah.


Das Zimmer in freundlichem Braun gehalten...das trifft nicht jeden Geschmack, aber man kann sagen: Decken und Teppichboden passten zusammen und alles wirkte ziemlich neu. Das Bad war schön, der Boden glänzte und blinkte und alles war sauber. Der Fernseher bot neben ARD auch Kika. Da nehme ich einmal die Kinder nicht mit, schon gibt es Kika... Wlan ist im gesamten Hotel frei. Überhaupt gab es viel freies Wlan in Prag. Kennt man aus Deutschland gar nicht so.

Die Zimmer des Hotels sind allerdings gruselig hellhörig. Aber Straßenlärm war es nicht, denn mein Zimmer ging hinaus in den Innenhof. Aussicht auf eine Wand. Ich bin normalerweise niemand, der wegen jedem Geräusch aufwacht, aber hier war ich ständig wach... duschende Nachbarn, herumlaufende Nachbarn auf dem Flur, stöhnende Nachbarn im Nebenzimmer... Morgens um 7 Uhr ein komisches Geräusch, das klang, als würde jemand Klettverschlüsse öffnen...ritsch...ratsch....ratsch...ritsch... RATSCH...! Was zum Teufel...? Dazu immer wieder ein Staubsauger.

Als ich zum Frühstück ging, sah ich es. Es wurde einerseits der Flur gestaubsaugt, andererseits aber zeitgleich (!) gemalert. Und das Geräusch kam vom Malerkrepp, dass der Mann anklebte, durchriss, ein weiteres Stück anklebte, kurz darauf wieder abzog...ritsch, ratsch, fetz...

Das Frühstück war ein klassisches Hotelfrühstück -alles da, was man erwartet, von Brot bis Joghurt und Müsli. Etwas Obst, aber auch warme Speisen wie Bohnen, mehrere Zentimeter (!) dicke Spiegeleier, Bratkartoffeln und Mini-Würstchen. Mir persönlich war das zu deftig für ein Frühstück, aber nun ja... andere Länder, andere Sitten.

Apropos andere Sitten: ein solches Schild bräuchte man im Prenzlauer Berg auch:

Seid nett zueinander!
Nach noch mehr Sightseeing ging es wieder nach Hause. Mit dem EC172, der bis zum Fahrplanwechsel im Dezember noch Vindobona hieß. Früher fuhr er von Wien nach Hamburg, heute fährt er in Budapest los.

Nach dem Wechsel der Lok in Dresden war es im Großraumabteil dunkel. Komplett dunkel. Keine Ahnung, ob der Strom weg war oder das Licht kaputt. Aber ich fand es gar nicht so schlecht, so konnte man besser rausschauen. Und mein Wagen war der letzte des Zuges und man konnte hinten aus der Glastür aus dem Zug schauen. Das geht beim ICE oder Regio nicht. Ich stand eine ganze Weile dort und habe mich mit einem anderen Fahrgast darüber unterhalten, wie interessant beleuchtete Tunnel aussehen und dass man eigentlich ein youtube-Video davon drehen könnte...;-)

Der Kurzurlaub in Zahlen:
  • 9 Stunden Zug gefahren
  • 31 km gelaufen
  • 14 Geocaches gefunden


Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen