Montag, 21. September 2015

Ausflug: mit dem Flixbus nach Neustrelitz

Eigentlich fahre ich durchaus gerne Bahn. Die neuen Fernbusse sind mir etwas suspekt. Zum einen habe ich immer Angst, im Stau zu landen und stundenlang gefangen zu sein - die Wahrscheinlichkeit erscheint mir deutlich höher als das Stranden mit einem Zug. Zum anderen sind die Preise teilweise so niedrig, dass es mir komisch vorkommt.

 Aber auf einem Straßenfest bekam ich ein paar Flixbus-Gutscheine und die habe ich nun auch eingelöst. Ich entschied mich fürs Ausprobieren für die kürzeste Fahrt ab Berlin - und so ging es ab Alt-Tegel nach Neustrelitz.

Zunächst einmal freute ich mich, dass ich nicht bis zum ZOB fahren musste. Alt-Tegel ist von uns aus viel leichter zu erreichen. Aber wo hält da eigentlich der Fernbus? Einfach so, mittendrin, könnte man es am besten beschreiben. Er hält nicht am U-Bahnhof Alt-Tegel, wo auch jede Menge BVG-Busse ankommen, sondern ein Stück weiter gegenüber von der Humboldt-Bibliothek. Da steht ein ganz unscheinbares Bushaltestellenschild von Berlinienbus und der Bus hält dann kurz in zweiter Reihe neben den parkenden Autos. Da wird nicht lange gewartet. Reinhüpfen und ab geht die Post.


Ich hätte die Haltestelle übersehen, hätte nicht bei meiner Ankunft dort ein Bus nach Hamburg gehalten. Der freundliche Busfahrer erklärte mir, ich soll mich kurz gedulden, der Bus nach Neustrelitz komme gleich. Na denn...

Und pünktlich auf die Minute erschien er auch. Eine Frau, die ebenfalls aus den Bus wartete, erzählte mir, dass sie die Strecke oft nutzt. Es sei ja, ich zitiere "völliger Irrsinn, die Bahn zu nehmen, bei diesen Bus-Preisen". Das Fahren sei sehr angenehm und der Bus nie voll. Diesbezüglich hatte ich nämlich Bedenken - dass der Bus schon gut gefüllt ankommen wird...bei den Preisen.

Der Bus war tatsächlich ziemlich leer. Es war so viel Platz, dass jeder einen freien Nachbarplatz hatte. Es blieben auch Reihen frei. Der Bus fährt täglich von Leipzig über Berlin nach Ludmin und hält eben unter anderem in Neustrelitz.Und nachmittags fährt er wieder zurück.

WLAN im Bus? Gibt es in manchen Fernbussen. Hier nicht. Laut Webseite von Flixbus gibt es WLAN nur in den eigenen Bussen, "mein" Bus gehörte aber einem Bus-Unternehmen, das für Flixbus fährt. Snacks wurden auch nicht verkauft, aber die hat auch niemand vermisst. Vielleicht hätte man auf Nachfrage etwas bekommen.
Es gab, so weit ich es sehen konnte, einen Sitzplatz mit Steckdose. Der war natürlich auf beiden Fahrten besetzt. Also: fürs Smartphone lieber eine eigene Powerbank in der Tasche haben und nicht darauf verlassen, dass es Steckdosen gibt.


Beinfreiheit war ok, zumal man sich ja eben ausbreiten konnte im leeren Bus. Die Fahrt war auch nicht lang. Ich würde ungern in einem Bus sehr weite Strecken fahren, da ziehe ich  weiterhin den Zug vor, aber für diese Strecke war es ok. Wir fuhren auch kaum auf der Autobahn, sondern immer die B96 rauf.

Auf dem Hin-und Rückweg waren dieselben Busfahrer unterwegs, sie waren zu zweit und wechseln sich dann wohl ab.

Was es gekostet hat? Regulär kostet eine Fahrt von Berlin nach Neustrelitz 6 Euro, zurück noch einmal 6 Euro. Ich hatte Gutscheine und bin für 1 Euro hin und 3 Euro zurück gefahren.  Da war die Busfahrt mit der BVG nach Alt-Tegel und wieder nach Hause teurer... Eigentlich hätte ich gern noch mein Fahrrad mitgenommen, aber der Transport eines Fahrrades ist tatsächlich teurer als eine Fahrkarte selbst (9 Euro/Strecke) und ich war unsicher, ob wirklich jeder Bus ein Rad transportieren kann.

 Und Neustrelitz? Ich war dort zuvor noch nie. Ich kenne es vom Hörensagen. Entfernte Verwandtschaft meines Großonkels wohnt(e?) dort. Aber selbst war ich noch nie dort gewesen.

Der Bus kommt direkt am Bahnhofsvorplatz an. So gesehen kommt man mit Bahn und Bus an exakt der gleichen Stelle an.  Viele Schilder prangen einem entgegen "Neustrelitz erleben!". Es sei das Tor zur Mecklenburgischen Seenplatte. Das klingt gut. Der erste Impuls in meinem Kopf "Gebt mir ein Kanu!".



Ich habe mich durch die Fußgängerzone zum "Stadtkern" begegeben, hier und da ein paar Schlenker zu den beiden Seen der Stadt, dem Zierker und dem deutlich kleineren Glamecker See, gemacht - landschaftlich wirklich sehr schön. Man kann am Zierker See Boote mieten oder Dampfer fahren. An den Seen stehen teuer aussehende Häuser und weitere sind im Bau. Am Hafen liegt eine kleine Insel namens Helgoland.

Der Hafen ist schön, der Stadtkern auch. Man sieht, hier ist viel Geld geflossen in den Aufbau der Landschaften. Der Schlosspark hat sich ebenfalls herausgeputzt und putzt sich noch weiter in Form von Baustellen.



Es gibt aber auch leerstehende Gebäude, gar nicht mal so wenige. Einige waren mal schick und mit viel Geld könnte man die vermutlich auch wieder sehr schmuck aussehen lassen, andere Lost Places sind eher schlicht. Bei Immobilienscout24 kann man eine ehemalige Schule in Neustrelitz kaufen... wer braucht aber schon über 20 Zimmer mit vergitterten Fenstern?

Etwas zu essen zu finden, ist gar nicht so einfach. Der Subway, der am Bahnhof Werbung macht, war unauffindbar, sonst überall nur Restaurants und ein Eisladen. Aber irgendwann fand ich einen Imbiss.
  
In einem Laden kaufte ich aus Spaß ein paar Postkarten, um sie von meinem phänomenalen Ausflug nach Hause zu schicken ;-). Es gab neue Karten, aber auch noch welche aus der DDR. Die mit den Fotos auf braunem Hintergrund auf dünnem Karton. Viele Touristen kommen hier wohl nicht her?

Ich habe nur wenige Menschen gesehen. Ein paar Leute saßen in der Sonne am Hafen. Sonst... weit und breit niemand. Im "Stadtwald" hinter dem Schlosspark bekam ich leichte Panik, weil so absolut nirgendwo irgendjemand zu sehen war. Kein Jogger, niemand mit Hund. Niemand.

Am Ende hat es mich noch in Plattenbaugebiet verschlagen. Das sah aus wie überall. Sogar die paar Bewohner, die man so sah, sahen aus wie in den Plattenbaugebieten in Berlin oder in Leipzig oder in Magdeburg.

Alles in allem: hm, es ist eine schöne Kleinstadt. Aber die Stadt allein zu besuchen, lohnt sich eher nicht. Man hat nach 4-5 Stunden definitiv jeden Winkel inklusive des örtlichen Netto-Marktes gesehen.


Aber ich werde dennoch noch einmal wiederkommen. Dann aber mit der Bahn, denn da kann ich mit Rad einfacher und günstiger mitnehmen. Ich möchte noch einmal in den Wald, das dann aber nicht allein und nicht zu Fuß. Und ich würde immer noch gerne Kanu fahren.

Der Ausflug in Zahlen:
2x 1,5 Stunden Bus gefahren
12 km gelaufen
15 Geocaches gefunden (an die Geocacher unter den Lesern: Neustrelitz ist voller fies versteckter Caches, an denen man Stunden zubringen kann - und im Versteck am See sitzt eine Ringelnatter!)

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