Donnerstag, 7. Januar 2016

Ausflug: Stadtbad Lankwitz

Was macht man zwischen den Feiertagen, wenn alle die Stadt verlassen und man gelangweilt herumhängt, die Kinder Stubenkoller bekommen und fragen, warum eigentlich aaaaallle weggefahren sind? Dann macht man halt Ausflüge. Und testet mal wieder ein Schwimmbad. Diesmal haben wir uns auf den Weg zum Stadtbad Lankwitz gemacht.


Es ist eines von drei offiziellen Spaßbädern der Bäderbetriebe. Das Stadtbad Schöneberg (wirklich toll!) und das Bad am Spreewaldplatz (besser als erwartet) kennen wir schon, uns fehlte nur noch dieses Bad.

Die Bewertungen im Internet waren unterschiedlich... von "alt, schrecklich, überfüllt" bis "total super" war alles dabei. Viele Schränke seien kaputt, das Personal unfreundlich, aber die Rutsche super. Hm.
Also sind wir hin und haben uns mal überraschen lassen.

Das Bad liegt, wie man sich denken kann, in Lankwitz und zwar in der Leonorenstraße. Deshalb nennt man es auch Leonorenbad. Direkt dahinter liegt die Eisbahn Lankwitz. Beide Locations teilen sich einen Parkplatz, der übrigens nicht gratis ist und wo auch ständig geschaut wurde, ob auch bezahlt wurde (eine Schranke o.ä. gibt es aber nicht). Der Platz ist zudem auch relativ klein. Am besten reist man also einfach mit der S-Bahn oder der BVG an.

Der erste Eindruck von außen: sehr unscheinbar. Sehr sehr unscheinbar. Hätten da nicht die zerfetzten Bäderbetriebs-Fahnen im Wind gehangen - wir hätten es nicht gesehen. Das Schild sieht alt aus, das Gebäude auch. Aber das fällt mir oft auf im Süden der Stadt. Je weiter man in den Süden kommt, umso älter wirkt alles. Das ist nicht schlecht, nur ungewohnt. Mal angenehm anders im Vergleich zum Prenzlauer Berg, Kreuzkölln oder Mitte (oder jetzt bald auch in Lichtenberg, das soll ja der neue Trendbezirk sein...!). In Kladow gibt es übrigens sogar noch Filterkaffee und Dauerwellen bei Frauen unter 80!
Aber ich schweife ab... zurück nach Lankwitz...

An der Kasse zahlt man zum regulären Eintritt 2 Euro Warmbade-Aufschlag pro Person, also Erwachsene sind mit 7,50 und Kinder mit 5,50 Euro dabei. Familienkarten gibt es natürlich, Rabatt mit Familienpass, Ferienpass (wenn Ferien sind...) natürlich auch. Kurzum: die Preise sind wie überall bei den Berliner Bäderbetrieben zuzüglich 2 Euro Warmbadezuschlag.

Die Wertsachen haben wir direkt am Eingang in die Wertschließfächer neben der Kasse eingeschlossen. Falls man ins Bistro möchte, sollte man aber noch Geld mit in die Umkleide nehmen. Sonst läuft man bei Hunger einmal bis komplett durch das ganze Bad inklusive Umkleiden zu den Schließfächern und das dann im Badedress...
Es gibt keine Möglichkeit, mit dem Schrankbändchen zu zahlen oder solchen Schnickschnack, den man aus Freizeitbädern in der Provinz in Brandenburg kennt.

Angst vor Schuhdieben hat man in Lankwitz ganz offensicht nicht. Denn direkt vor Beginn des Umkleidebereichs stehen regalweise Schuhe. Komisch. Habe ich so in noch keinem Bad gesehen. So etwas kenne ich nur aus Krabbelgruppen. Oder von indischen Tempeln. Aber im Schwimmbad? Wir outeten uns mal als "wir sind nicht von hier" und nahmen unser Schuhwerk mit. Weniger aus Angst vor Dieben, eher aus Angst, dass unsere Winterschuhe aussehen wie die von allen anderen und es zu Verwechslungen kommt..

Die Umkleidekabinen sind erstmal nicht leicht zu finden. Ein laaanger Gang und überall "Herren", "Herren" und nochmals "Herren". Aber dann, es gibt doch Umkleiden für Frauen... Die Kabinen sind groß und gleichzeitig (!) der Schrank. Mit anderen Worten, es gibt keine Kabine mit Mini-Schrank gegenüber, sondern einfach nur Umkleidekabinen und die kann man dann mit einer Münze abschließen.
Einerseits: praktisch, kann man seinen Kram einfach so stehen lassen, Tür zu - fertig. Oben auf der Kabine ist ein Gitter, damit kein Dieb kommen kann. Meine Kinder meinten, mit einer Angel ginge es bestimmt trotzdem - denke ich eher nicht ;-). Aber die Kabinen haben unten eine ordentlich breite Öffnung. Da passt eigentlich auch keiner durch, aber irgendwie war mir doch lieber, dass Telefon, Geld etc. im Wertschrank waren.

Die Duschen heißen hier noch Brausen und sind Gemeinsschaftsduschen wie überall. Sie sind nicht so altmodisch wie das Wort Brause annehmen lässt, aber es gibt keinen Schnickschnack wie "Babysitze", wie es sie in der SSE Halle an der Landsberger Allee  gibt. Damit Mütter duschen können, während der Nachwuchs (hoffentlich) entspannt in einer Art Hochstuhl sitzt und nicht stiften geht (und ausrutscht, sich eine Beule zuzieht, das Bad zusammenschreit etc.pp....). Braucht Gut, so einen Sitz braucht man ja auch eher nicht so wirklich. Aber wenn, dann würde ich so etwas in einem Spaßbad erwarten.

Aber kommen wir zum Wesentlichen. Dem Schwimmbad. Das Wasser ist in der Tat schön warm, gute 30 Grad zeigte das Thermometer am Schwimmerbecken, das 25 m lang ist und recht viele Bahnen bietet. Bei unserem Besuch war gerade Spaßbaden, wie fast immer am Wochenende in den Bädern und dementsprechend waren der Sprungturm (1 und 3 m) geöffnet. Es wird direkt ins Schwimmerbecken gehüpft, was das sportliche Schwimmen schwieriger macht.

Leider gab es sonst kaum spezielle "Spaßelemente" zum Spaßbaden. Es wurden lediglich noch ein paar schwarze Reifen ins Nichtschwimmerbecken geworfen. Eine große Kiste, die nach Spaßkiste aussah, blieb geschlossen - die könnte man mieten für 9 Euro für Kindergeburtstage.

Direkt neben dem Schwimmerbereich ist ein klassisches Nichtschwimmerbecken. Nichts besonderes, einfach nur ein quadratisches, flaches Schwimmbecken mit ebenfalls etwa 28-30 Grad. Ein kleines, ganz flaches Babybecken ist an der Treppe integriert und einfach nur quadratisch, praktisch, unattraktiv und für Babys sicherlich zu kalt.

Einen Whirlpool gibt es auch... Bietet Platz für 8 Leute und ist immer voll gewesen. Aber ich bin ohnehin kein Freund dieser Kannibalen-Kochtöpfe.

Wirklich nett ist das Kleinkinder-"Spaßbecken", das richtig schön warm ist und nur ca. 35 cm "tief". Hier gibt es einen Sprudelpilz und auch eine kleine Rutsche, die so flach ausläuft, dass hier auch recht kleine Kinder (ab ca. 3 Jahre) rutschen können. In den Becken ist es aufgrund der Wärme immer sehr voll, es liegen jede Menge Erwachsene herum. Kennt man ja aus anderen Bädern auch.

Direkt neben diesem Becken gibt es eine Kindertoilette. Find ich gut, spart weite Wege, wenn es schnell gehen muss. Allerdings habe ich dort niemanden hingehen sehen...

Das beste in diesem Bad ist definitiv die 60 m (!) lange Röhrenrutsche. Das ist die vermutlich längste Wasserrutsche in den Bädern der Berliner Bäderbetriebe, zumindest in den Hallenbädern wird das nicht getoppt. Die Rutsche ist eine geschlossene Röhren, die in einigen Runden nach draußen geht und in der Halle dann endet. Jetzt in Winter ist das spürbar kühl in der Röhre, aber das Wasser ist ja warm.
Die Rutsche hat sicher schon viele Jahre auf dem Buckel. Auf den Schild des Herstellers ist die Postleitzahl noch vierstellig. Aber egal, sie macht Spaß, ist groß und die Warteschlange ist deutlich kürzer als in manchem Spaßbad. Und es war alles in vernünftigem Zustand. Ein wenig ausgeblichen, aber sonst alles ok.

Überhaupt war das Bad in einem ordentlichen Zustand. Man sieht, dass es nicht mehr neu ist, aber das erkennt man eben eher an Dingen wie der Postleitzahl oder dem Wort Brausen.

Und das unfreundliche Personal? Kann ich nicht bestätigen. Der Bademeister hat sogar gelächelt. Aber man kann so etwas nach einem Besuch nicht beurteilen - eine Bademeisterin, die mich in der Halle im Märkischen Viertel mal bis zur Weißglut gebracht hat, war letzten Sommer im Strandbad Tegel auf einmal zu freundlichem Smalltalk aufgelegt. Wie dem auch sei: die schlechten Bewertungen in diesem Punkt kann ich nicht bestätigen.

Ein Bistro gibt es auch. Man darf hier gern viel viel Hunger mitbringen. Es gibt gigantische Portionen. So viel kann man gar nicht schwimmen, wie man Kalorien hier bekommt. Die Currywurst ähnelt eher dem Horn einer Kuh und die Pommes reichen für die ganze Familie. Und nein, das war nicht die Portion im XXL-Format. Die ist laut Verkäufer noch größer.

Unser Fazit: Für die Rutsche lohnt sich der Weg nach Lankwitz. Das Kleinkinderbecken ist auch schön, aber ich würde sagen, das in Schöneberg ist noch besser. Das Schwimmbecken ist wie überall. Und über allem liegt so ein wenig der Charme vergangener Zeiten, wie eigentlich fast überall im Südwesten der Stadt.

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