Mittwoch, 1. April 2015

Von Steinmetzkunst und Lakritze: Ausflug nach Eberswalde

Statt Kindergeburtstagsparty gibt es bei uns mittlerweile Ausflüge - denn ich habe vor zwei Jahren beschlossen, aus dem ganzen Irrsinn, der heute um Kindergeburtstage gemacht wird, auszusteigen. Es gibt nun einfach schöne Ausflüge statt Wohnungszerlegung, Auto-mit-Steinen-zerkratzen, "Mir ist langweilig"-Rufern, Gästen unter Zuckerschock und Miesepetern, deren einziges Ziel das Vermasseln des Tages ist.

Und so hieß es dieses Mal: auf nach Brandenburg, genauer gesagt nach Eberswalde. Die Wahl zwischen Familiengarten und Zoo fiel nicht ganz leicht. Aber nachdem eine Freundin, die Eberswalde gut kennt und auch beide Locations, meinte, der Zoo sei besser und auch kiezneurotiker vom Familiengarten nicht überzeugt war, fiel die Wahl auf den Zoo.

Die Anfahrt ist nicht ganz einfach. Der Weg nach Eberswalde war klar... raus aus Pankow nach Norden, in Hobrechtsfelde über Kopfsteinpflaster und durch Schlaglöcher fahren, am Straßenrand Ruinen und später, noch weiter nördlich, auch Kasernen (?) gesehen. Über uns kreisten Kraniche. Brandenburg...

Aber dann... Eberswalde... Es ist überraschend klein. Wenn man mit dem Zug durch Eberswalde fährt, sieht es größer aus. Schon seit zig Kilometern begrüßte uns ein Schild "Willkommen im Zoo Eberswalde". Aber wo ist dieser verflixte Zoo? Das Navi führte uns auf eine Straße, die eher einem Feldweg glich. Da an der Straße aber ein großes Schild mit der Schrift "Zoo" und einem Pfeil war, sind wir tatsächlich hineingefahren.




Aber dann kam etwas, was uns definitiv aufhielt: ein riesig großer Stein, ein Findling, vermutlich aus der letzten Eiszeit und das mitten auf der Straße dem Weg. Rien ne va plus. Zurück auf Los und noch einmal versuchen. Leicht angesäuert ging es den Feldweg zurück. Schwungvoll raus aus dem Feldweg und tata... Blitz! Da war eine 30er-Zone an Waldweg. Vermutlich zum Schutz der Rehe. Keine Ahnung.

Das Navi ausgemacht und versucht, mit Google Maps diesen Zoo zu finden. Nicht einfach, in einer Gegend, in der es maximal Edge gibt. Es ging schlichtweg nicht. Endlos-Ladeschleife... Die Kinder wurden ungeduldig. Am Ende rettete uns unsere Offline-Karte im GPS-Gerät.

Der Zoo hat zwei Parkplätze, der eine war komplett leer, andere andere mäßig gefüllt. Es war aber auch kein wirkliches Zoo-Wetter. Man könnte auch mit dem Rad herkommen, es stehen sogar Fahrradboxen zur Verfügung. Warum eigentlich? Gibt es so viele Fahrraddiebe?



Was sieht man  in einem Zoo? Tiere natürlich. Es ist hier alles deutlich kleiner und überschaubarer als im Zoo oder Tierpark Berlin. Aber das gefiel mir hier gut. Man hat nicht das Gefühl, man verpasst die Hälfte, weil man sich verirrt hat.

Von den meisten Tieren gibt es keine große Anzahl. Die Störche besetzen derzeit ihr Nest und klapperten mit den Schnäbeln, die Waschbären lieferten sich einen kleinen Kampf auf Klettergerüst, das Tigerbaby ist war sehr niedlich, aber zu hektisch für ein gutes Foto. Dasselbe galt für das hyperaktive Erdmännchen. Der Otter knurrte einen Hund an und das Krokodil zeigte Zähne. Es gibt nur eine Vogelspinne und nicht viele wie im Berliner Tierpark. Und nur wenige Schlangen. Dafür Flughunde, die in Schüsseln sitzen und fressen.

Die Tiere wirken, soweit man das beurteilen kann, recht zufrieden. Man sah keine Tiere, die nervös hin- und herliefen.



Der Zoo macht Werbung für ein weltweit einzigartiges Löwengehege. Man kann dort hineingehen. Natürlich ist man hinter Glas. Das ist sicher spektakulär, wenn die Löwen nicht gerade herumliegen und chillen. Und wenn die Scheiben sauberer wären. Aber gut, vermutlich werden die so oft angegrabbelt, dass es sinnlos ist, hinterherzuputzen.
Aber wie dem auch sei: eine schöne Idee, sollte es öfter und auch bei anderen Tiergehegen geben.



Es gibt drei Spielplätze und zwischendurch auch immer mal ein paar Spielgeräte. Zwei Spielplätze sind explizit erst für Kinder ab 6 Jahren. Dafür sind die aber auch überhaupt nicht langweilig mit großen, schnellen Rutschen und vielen Versteckmöglichkeiten.

Essen gibt es auch... Fastfood wie Pommes, Bratwurst und Currywurst, die anders als zu Hause in Berlin schmeckte, aber ok war.


Was mich aber irritiert hat, war ein leicht morbider Charme der ganzen Anlage. Warum muss man Hinweise auf Steine schreiben, so dass sie aussehen wie Grabsteine? Warum gibt es sogar ein Stein-Memory-Spiel für Kinder, das an sich eine schöne Idee ist, aber auch wirkt, als drehe man Grabsteine?

Und es gibt dann noch dieses Grabmal und obendrein noch den Friedhof der ausgestorbenen Tierarten. Ok, kann man alles machen, letzteres passt auch zu den anderen "lehrreichen", tierschutzbezogenen Plakaten, die man überall im Zoo lesen kann, aber mir waren das eindeutig zu viele Steinmetz-Kunstwerke hier.

Aber ansonsten... ein schöner kleiner Zoo. Die Tiere wirken nicht so "neurotisch" wie in anderen Zoos. Und der Bär, der direkt durch die Fensterscheibe guckte, war toll. Hätte nur nicht eine ganze Horde Schackelines (mit Brandenburger Tricolore auf dem Kopf!) und Ronnys daneben gestanden und gerufen "oh guck mal, die kleine Lakritze..." (?!)


1 Kommentar:

  1. Ich war letztes Jahr im Eberswalder Zoo und mir hat es auch gut gefallen. Ich mochte das waldliche Ambiente und die Holzspielplätze (auch wenn meine Kleine noch zu klein dafür ist) und dass alles irgendwie leicht urig ist. Nur das Streichelgehege mochte meine Kleine nicht, dafür das Affengehege und die Rehe, die man füttern kann, umso mehr.
    Den Schnullerbaum fand ich eine witzige Idee.
    Alles in allem eine gute Alternative zu Berliner Tierpark und Zoo. Die Tiere machen einen halbwegs glücklichen Eindruck, der Zoo war nicht überlaufen und alles ist überschaubar.

    Lotta

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