Mittwoch, 21. Januar 2015

Von Gummis und Enten - Besuch im Klärwerk Ruhleben

Nachdem wir wussten, wie das Wasser zu Trinkwasser wird, waren wir auch noch zur Besichtigung im Klärwerk Ruhleben.Und wieder zeigte uns ein Erklärwerker das Werk. Auch diese Führungen werden sonst überwiegend von Schülern besucht, die dazu "gezwungen" werden. Ich erinnere ich mich auch noch an den Besuch im Klärwerk Falkenberg während der Schulzeit. Dieses Klärwerk gibt es nicht mehr.

Blick über Klärbecken und Schlammverbrennungsöfen
Das Klärwerk in Ruhleben ist das größte der Berliner Wasserbetriebe und das einzige, das im Stadtgebiet liegt. Es liegt eher in einem Industriegebiet, nur einen Steinwurf vom Kraftwerk Reuter entfernt und direkt in der Nähe ist eine Art Verschrottungshof mit alten (BGV-)Bussen - eine übrigens etwas skuril wirkende Ansammlung.

Die Anlage wurde nach dem Bau der Mauer gebaut, denn sonst hätte West-Berlin schlichtweg keine Kläranlage mehr gehabt und wäre so von Ost-Berlin immer abhängig gewesen.

Nicht in den Rechen steigen!

Zu Beginn der Führung gab es zunächst einen interessanten Vortrag über das Klärwerk und wie das alles funktioniert. Die wichtigsten Fakten in Kürze (und ganz konkrete Daten und Zahlen gibt es hier):
  • pro Tag werden hier 247.500 Kubikmeter Abwasser gereinigt - bei Starkregen, der ja auch in die Kanalisation fliesst, kann es deutlich mehr sein
  • das Abwasser von 1,1 Millionen Menschen kommt hier an
  • das Wasser verlässt das Klärwerk in Richtung Spree und später daher auch Havel und entspricht dann der Badewasserverordnung, es ist zwar kein Trinkwasser, aber 97 % der Abfallstoffe werden herausgefiltert
  • Berlin ist eine depressive Stadt. Man hört ja immer viel von Östrogenen und anderen Hormonen im Wasser. Aber im Wasser sind in Berlin auch auffallend viele Reste von Antidepressiva und Schmerzmitteln. Es ist aber so wenig, dass es für Menschen wohl irrelavant ist. Im Gegensatz zu Fischen... schüchterne Fische werden durch Antidepressiva sehr wagemutig, was ihre Überlebenschancen schmälert. Also: keine Medikamente in die Toilette kippen.
  • es gibt KEINE Krokodile in den Abwasserkanälen der Stadt
Klärbecken
Im Eingangsbereich des Werkes kann man in einem Regal mehr oder weniger kuriose Gegenstände anschauen, die schon so herausgefiltert wurden. Dinge also, die von irgendjemandem in der Toilette oder im Gully versenkt wurden. Es waren Klassiker dabei wie Plastikfische und Spielzeugautos, aber auch ein Teppichklopfer (??), Decken und sogar ein Schildkrötenpanzer- ich möchte eigentlich besser nicht wissen, ob da etwa jemand eine lebende Schildkröte auf diese Weise in die vermeintliche Freiheit entlassen wollte - so wie den kleinen Nemo...

Und auch das ist kein Schwimmbad
 Die Führung war interessant, aber ich war ganz froh, dass sie nicht so lange ging, wie die durchs Wasserwerk. Denn die olfaktorische Wahrnehmung war, vor allem in den ersten Vorklärbecken, schon heftig. Ich habe in dem Bereich auch kaum Fotos gemacht. Zwar war das, was man dort sieht, interessante Technik, aber ...

Riesige Rechen "kämmen" gleich zu Beginn erst einmal Toilettenpapier aus und außerdem natürlich auch eben alles andere. Man erkannte Gummis in allen Farben.


Es folgten einige Vorklärbecken. Sand wird herausgefiltert, der überwiegend bei Regengüssen in die Kanalisation gespült wird.  Fett wird von der Wasseroberfläche geholt. Kein wirklich schöner Anblick, aber nun ja, ist halt so.

Später übernehmen Bakterien den Job des Klärens in den sogenannten Belebungsbecken. Bei der Führung wurde ein Becher Wasser aus diesem Wasserbecken geholt und etwas gewartet. Man konnte den Bakterien bei ihrer Arbeit zusehen. Das Wasser wurde im oberen Bereich des Bechers immer sauberer.

Am Ende landet das Wasser in weiteren großen Becken. Hier wimmelte es vor Enten und Möwen, die einfach gemütlich herumschwammen.

Möwen-und Entenbadewanne ;-)

Alles in allem: nicht wirklich schön anzusehen, aber interessant. Man macht sich über solche Dinge nie wirklich Gedanken, wo alles landet, was man so wegspült. Und da ist so ein Einblick gar nicht mal schlecht.

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