Donnerstag, 9. Juli 2015

In fremden Betten - erste Erfahrungen mit AirBnB

AirBnB kannte ich schon lange aus der Zeitung. Als die "böse" Seite, bei der Leute privat Wohnungen vermieten. Sie mieten billige Wohnungen in beliebter Lage an und vermieten sie weiter und verdienen das Vielfache der Miete. Die Wohnung ist dann für den Wohnungsmarkt weg. Es gibt solche und ähnliche Szenarien in Berlin und anderen Großstädten, sicher wird da noch viel passieren. Als ich Freunden erzählte, dass ich über AirBnB Unterkünfte gemietet habe, wurde direkt auf mich eingeprasselt, wie böse das doch sei. Nun ja.  Aber darum soll es nicht gehen.

Sondern um die andere Seite - um das Nutzen der Seite auf der Suche nach Unterkünften. Für die Reise nach London brauchten wir natürlich ein Dach über den Kopf. Während unseres Zwischenstops in Brüssel ebenfalls.
Londoner Aussicht

Wer London kennt, weiß: man kann dort viel Geld für schlechte Hotels lassen. Das ruft förmlich nach einer Alternative und die war für uns AirBnB. AirBnB steht für Luftmatratze mit Frühstück ;-). Aber Luftmatratzen wird man in allerseltensten Fällen bekommen.

Es gibt Angebote mit Luftmatratze. Und es gibt Angebote, bei denen man nur das Sofa in einer WG mietet. Das ist dann sehr günstig, aber ist sicher nichts für jeden. Ich liebe ja die Sendung "Auf drei Sofas durch..." auf EinsPlus, bei der es um Couchsurfing geht, aber das wäre mir dann doch nichts.

Aber AirBnB bietet eine große Auswahl an Unterkünften - es gibt Privatzimmer, wo man unter einem Dach mit den Gastgebern wohnt. Es gibt ganze Wohnungen und Häuser, von Leuten, die diese Häuser - warum auch immer-  gerade nicht benötigen, aber auch Hausboote, geodätische Zelte (!), Leuchttürme... wer auf der Suche nach einer ganz besonderen Unterkunft ist, hat gute Chancen, sie dort zu finden. In Dubai gibt es übrigens die Möglichkeit in der berühmten Palme zu nächtigen...

Es macht großen Spaß, durch die Anzeigen zu stöbern. Jedes Angebot sieht anders aus, in jedem Land sieht man schnell die unterschiedlichen Einrichtungsstile. Hotels sehen eigentlich immer gleich aus, Privatwohnungen sind so unterschiedlich wie die Bewohner selbst. Aber man sieht Unterschiede in den Einrichtungsstilen verschiedener Länder. Unterkünfte in Tokio sehen anders aus als Unterkünfte in Oslo und wieder anders als die in Rom...

Es gibt alle Preisklassen bei AirBnB. Die Preise varrieren (genau wie bei Hotels) natürlich auch je nach Zielort. London hatte direkt ein andere Preisniveau als Brüssel. Und natürlich ist es teurer, ein Hausboot zu mieten oder ein Schloss oder ein ehemaliges Schulgebäude.

Aber es gibt überwiegend völlig "normale" Angebote für Unterkünfte und die sind in aller Regel billiger als ein Hotel, teilweise auch billiger als Hostels. Ich werde bei künftigen Reisen immer zum Vergleichen auch AirBnB nutzen.

Wie findet man ein seriöses Angebot? Da jeder mitmachen kann, könnte man theoretisch auch an nicht so nette Zeitgenossen geraten.  AirBnB tut einiges, damit man sich einigermaßen sicher fühlt. Bei der Anmeldung wird einem geraten, seinen Ausweis verifizieren zu lassen. Das geht ganz leicht, man muss ihn lediglich vor die Webcam halten/mit dem Smartphone fotografieren. Das geht ziemlich automatisch. Ja, klar... Daten hin oder her, aber in dem Fall kann ich es schon verstehen. Man lässt schließlich Fremde in die eigenen vier Wände.
Es gibt viele Gastgeber, die nur Gäste annehmen, die sich zuvor  "ausgewiesen" haben.

Es wird auch dazu geraten, ein Foto von sich einzustellen. Auch das erhöht die Chancen, als Gast angenommen zu werden. Dafür sollte man natürlich am besten ein Foto hochladen, dass einen auch selbst zeigt.

Gastgeber haben in aller Regel alle ein Foto von sich hochgeladen und einen verifizierten Ausweis. Je seriöser man sich gibt, umso eher buchen die Leute...

Es gibt die Möglichkeit einer Sofort-Buchung und, was viel verbreiteter ist, die Buchungs-Anfrage. Bei Sofort-Buchungen kann man einfach buchen, wenn am gewünschten Termin noch etwas frei ist. Das machen wohl vor allem Gastgeber, die das alles fast schon professionell aufziehen.

Bei Buchungsanfragen muss man freundlich fragen, ob man das Zimmer/Haus mieten kann. Da ist es dann wirklich gut, wenn man ein Foto und einen Ausweis (und ggf. auch schon positive Bewertungen) vorweisen kann. In ein paar Sätzen sollte man kurz schreiben, wer man ist, was man in der Stadt tut und warum man dieses Angebot buchen will.

Gezahlt wird per Kreditkarte. Sie wird erst belastet, wenn die Buchungsanfrage auch angenommen wurde. Vor Ort zahlt man dann nichts mehr. Das ist angenehm, erspart Überlegungen bezüglich eventueller Trinkgelder oder andere peinlich-berührende Momente, Ärger oder gar Nachverhandlungen. Ich kann mir viele Szenarien vorstellen... (man braucht nur an Ebay denken...).

In den Angeboten steht meist genau drin, was einen erwartet. Und ich kann raten, möglichst genau auf die Bewertungen zu schauen. Ich persönlich würde nur in absoluten Ausnahmefällen buchen, wenn jemand noch keine Bewertungen hat. Vor allem dann nicht, wenn es sich um ein Privatzimmer handelt, man also mit der Person unter einem Dach leben wird. Da wäre ich immer vorsichtig.

Wir hatten in Brüssel und London solche Privatzimmer, unsere Gastgeber hatten jeweils über 50, durchweg positive Bewertungen, in denen es einstimmig hieß "Nett, freundlich, lassen einen in Ruhe".

Anders als in einem Hotel muss man sich bei den "Check-In"-Zeiten an die Gegebenheiten der Gastgeber halten. Unsere Gastgeber in Brüssel gingen bis 17 Uhr arbeiten und daher konnten wir erst um 18 Uhr anreisen. Aber auch Einchecken in ihrer Mittagspause wäre möglich gewesen, aber da waren wir noch nicht dort. In London war der Zeitplan nicht ganz so eng gestrickt, aber auch hier haben wir eine ungefähre Zeit verabredet.
Es soll auch Gastgeber geben, die den Schlüssel an einem vereinbarten Ort verstecken oder Freunde zur Übergabe schicken. Die Varianten sind so vielfältig wie die User der Seite.

Man sollte pünktlich zum verabredeten Zeitpunkt kommen, es wird in der Regel auf einen gewartet. Mir war das erst gar nicht so bewusst, als wir in Brüssel um 18:25 statt 18 Uhr auftauchten. Man war auch nett und freundlich, aber dann ganz flugs weg zum Einkaufen...

Die Ankunft in den Unterkünften scheint immer ähnlich zu sein. Besichtigung des Zimmers, Aushändigen des Schlüssels, sofortiges Zeigen der Wifi-Zugangsdaten ;-). Wir bekamen noch jeweils Details zum Thema "Wie funktioniert die Tür" . Und das war es an Kontakt zu den Gastgebern.

Unsere Zimmer in beiden Städten waren sauber und ordentlich, Handtücher wurden gestellt. In Brüssel haben wir 57 Euro/Nacht gezahlt, in London 70 Euro. Teilt man den Betrag durch 2, weil wir ja zu zweit waren, ist beides günstig.

Das Zimmer in Brüssel war riesig, lag aber eben wirklich direkt in der Wohnung der Gastgeber. Das Bad war nebenan, die seperate Toilette auch. Aber mir war unser Zimmer fast ein wenig "zu nah" an fremden Menschen. Wir hörten ihren Fernseher, wir konnten durch die offene Schlafzimmertür sehen, wir hörten die Mikrowelle und rochen das Essen. Die Türen waren ALLE nicht abschließbar.  Für eine Nacht war das ok, aber länger würde ich das nicht wollen. Ich kam mir vor, als würde ich in die Privatsphäre fremder Menschen eindringen.



Lustig war die Wand im Bad. Sie war mit Tafelfarbe gestrichen und rief dazu auf, sich hier zu verewigen...

In London hatten wir ein kleines Zimmer im Dachgeschoss eines Privathauses. Es wurden dort 3 Zimmer vermietet, das Bad teilte man sich mit den anderen AirBnB-Gästen. Mit den Gastgebern hatte man nicht viel zu tun. Sie leben in den beiden unteren Etagen. Man traf sie immer an. Ihr Wohnzimmer hatten sie mit einem Kleinkinder-Treppengitter abgesperrt. Frei nach Motto "Bis hierhin und nicht weiter" ;-).

Die Gastgeberin hatte an alles gedacht... Adapter für die Steckdose, Kekse, Tee und Wasser... Sachen, die (fast) nichts kosten, aber gastfreundlich sind. Im Bad standen auch Duschgel und andere Produkte zur freien Verwendung. Kühlschrank und Mikrowelle standen im Flur. Genau wie in Brüssel gab es auch hier Reiseführer, U-Bahn-Pläne und mehr.

Das Zimmer in Brüssel sah wirklich aus wie auf den Fotos, in London hatte man bezüglich der Zimmergröße ein wenig fotografisch getrickst. Oder der Eindruck täuschte. Letztlich stimmte das Angebot aber mit den Bildern überein - es war halt nur gut fotografiert.

Wir sahen in London erstmals andere Gäste. Ich kam zu dem Fazit, dass ich mein Zuhause nicht vermieten würde. Oder wenn doch, dann nur per Buchungsanfrage und somit Aussuchen der Gäste. An unserem ersten Morgen fanden wir das Bad in unschönem Zustand vor. Da war jemandem wohl im wahrsten Sinne des Wortes sch***egal, dass er zu Gast ist. Am Abend war es wieder geputzt, dafür hatte dann jemand die gut lesbare Regel "Bitte lasst Eure Sachen nicht im Bad liegen" nicht gelesen - und nun zierten Zahnpasta, Duschgel und mehr den Waschbeckenrand...
Am Morgen stand die Haustür offen - dabei wurde einem bei der Anreise als allererstes gesagt, man soll genau darauf achten...Und man sollte die Tür aber auch nicht zuwerfen, sonst fallen die Fensterscheiben raus... Eigentlich einfache Regeln.

Nach der Reise kommt das Bewerten. Der Gast bewertet die Unterkunft, der Gastgeber die Gäste. Wenn der eine seine Bewertung abgegeben hat, kann der andere Part sie erst dann lesen, wenn auch er bewertet hat. Das finde ich gut. Denn das beugt Rachebewertungen wie bei Ebay vor und animiert auch zum Bewerten, . Denn man will ja wissen, wie die anderen einen bewertet haben. Ich war zugegebenermaßen ein wenig aufgeregt, als ich per Email über meine erste Bewertung informiert wurde, denn man fühlt sich, als würde man als Person bewertet.
Aber unsere erste Bewertung liest sich sehr gut, wir waren gute Gäste, die ruhig, diskret und respektvoll waren. Na dann :-)

Unser Fazit: Ich würde jederzeit wieder über AirBnB buchen. Es kann deutlich günstiger sein als ein Hotel, es ist wesentlich persönlicher und netter, aber eben teilweise auch recht privat.

Falls Ihr Euch bei AirBnB anmeldet wollt, meldet Euch ruhig vorher bei mir. Wenn man eingeladen wird, bekommt man einen Gutschein über 22 Euro für die erste Buchung.

1 Kommentar:

  1. Ich fand es sehr interessant, was Du über den Check-in Prozess und die damit verbundenen "Probleme" geschrieben hast. Ich habe selber auch zahlreiche Erfahrungen mit airbnb gemacht und es war nicht immer einfach, eine konkrete Zeit zur Schlüsselübergabe abzumachen, die für beide Seiten gepasst hat. Als ich dazu mal ein bisschen gegoogelt habe, und so auch auf Deinen Blog gestoßen bin, habe ich dann gesehen, dass es mittlerweile schon ein paar Ideen gibt, dieses Problem zu lösen, unter anderem www.welcomewendy.de in Düsseldorf und www.tadellos.org in Wien. Gute Idee finde ich.

    AntwortenLöschen