Donnerstag, 3. September 2015

Urlaub auf der Baustelle - Świnoujście im August

Ja, es war etwas ruhig die letzten Wochen... unter anderem weil wir im Urlaub waren...

Schon seit einigen Jahren überlege ich jeden Sommer, ob wir nicht mal an die polnische Ostsee fahren sollten. Die Argumente dafür:
  • es ist nicht weit weg und somit mit dem Auto erreichbar
  • man kann das Gepäck bequem ins Auto packen und man braucht vor Ort dann auch keinen Mietwagen
  • es gibt das Meer und den Strand und das kilomterlang, ohne ungesicherte Klippen oder giftige Tiere oder Sandflöhe
  • mit Glück kann man Bernstein finden
  • es gibt keine fiesen Feuerquallen, die mir in Süditalien ein wenig den Urlaubsspaß verhagelt haben

Nur wohin könnte man fahren, wenn man an die polnische Ostsee möchte? Eine frühere Komilitonin, die aus Krakau kommt, meinte einfach, es sei überall schön. Hm. Eigentlich hatte ich überlegt, in die Gegend um Danzig zu fahren. Dorthin könnte man sogar mit dem Zug fahren, mit dem Berlin-Danzig-Express. Das hätte gern gemacht, aber die Fahrt ist lang und zu relativ ungünstigen Zeiten. Man kommt spät am Abend an.
Die nächste Idee war Kolberg, davon hatten wir schon viel gehört, aber nach Lesen diverser Berichte war ich unsicher, ob der Ort nicht eventuell ein Freiluft-Altenheim ist (falls da jemand Erfahrung hat, bitte melden!).

Windmühlenleuchtturm

Also ging es nach Swinemünde, auf polnisch Świnoujście (inzwischen kann ich es sogar aussprechen :-)), also auf die polnische Seite von Usedom. Keine 200 km von Berlin entfernt, ein entspannte, relativ kurze Autofahrt ohne großartige Langeweile. Man könnte auch mit dem Zug von Berlin nach Stettin anreisen und dann mit einem Boot übers Stettiner Haff fahren. Es ist etwas unklar, ob dieses Tragflächenboot derzeit wirklich fährt, da der Besitzer gewechselt hat. Ein spannender Anreiseweg ist das aber. Wir fuhren dennnoch lieber Auto.

Nachts an der Promenade


Vorbei kamen wir in Schwedt, wo man gerade dabei war, den Himmel anzuzünden:

Fackel in Schwedt

Zugegeben, wir waren, wie immer, mit dem Buchen des Urlaubs spät dran. Ich bin kein Freund von Reisen, die man ein Jahr im Vorraus bucht. Weiß ich, was in einem Jahr ist? Vielleicht will ich dann ganz woanders hin. Ich buche gerne spontan, wenn auch mit Kindern nicht mehr wie früher Super-Last-Minute ;-).  Da wir auf die Ferien angewiesen sind, war die Hotelauswahl eher klein.

Unsere Wahl fiel auf das Baltic Park Molo Apartments. Sah gut aus bei Expedia und der Preis war auch günstig (bei der Buchung waren es 450 Euro, beim Zahlen vor Ort sank der Preis auf unter 350 Euro, weil Kind 2 jünger als 5 Jahre ist). Die Bilder des Hotels sahen schon alle etwas unecht aus als wir im Juni für August buchten. Und versprochen wurde "building-site view". "Heißt das nicht Baustelle?" dachte ich noch, verwarf den Gedanken aber sofort. Denn welches Hotel macht denn mit so einer Aussicht quasi Werbung? Ich dachte an einen Übersetzungsfehler, es wird schon nur eine Gebäudeseite gemeint sein...

Was willst du?

Eine Freundin wies mich darauf hin, dass das Hotel ja ganz neu sei. Ah, deshalb gab es keine Bewertungen. Und die Facebook-Seite des Hotels zeigte Baukräne, Menschen mit Helmen...und dass die ersten Gäste im Juli anreisen würden. Oha.

Und es wurde nicht zu viel versprochen, unser Zimmer hatte... Baustellen-Sicht. Die Kinder fanden es großartig, mein Mann war auch begeistert von den Kränen, Baggern und Betonpumpen. Unterhaltsam war es. Dass es aber an zwei Tagen bis Mitternacht ging, weil Beton verteilt werden musste, war dann eher nicht so schön. Die erste Nacht wieder daheim in Berlin habe ich vom monotonen Brummen der Betonpumpe geträumt.

Vom Bett aus konnte man die Baustelle sehen ;-)
Es waren erst wenige Zimmer fertig in einem Bereich des (bald recht großen) Hotelkomplexes. Der größere Teil ist noch eine große Baustelle. Es fehlt daher auch noch an Infrastruktur. Die Rezeption ist in einem Container, das Zimmermädchen erscheint auf Nachfrage und es gibt (noch?) kein Restaurant. Die Zimmer, Flure und der echt coole Aufzug waren aber fertig.

Alles ein wenig im Seventies-Style, viel von Ikea, aber trotzdem sehr schön und alles roch noch ganz frisch und neu. Im Zimmer fanden wir einen Zettel, auf dem stand, wir seien die erste Gäste.

Wohnzimmer


Ein paar Probleme gab es noch...der Smart-TV bot zwar alle erdenklichen Programme, aber leider mit Klötzchengrafik und einem so nervig schnalzenden Geräusch, dass man ihn nicht nutzen konnte. Der Hausmeister schuf nach drei Tagen Abhilfe.

Das WLAN blieb leider langsam. Unfassbar langsam, aber dafür gratis. Da ich es nur genutzt habe, um ab und an mal Bilder zu verschicken, hat es gereicht. Arbeiten könnte man so vermutlich nicht.

Ist das rote ein Lutscher mit Bonbon-"Ohren"?
 Aber wir waren ja dort, um Urlaub zu machen. Die Lage des Hotels war super, genau zwischen Strand und Promenade, besser geht es wohl nicht. Mangels Hotelrestaurant kennen wir nun jede Menge Restaurants entlang der Strandpromenade. Die Zusammenfassung dazu:

  • ab 9 Uhr kann man in wenigen Cafés an der (ohnehin schöneren) Ostseite der Promenade Frühstück bekommen, es gibt nicht nur leckere Pfannkuchen, sondern auch Kakao von der Konsistenz eines flüssigen, warmen Schokoladenpuddings
  • es gibt gefühlte 20 Stände mit Eis und Waffeln - das ist auf den ersten Blick komisch, aber sorgt dafür, dass man nirgendwo lange anstehen muss
  • ab 19 Uhr wird es in den Restaurants sehr voll
  • es gibt überall frischen Fish 
  • fast alle Kellner sprechen gut Deutsch, ich habe mich einmal ziemlich blamiert, als ich erst mit den Kindern auf Deutsch über das Eisangebot diskutierte und den Eisverkäufer dann auf Englisch fragte, ob er Englisch oder Deutsch kann - er antwortete natürlich sofort passend, er hatte ja die ganze Diskussion verfolgen können ;-)
  • man kann überall mit Euro zahlen und der Wechselkurs ist in Ordnung, Geldumtauschen lohnt sich nicht
  • die Preise sind niedriger als auf der deutschen Seite von Usedom
  • Kinder scheinen überall willkommen zu sein, Stifte und Ausmalbilder gab es nahezu überall und müssen nicht mitgebracht werden
Niedlicher Pfannkuchen
Auf der Promenade ist vormittags so gut wie nichts los, aber nachmittags wird es voller und abends steppt der Bär. Dann ist es mehr als voll, überall versperren Straßenkünstler samt ihrem Publikum den Weg.

Lego-Mauerfall
Es gibt erstaunlich viele Angebote für Kinder auf der Promenade. Wenig pädagogisch wertvolles, wie es manche Mutter aus dem Prenzlauer Berg wohl wünschen würde. Eher viel spaßiges wie eine Lego-Ausstellung, eine im Kreis fahrende Bimmelbahn, Seifenblasen-Schnüre stehen herum, man kann auf Einhörnern reiten (!!!). Segway fahren geht auch für Zehnjährige.

Mieteinhörner und ihre Verwandten

Der Strand ist schön und wie wohl überall an der Ostsee hell und feinsandig, hier und da ein paar Quallen. Wir haben akribisch alle ins Meer zurückgeworfen, damit sie nicht austrocknen ;-) Es gibt eine anscheinend beliebte KiteSurf-Schule mit entsprechend vieles Kites (?) am Himmel bei windigem Wetter.
Kite-Surfer am Abend


Man kann am Strand herumwandern bis zur Hafeneinfahrt (und dort den Fähren und Segelbooten winken) oder man kann in die westliche Richtung am Strand entlangwandern, an der Grenze vorbei und schon steht man in Ahlbeck. In Ahlbeck waren wir nur kurz. Wir haben die Sandskulpturen angesehen (an einigen war schon etwas Unkraut ;-)) und waren auf und unter der Seebrücke.

Fähre nach Schweden oder Dänemark
Waldgebiete gibt es natürlich auch, wir haben uns unter anderem so eine Art Osterinsel-Figuren (??) und Ruinenreste angeschaut. Sie sahen aus wie ehemalige Bunkeranlagen. Was es wirklich war, weiß ich nicht. Aber es gibt dort eine unglaubliche Anzahl an Zecken. Antibrumm ist hier Pflicht.

Bunkerreste?

Osterinsel?!
Auf dem Weg nach Ahlbeck kommt man an einem klassischen Polenmarkt entlang. Wir waren nicht dort, da wir weder Zigaretten brauchten noch geflochtene Einkaufskörbchen. Ich war erstaunt, dass es die noch gibt. Ich habe sie gefühlt seit 25 Jahren nicht mehr gesehen.

Hm...was gab es sonst noch? Möwen.


Quallen.



Und auf dem Heimweg: Ein Storch und Otterwechsel!


Kommentare:

  1. Was ´n Zufall ... Bin vorhin irgendwie nochmal auf Deine Geschichte vom "BLUB" (dem Bad) gestolpert und denk mir so, - ja, wo stecken die wohl?

    Fein, fein ... :-)!

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    1. Ich hatte schon geahnt, dass ich vermisst werde :-). Keine Sorge, die Ferien brachten viel Stoff zum Bloggen. Ich muss noch die vielen Fotos sichten. :-)

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  2. Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.

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