Sonntag, 6. Dezember 2015

Seetang im Advent

Eigentlich hatte ich nach etwas völlig anderem gesucht, als Google mir vorgestern zufällig einen Japanischen Weihnachtsmarkt anzeigte, der jedes Jahr am 2.Advent stattfindet. Was es nicht alles gibt. Eigentlich hatte ich beschlossen, dieses Jahr keinen Weihnachtsmarkt zu besuchen. Letztes Jahr haben wir in Spandau auf dem Weihnachtsmarkt soooo gefroren. Zudem erzählte mein Sohn noch Wochen später allen von den armen Spanferkelchen, die wir auf dem - ansonsten wirklich schönen Spandauer Weihnachtsmarkt- gesehen haben.


Aber "japanischer Weihnachtsmarkt" klang nun doch interessant genug, um die Familie ins Auto zu packen und loszudüsen. Unterwegs wollten die Kinder zwar bereits am Alexa aussteigen ("Da ist ein Weihnachtsmarkt und wir wollten doch auf einen!"), aber es ging nach Treptow.

Der japanische Weihnachtsmarkt fand in der Arena statt - damit war schonmal klar - es ist egal, ob es kalt ist, denn es ist ja drinnen. An beiden Tagen dieses Wochenendes jeweils ab 12 Uhr war der Markt geöffnet. Der frühe Wurm konnte mit Glück einen Parkplatz erhaschen und die Warteschlange war bei unserer Ankunft auch noch moderate ca. 30 m lang. Als wir 2 Stunden später gingen, war sie drei Mal so lang. Der Einlass war aber gut organisiert, mehrere Leute kassierten die 3 Euro Eintritt (Kinder unter 12 waren frei) und so ging es schnell hinein in die Arena.

Da drinnen war es etwas dunkel, keine Weihnachtsmusik, kein Tannengrün. Vom Flair und den Farben eher ein wenig wie eine Techno-Party, nur leiser. Aber das war völlig ok. Wir wollten ja keinen Glühwein und Helene Fischer.

Am Einlass erwartete einen dieser Weihnachtsdrache:



Für Kinder gab es Sumo-Ringen (!!!) und eine völlig leere Bastelecke. Man konnte sich auch das Gesicht anmalen lassen-  und das nicht so langweilig wie auf jeder Kirmes, sondern richtig hübsch. Sumo-Ringen sollte 5 Euro kosten, Schminken 3 Euro. Es war dort ziemlich leer, die Anzahl an Kindern dem Markt war überschaubar. Die Zahl der Hipster auf dem Markt dagegen endlos. Diese Zielgruppe hatte ich auch vermutet.


An den relativ wenigen Marktständen wurde allerlei japanisches Kunsthandwerk verkauft, aber auch quietschbuntes Manga-"Zubehör", Hello Kitty und nicht jugendfreie Manga-Comic-Bilder (wie auch immer sie offiziell heißen mögen). Die Preise waren recht hoch und es wurde für meinen Geschmack etwas wenig Vielfalt geboten. Bilder, Stempel und Fotos gab es massenhaft, ab und an auch mal quietschbunte Kleidung, aber wenig anderes. Dabei hatte ich gehofft, vielleicht ein ausgefallenes Weihnachtsgeschenk zu finden. Die Preise waren recht hoch, man überlegt sich 2x, ob man irgendetwas nun kauft, nur weil es ziemlich cool und ungewöhnlich aussieht. Bei manchen Dingen wusste ich auch einfach nicht im Ansatz, was das sein könnte.

Theoretisch wurden auch Workshops angeboten, im Internet stand etwas von Kanji-Workshops für maximal 6 Personen pro Workshop. Ich habe nichts dergleichen gesehen, aber das könnte daran gelegen haben, dass es sehr voll war und man manches nicht sah (geschweige denn, eine Chance auf einen dieser 6 Plätze gehabt hätte).

An den diversen Ständen für Essen muss es Gutes gegeben haben. Die Leute standen zig Meter lang in den Schlangen, ich schätze, man dürfte wohl so eine Stunde gewartet haben. Immerhin war der Stand mit den Hot Dogs relativ leer und so hatten wir: Wasabi-Hot Dog und Hot Dog mit Kimchi (?) und Seetang. Kostenpunkt pro Hot Dog: 5,50 Euro. Ohne Getränk.


Was es an den anderen Ständen an Essen gab, konnten wir nicht wirklich sehen. Es war zu voll. Zudem war alles mit Worten zugepflastert, die wir nicht verstanden. Selbst am Hot Dog-Stand musste ich mir erläutern lassen, was da bitte auf dem Schild steht in einer Deutsch-Englisch-Japanisch-Mischung, dazu in einer nicht wirklich lesbaren, aber sehr hip aussehenden Schrift, die fast auch als Grafitti-Tag durchgegangen wäre...

Überhaupt hatte ich den Eindruck, dass das alles eher etwas für Eingeweihte ist. Wir haben an vielen Ständen, egal, ob Verkaufs- oder Essensstand nicht verstanden, was das angebotene eigentlich ist. Ein paar Erläuterungen hätte ich gut gefunden. Zumal fragen echt schwierig gewesen wäre bei dem Ansturm.

Diese Stofftierchen von einem Künstler waren übrigens für gut 1000 Euro (!) haben.


Alles in allem: es war interessant. Ich hätte gern etwas anderes als den Hot Dog gegessen, aber dafür war es einfach zu voll. Ich hätte auch gern etwas gekauft, aber das Angebot war etwas gering, sehr hochpreisig, die Stände ebenfalls voll und teilweise war das Angebot völlig unverständlich.  Wiederholungsfaktor: ungewiss.


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