Dienstag, 12. Mai 2015

Vier Stühle, vier Meinungen... Neulich beim Zahnarzt

Schon vor langer Zeit hatte ich im Fernsehen eine Reportage darüber gesehen, dass man, wenn man zu verschiedenen Zahnärzten geht, vollkommen verschiedene Meinungen hören wird. Ich dachte, das trifft vor allem auf Leute zu, bei denen größere, meinetwegen auch eher ungewöhnlichere Dinge zu machen sind. Ich habe nun, eher unfreiwillig, genau dieses Experiment nachgestellt. Und kam zu erstaunlichen Erkenntnissen.

Vorab gesagt:  "meine" Zahnärztin ist in Elternzeit. Und ihr Kollege war bei der letzten Durchsicht vor ca. einem Jahr ganz ok, aber war auf seine Art sehr nervig. Nachdem er partout nichts fand, wollte er mir mit Engelszungen Prophylaxe anhexen. Da ich weder irgendwelche Probleme habe noch Verfärbungen noch sonstwas, griff er zu einem Argument, das ich nicht widerlegen konnte. Er meinte, ich sei nun über 30 und somit alt. Und sollte deshalb dorthin gehen (und 60 Euro fürs Zähneputzen hinlegen...). Ich war danach dann doch etwas angefressen. Auch wenn 60 Euro noch vergleichsweise billig ist.

Da die Zahnärztin noch immer in Elternzeit ist, habe ich mich für die diesjährige Durchsicht umgeschaut, was es noch so gibt.

Die erste Wahl: eine tolle, moderne Praxis mitten in Mitte. Auf allen Medizin-Bewertungsportalen ganz oben. Beliebtester Zahnarzt Berlins sozusagen. Ganz toll. Also direkt mal online einen Termin ausgemacht und geschaut.
Erster Punkt: der beliebte Zahnarzt, der überall Werbung macht, nimmt gar keine Patienten mehr an. Wenige Minuten nachdem ich online den Termin ausgemacht hatte, bimmelte mein Telefon und man verkündete, dass ich aber zu einer jungen Kollegin gehen könnte. Na warum auch nicht...

Die Kollegin war sehr nett, ist laut Webseite seit einem Jahr Zahnärztin und sie legte sich mächtig ins Zeug...

Sie schaute alles genaustens an. Sofort tönte sie etwas von Karies. Ganz betont sagte sie es der Helferin. Damit man quasi gleich Angst bekommt. Und zwei geschrumpfte Kunststofffüllungen, die man ganz dringend tauschen müsse. Da würde bald sonst schlimmeres passieren.

Die Kasse würde nur Amalgam zahlen, was sie mit einer Wischbewegung, die wohl bedeuten sollte "Das wollen Sie ja sowieso nicht haben", aus der Welt schaffte.

Ein Witz, dass auf dem Kostenvoranschlag hinterher stand, ich sei ausführlich beraten worden und hätte mich gegen die Kassenvariante entschieden...

Kunststofffüllungen könnte sie natürlich machen, aber besser seien noch Inlays. Mit 600 Euro pro Stück natürlich schon teuer, das gab sie zu. Das könnte ich mir ja aber mal überlegen...

Auf dem Weg nach Hause bekam ich dann eine Email. Der Kostenvoranschlag für drei Kunststofffüllungen. 330 Euro. 4,5-facher Satz. Keine Ahnung warum. Vielleicht habe ich sehr komplizierte Zähne?!

Als ich antworte, dass das mein Budget übersteigt, bekomme ich das Angebot, man könne um 50 Euro runtergehen..Aber ich wollte nicht mehr. Aus Angst, dennoch über den Tisch gezogen zu werden.

Nächster Anlauf. Zahnarzt in der Nähe, keine schicke Webseite, keine Bewertungen im Netz, Praxis sehr schlicht.
 Kurze Durchsicht. Also sie sehe da zwei Mal Karies. Schon total schlimm. Ich müsse ja Zahnschmerzen haben. Ganz schlimm. Der Kopf schüttelte wie verrückt.

Und Füllungen müssten getauscht werden. Lustigerweise ganz andere als in der supermodernen Praxis...Und mein Zahnfleisch sei ja in einem schlimmen Zustand. Das gefalle ihr nicht. Komisch. Damit war sonst noch nie was.

Es war eine Zahnärztin, wie die Zahnärzte in meiner Kindheit. Immer mit diesem vorwurfsvollen "Oh Gott, ist das alles schlimm"-Blick. Wie ich das schon immer gehasst habe.

Das Ende vom Lied: ich bräuchte vier Füllungen, zwei davon Erneuerung alter Füllungen. Es hätte eine zuzahlungsfreie Kassenversion gegeben, kein Amalgam, sondern Zement. Kostenpunkt für Kunststofffüllungen: 75 Euro pro Stück. Hinzu käme dann eine dringend nötige Prophylaxe...wegen dem Zahnfleisch... um die 90 Euro sei man dabei. Alles zusammen wären es dann 390 Euro gewesen...

Noch ein Zahnarztbesuch in der Nähe. Ganz kurze Durchsicht. Alles bestens.
DAS kam mir nun spanisch war, da ich der Ansicht war, an der einen Stelle, an der Ärztin 1 und 2 beide etwas gesehen haben, könnte vielleicht schon etwas sein.

Entnervt habe ich beschlossen, doch wieder zu meiner angestammten Zahnarztpraxis zu gehen. Meine Ärztin ist zwar noch immer in Elternzeit, hat aber eine neue Kollegin bekommen. Ich beschloss, der eine Chance zu geben.

Freundliche Begrüßung, Durchsicht mit Röntgenbildern. Es gibt eine (!) kleine (!) Stelle, die gefüllt werden muss. Keine Vorwürfe, eher ein "passiert halt".
Alles andere: bestens, kein einziger undichter Füllungsrand. Sie schaute lange das Röntgenbild an. Nichts. Auch das Zahnfleisch wurde vermessen und nach Taschen gesucht:  auch hier alles gut. Nicht mal Prophylaxe sei nötig, dabei machen sie das in der Praxis sonst sehr gerne und legen es jedem nahe...

Ende vom Lied: 45 Euro für eine kleine Kunststofffüllung. Genug Geld gespart, dass es für einen Kurzurlaub reicht. Und außerdem bin ich heilfroh, dass mir nicht völlig sinnlos diverse Zähne zerbohrt wurden. Denn davon werden die ja auch nicht besser...

Und wenn bei solchen Kleinigkeiten schon so viele Meinungen möglich sind, wie mag das erst sein, wenn mal etwas komplizierteres ansteht?

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen