Mittwoch, 24. Juni 2015

CNL, Thalys und Eurostar - Mit der Bahn nach London...

Es gab eine Zeit, da habe ich die Bahn nicht gemocht. Überhaupt gar nicht. Egal wohin ich wollte, ich habe so lange herumgesucht, bis ich einen preisgünstigen Flug ausfindig gemacht habe. Bahn fahren... davon hatte ich ein Trauma, nachdem ich Mitte der 90er mehrfach die Strecke Frankfurt/Main-Berlin im ICE auf dem Fußboden sitzend verbracht hatte...

Zudem hatte ich immer den Eindruck, die Spar-Preise bekommt man nur, wenn man an dem Tag, an dem die Tickets herausgebracht werden, morgens sofort bucht. Dabei würde dann immer die Webseite zusammenbrechen, so dass es dann doch nix wird mit dem Spar-Ticket. Das hatte zumindest eine Freundin berichtet.

Die Zeiten scheinen sich geändert zu haben. Seit einiger Zeit mag ich die Bahn. Es ist immer so schön leer, man sitzt nicht mehr auf dem Fußboden und Spar-Tickets zu finden ist gar kein Problem mehr.

Die Fahrt nach Prag mit dem EC im Januar hat mir sehr gut gefallen, daher fand ich auch interessant, als ich vom London-Special der Bahn las. Für 59 Euro kann man von Berlin nach London fahren. Mit Stop in Brüssel.

Es ist nicht DIE klassische Berlin-London-Route, die es schon in den 20er Jahren gab - die führte von Berlin über Hoek van Holland /Rotterdam nach Harwich mit einer Fähre und dann nach London. Eventuell mache ich diese Tour ein anderes Mal. Da wir Verwandte in England haben, führen uns unsere Wege ohnehin ab und an dorthin.

Ja, es gibt Flüge, die billiger als 59 Euro sind, aber zum einen findet man die sehr selten, zum anderen landet man mit Glück dann in Heathrow, oder aber in Standsted oder Luton, so dass happige Kosten für den Transfer hinzukommen.
Die Bahn kommt in St.Pancras an, also quasi mittendrin. Das hat mir gut gefallen.

Aber man muss zugeben: die Reise insgesamt dauert ihre Zeit. Daher ging es nach Hause dann mit Germanwings - wo uns dann aber auch auffiel, dass 1:40 Stunden Flugzeit ja ganz kurz sind, aber man eine Stunde mit der Tube nach Heathrow fährt, dort gut 2 Stunden zubringt... insgesamt also doch gut 5 Stunden unterwegs ist...

Da wir einen Stop in Brüssel einlegen wollten, haben wir die verschiedenen Reisebeine (Travel Legs? ;-P) einzeln gebucht. Es ging mit dem Nachtzug von Berlin nach Köln, dann mit dem Thalys von Köln nach Brüssel und schließlich mit dem Eurostar von Brüssel nach London. Wenn man alles einzeln bucht, gibt es Nachtfahrt Berlin-Köln ab 29 Euro, die Fahrt mit Thalys (Köln-Brüssel) ab 19 Euro und die Fahrt mit dem Eurostar (Brüssel- London) mit einer Portion Glück ab 25 Euro. Rechtzeitig buchen ist vor allem bei den letzten beiden Zügen Pflicht. Thalys und Eurostar haben oft spezielle Angebote, eventuell lohnt es sich, den Newsletter zu abonnieren.


Die Fahrt mit dem Nachtzug war meine erste in Europa. Ich habe früher oft die CNL-Züge gesehen, ich glaube, sie standen am Tage in der Nähe des S-Bahnhofs Warschauer Straße. Ich wollte immer gern damit fahren, aber in meinem Kopf war so etwas wie "Es dauert doch Taaaage, bis man ankommt".

Gebucht hatten wir die billigsten Plätze, für 29 Euro sollten es die Ruhesessel sein. Die Reservierung eines Sitzplatzes ist bei Nachtzügen Pflicht, damit niemand auf dem Gang herumliegt. Die Sitzplatzreservierung ist in den 29 Euro schon mit dabei gewesen.

Nachtzugfahren fühlt sich etwas komisch an. Es ging um 0:28 Uhr am Hauptbahnhof in Berlin los. Den ganzen Tag zuvor denkt man "heute Abend fahre ich noch weg". Um 22 Uhr habe ich dann das gemacht, was ich immer abends tue... duschen, abschminken, Nachtcreme auftragen... Aber dann anziehen und zum Bahnhof fahren? Das fühlte sich komisch an.

Der Zug war KEIN CNL mit Ruhesesseln, sondern ein Eurocity. Er hieß Kopernikus und fährt wohl eigentlich auf der Strecke Prag- Amsterdam. Es stand allerdings Duisburg dran, angesagt wurde aber etwas von Amsterdam.


Der Zug hatte Schlafwagen, auf denen dieser schöne große Wagen abgebildet war und "normale" Waggons. Gleich im ersten Waggon waren wir. Es gab keine Ruhesessel, sondern ganz normales Abteil. Wir hatten zu zweit eins für uns allein. Leider konnte man die Sitze nicht vorziehen und eine Liegefläche "bauen", aber man hatte drei Sitze, um sich hinzulegen. Es war etwas schmal, aber ok.

Der Zug war alt. Aber genau deshalb war er toll. Noch ein richtiger Zug...  Man konnte von Waggon zu Waggon laufen und die Fenster öffnen und den Fahrtwind geniessen. Es war dann allerdings sehr laut... Und das Handynetz funktionierte problemlos. Im ICE kann das ja schon problematisch sein.

Der Schaffner erschien binnen kürzester Zeit nach dem Einsteigen und eigentlich hätte man dann schlafen können. Hätte er uns nicht gewarnt und explizit darauf hingewiesen, auf unsere Wertsachen aufzupassen. Vermutlich nur ein allgemeiner Hinweis, aber es hatte zur Folge, dass ich kaum ein Auge zugetan habe. Ab und an bin ich eingenickt, meine Wertsachen fest im Griff unter meiner Jacke, den Kopf auf dem Rucksack...
Bei der nächsten Nachtfahrt investiere ich definitiv ein paar Euro mehr und nehme ein Schlafabteil zum Abschliessen und mit Bett...

Was mir auffiel: Nachtzug fahren scheint etwas für Männer zu sein. Wir haben keine einzige Frau gesehen. Nicht im Gang, nicht in den anderen Abteilen (soweit einsehbar). Komisch. Vermutlich haben die alle die abschließbaren Abteile.

Und immer wieder QUIEEETSCH... helles Licht... ein Bahnhof. In Hannover standen wir satte 45 Minuten. Eigentlich ist dort gar kein Halt, am Richtungsanzeiger stand auch "Zugdurchfahrt". Wir fuhren also 45 Minuten durch... Stehend. In Hannover wurde der EC aus Warschau angekoppelt.


Jedes Mal, wenn ich eingenickt war, wurde es wieder taghell im Abteil. Bahnhöfe sind sehr hell... Hamm... Dortmund... Hagen... und dann endlich: Köln. Da jemand im Zug krank geworden war, wurde ein Notarzt gerufen und die Weiterfahrt sollte sich so verzögern, dass Fahrgäste, die weiterfahren wollten, gebeten wurden, umzusteigen in andere Züge. Aber wir wollten ja ohnehin hinaus.

Nach einigen Stunden in Köln, in denen wir die Altstadt angeschaut haben und natürlich Geocaches suchten, ging es weiter...Mit dem Thalys. In vielen Bahnforen als besonders teurer Zug bezeichnet, was ich aber nicht ganz nachvollziehen kann.


Es gibt Spartickets für 19 Euro, ab 35 Euro kann man schon in der Comfort Class fahren und bekommt da sogar Essen. Auch auf den billigen Plätzen gibt es Steckdosen an jedem Platz (wofür man als Smartphone-Junkie ja immer dankbar ist...) und theoretisch auch Wlan, was auf unserer Fahrt aber ausgefallen war. Als die Durchsage kam, dass das Wlan leider nicht läuft, ging ein hörbares "oooooch" durch den Wagen ;-)



Schon auf dem Bahnhof in Köln stand ein Angestellter des Thalys und wies jedem, der ein Ticket hatte, den Weg zum richtigen Wagen, der auf dem Ticket mit Platzkarte stand. Innen war der Zug schick in Rottönen gehalten. Nicht mehr ganz neu, aber neuer als der EC. Die Comfort 2, also die billige Klasse, bietet keine riesigen Sitzabstand. Aber die Fahrt dauerte ja auch nur 2 Stunden. Wie auch beim ICE merkt man die Geschwindigkeit eigentlich nicht wirklich.

 Nach einem Tag in Brüssel, ging es weiter nach London. Eurostar fahren wollte ich schon immer. So vor 20 Jahren, damals im Englisch-Unterricht, sollten wir immer die Anreisemöglichkeiten herunterbeten, die man hat, wenn man nach London will. Damals war es noch nicht "Ryanair", sondern in der Liste kamen Dingen wie das Hoovercraft (gibt es nicht mehr) und der Eurostar vor. Der Zug, der blitzschnell durch den Eurotunnel saust. Auch der Tunnel war vor 20 Jahren ganz neu.

Man muss einchecken wie am Flughafen und deshalb eine halbe Stunde eher am Bahnhof sein. Die Kontrollen sind auch wie am Flughafen, Koffer werden durchleuchtet, man muss durch das "Tor" mit Metalldetektor (?) laufen. Einzig die Regelungen zum Thema Flüßigkeiten sind nicht streng. Wir kamen mit Wasserflaschen und auch einer Portion belgischer Pommes durch ;-). Auch Passkontrollen wurden hier gemacht, auch die Frage zum Thema "Waren Sie in einem Ebola-Gebiet?" wurde geklärt...

Diese Kontrollen gelten nur für Fahrgäste, die nach London wollen. Wer in Calais oder Lille aussteigt, wird nicht kontrolliert. Wer dort zusteigt, schon. Wer denkt, dann könnte man ja ein Ticket nach Lille kaufen und einfach im Zug sitzen bleiben (und so unerkannt nach Großbritannien gelangen...), kann das vergessen, denn es wird wohl an den Zwischenhalten gezählt... 80% der Züge werden wegen Unstimmigkeiten in London wohl erneut kontrolliert. Wir waren in einem der 20%-Züge...

Das "Channel Terminal" sieht schick aus, es gibt bereits englische Telefonzellen und anderen britischen Schnickschnack, um sich auf die Fahrt einzustimmen. Man muss in einem großen Warteraum Platz nehmen, bis der Zug zum Einstieg bereit ist.


Der Zug... er hatte schon bessere Tage gesehen. Rosta war hier noch zu lesen... es ist da wohl mal etwas ausgetauscht worden. Von innen alles grau in grau, sogar graue Auslegware an der Decke. Alles etwas klaustrophobisch, aber in Ordnung. Die Tickets werden im Zug nicht mehr kontrolliert.

Der Zug ist schnell. Man fährt über plattes Land in Belgien und Frankreich. Erster Eindruck von Calais: "Warum stehen da Männer mit Maschinengewehren am Bahnhof?". Vermutlich ist es die Angst vor Anschlägen im Eurotunnel.

Die Fahrt durch den Tunnel ist, ganz einfach, unspektakulär. Ich hätte mir einen Foto-Stop am Tunnel-Eingang gewünscht. Aber das gab es nicht und so sah man das entsprechende Schild "Euro-Tunnel" nur kurz und schon ging es mit beachtlicher Geschwindigkeit hinein. Wusch... Nur 20 Minuten... Zu unserem Erstaunen hatten unsere Smartphones Netz... Und plötzlich wird es wieder hell und man ist in England.



Nach London war es dann nicht mehr weit. Angekommen sind wir in St.Pancras. Das war klasse, gleich mitten in der Stadt zu sein und nicht erst eine Stunde mit der Tube zu fahren.

Direkt neben St.Pancras ist nicht nur ein zauberhafter Park (Fotos kommen dazu noch), sondern der Bahnhof King´s Cross. Von hier fährt der Hogwarts Express...


Kommentare:

  1. Der Eurostar hatte vor Jahren mal einen Wildunfall, bei dem einiges kaputt gegangen ist am Zug. Deswegen ist das neu gemacht worden..

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    1. Örgs... Ehrlich gesagt standen in Brüssel lauter solche "Hauben" (wie hier erneuert wurde) herum... lackiert für Eurostar und Thalys :-/

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