Mittwoch, 20. April 2016

Kurz mal weg... Barcelona im Frühling

Im meinem Freundeskreis scheint es nur Leute zu geben, die entweder schon mal in Barcelona waren (und größtenteils wieder hin möchten) oder Leute, die dort gern mal hinfliegen wollen. Für mich stand die Stadt gar nicht mal oben auf der "Muss ich sehen"-Liste, aber nachdem einem auf Facebook permanent Bilder um die Ohren flogen, die ganz gut aussahen und die Flugpreise mit 33 Euro verlockend niedrig waren, haben wir beschlossen, dass wir uns das mal selbst anschauen müssen...

Gleich vorneweg: vermutlich liegt es daran, dass durch Berichte und Fotos meine Erwartungen zu hoch angesiedelt waren.

Oben Kolumbus, unten Touristen
Barcelona ist eine Stadt am Meer und sie hat ein paar wirklich schöne, bunte und alte Gebäude. Punkt.

Im Landeanflug sieht Barcelona schön aus... Auf unserem Flug war es leider die meiste Zeit recht wolkig, erst bei den französischen Pyrenäen klarte es auf und man sah Berge mit Schnee ("Was? Schnee? Mama, du hast Strand versprochen!"). Und schließlich dann die spanische Küste, Strand, Segelboote, Kreuzfahrtschiffe und die Stadt, die wirklich schön liegt zwischen Meer und Bergen. Ohne Looping, den sich mein Sohn gewünscht hatte, landeten wir in Barcelona.

"Ich kann das Brandenburger Tor sehen...!"..."?!"

Man sah gleich, hier ist ein Mekka der Billigflieger... sie sind alle da. Ryanair, EasyJet, Germanwings, Norwegian und natürlich die spanische Vueling. Aber auch Emirates landete direkt nach uns - was ganz gut passte, denn die Frau, die im Flugzeug neben mir saß, wollte mir absolut nicht glauben, dass es auch Flugzeuge mit zwei Etagen gibt ;-). Schön, wenn dann direkt wie bestellt ein A380 angerollt kommt...

Der Vorplatz des Flughafens sieht aus wie überall in Spanien. Karg, Palmen mit brauen Wedeln. Vermutlich liegt es noch am gerade vergangenen Winter.

Vor dem Flughafen halten Busse nach Lloret de Mar. Dort stieg auch genau das Publikum ein, das ich dort erwarten würde. Junge, bereits verkatert aussehende Männer mit "Lloret de Mar"-Hut. Wie war das? Die Saison fängt an, wenn der erste Tourist betrunken vom Balkon fällt?

In die Stadt fährt eine U-Bahn in die Stadt, die keinen Fahrer hat. Das fand ich erst ziemlich cool. Als dann recht uangenehme Mitmenschen einstiegen, schon weniger.

Über die Sicherheit in Barcelona hört man nicht viel gutes. Taschendiebe angeblich überall, vor allem auf Las Ramblas und am Strand. Und in den öffentlichen Verkehrsmitteln  und in allen Sehenswürdigkeiten, in Cafés und überhaupt überall. Fast jeder erzählte mir von Diebstählen und dass die Polizei das einfach anschauen würde.

Andererseits... nachdem ich so viel über das gefährliche Barcelona gelesen hatte, habe ich mal bei Google eingetippt "Berlin dangerous areas"...  Ich wollte mal schauen, was Touristen so schreiben. Man mag es kaum glauben, da wird sogar über die Sicherheit nachts in Prenzlauer Berg (!!) diskutiert. Was soll da bitte passieren? Es könnte einem Bio-Tomate von einem Balkon auf den Kopf fallen, aber sonst fallen mir keine Gefahren in Prenzlauer Berg ein.

Zurück nach Spanien.. ich habe keinen Dieb gesehen, dafür viele Polizisten, die auch aufmerksam wirkten. Aber ich war noch nie im Urlaub so unentspannt. Ich habe permanent gecheckt, ob alle meine Sachen noch da sind. Andere haben es ähnlich gemacht. Überall Menschen, die ihre Rucksäcke nach vorn trugen...
Uns kam nichts weg. Ob es daran lag, dass wir im Prinzip alles ständig festgehalten haben, weiß ich nicht.

Springbrunnen
In dem einen der Schlag treffen könnte!
 Dass Spanien in der Wirtschaftskrise steckt, merkt man überall. Viele Läden sind geschlossen. Obdachlose an vielen Orten. Manche lesen abends noch ein Buch in ihrem Schlafsack. Es ist wohl so, dass es in Spanien nach einem Jahr Arbeitslosigkeit nichts mehr gibt. Ob es stimmt, weiß ich nicht. Viele fliegende Händler verkaufen an jeder Ecke Souvenirs, Sonnenbrillen, Schmuck... viele Sachen, die sie auf auf Decken ausbreiten. Man darf laut Schildern bei ihnen nicht kaufen. Ist die Polizei am Horizont zu sehen, wird alles zusammengerafft und losgerannt. Es erinnerte mich an vietnamesische Zigarettenhändler, nur mit anderer Ware.

Es sollen wohl auch viele davon leben, ihre eigene Wohnung über AirBnB zu vermieten, um dann selbst zu Verwandten zu ziehen.  Wir haben diesmal nicht bei AirBnB gebucht, da es nichts familientaugliches gab bzw. das, was es gab, entweder ganz weit draußen war oder ausgebucht. Wir haben schließlich ein "Hotel" gebucht, das sich vor Ort als große Wohnung mit lauter vermieteten Einzelzimmern herausstellte. Ich hatte das schon fast geahnt, als ich das Hotel auf Streetview nirgends sehen konnte, sondern stattdessen nur Wohnhäuser.

Häuser...
Immerhin lag es in Laufnähe zu Las Ramblas, es gab zwei Zimmer mit jeweils Doppelbett und großem Fernseher (mit Sendern wie Somali TV...) , eine vollkommen leere (?!)  Minibar und ein Bad mit Leuchtdusche... Eine Rezeption gab es nicht, dafür einen Mann, der uns aufschloss und leider nur Spanisch und Russisch sprach.

Barcelona ist erstaunlich klein. Man kann es zu Fuß weitgehend erkunden, so sind wir an einem Tag vom Park Güell zur Sagrada Familia und weiter zu Las Ramblas gelaufen. Für den Tag hatten wir gut 30.000 Schritte auf dem Schrittzähler. Das U-Bahn-und Busnetz ist aber auch gut ausgebaut und es gibt Drei-Tages-Karten für den Nahverkehr. Sogar eine Standseilbahn ist im Preis mit drin. Ich tat mich mit den U-Bahnen etwas schwer. Spanisch liegt mir offenbar gar nicht, die Namen der Stationen waren so schnell wieder aus meinem Gedächtnis wie ich sie gelesen hatte. Oder nein, sie kamen da gar nicht erst an. Jedes Mal stand erneut vor dem U-Bahnplan mit drei Fragezeichen über dem Kopf, weil ich "unsere" Station bzw. dessen Namen schon wieder vergessen hatte...

Für Early Birds, morgen zwischen 6 und 8 Uhr, ist der Eintritt in den Park Güell frei, alle anderen zahlen seit einigen Jahren recht happige Eintrittspreise. In dem Park ist das Haus von Gaudi und allerlei Kunst von ihm. Aber der Eintrittspreis ist nicht nur hoch, man muss sogar eine Uhrzeit für den Besuch buchen. Das war mir dann irgendwie zu doof und wir haben nur den kostenlosen Teil des Parks besucht und die ganzen Werke Gaudis nur aus ein wenig Entfernung gesehen. Der Park liegt übrigens auf einem recht steilen Hügel. Freundlicherweise gibt es Rolltreppen am Berg!

Park Güell


Komfortabel auf den Berg
Bei der Sagradia Familia verhält es sich ähnlich wie mit dem Park. Es ist sehr voll und möchte man sie besichtigen, ist mit großen Warteschlangen zu rechnen. Die Kirche ist übrigens so eine Art BER. Sie wird einfach nicht fertig. Sie soll einmal 18 Türme haben. 2026 soll sie fertig werden. Begonnen wurde 1882.

Turmbau
Und auf Las Ramblas konnte man vor lauter Menschen kaum treten. Ich dachte bisher immer, Berlin sei, zumindest in Mitte und rund um die Warschauer Straße sehr voll mit Touristen. Aber das ist lächerlich im Vergleich zu den Menschenmengen, die sich durch Barcelona walzen. Und ich vermute, dass es im Hochsommer noch voller sein wird - wenn das Wetter dann besser ist.

Auf Las Ramblas sind jede Menge Marktstände. Sie verkaufen Souvenirs, sehr seltsame Pflanzensamen und zu 90% Nippes, den niemand braucht. Mittendrin stehen fliegende Händler, die mittels Minipfeifen auf sich aufmerksam machen, damit man bei ihnen einen Selfiestick kauft. Mir war diese Straße entschieden zu voll. Es erinnerte mich an den Weihnachtsmarkt in Berlin-Mitte an einem Adventssonntag.

WTF...?!
Ich vermute, hier hat jemand eine Wette verloren:



Sehr niedlich: Halsbandsittiche leben frei in der Stadt und sind fast überall zu sehen.


Überall vorhanden: Mülleimer für iPhones:



Am Ende der Las Ramblas  dann... das Meer... Man kann am Ufer sitzen... Waffeln auf goldenen (!) Pappen zu 3,50 (!) Euro essen und Fische im Hafenbecken füttern. Teure Jachten anschauen (man könnte sie auch für eine Million pro Woche mieten...). Oder Seilbahn fahren.

Goldene Waffelpappe

Teure Jacht...
Das kann man auch noch an der Festung auf dem Montjuïc. Die Seilbahn ist relativ neu und der Fahrpreis für 4 Personen für einmal hinauf und zurück mit knapp über 40 Euro auch kein Schnäppchen. Aber die Warteschlangen waren dennoch lang und nachdem die Kinder so gern Seilbahn fahren wollten, haben wir uns auch angestellt. Es lohnt sich, man hat eine gute Aussicht und die Festung ist auch ganz schön, kostet aber nochmals Eintritt.


Hoch war es...
Zu guter letzt ging es noch an den Strand. Da es mit knapp 15 Grad Lufttemperatur nicht so ganz strandtauglich war, waren wir weitgehend allein. Nur ein Mann mit einem Metalldetektor drehte eifrig seine Runden, ich vermute, er suchte Münzen. Der Strand ist schön und man kann hier auch Kunstwerke wie diesen Fisch sehen.


Fisch!
Alles in allem hat sich mal wieder gezeigt, dass man nie mit zu hohen Erwartungen irgendwo hinfahren sollte, denn dann wird man enttäuscht. Die Stadt ist schon schön und sehenswert, aber bietet eigentlich gar nicht mal so richtig viel. Und mir war sie definitiv zu voll. Dazu die ständige Angst vor Dieben. 
Wiederholungsfaktor: ungewiss, wobei ich zugeben muss, dass mir Paris und auch London auch erst beim zweiten Besuch gefallen haben...

Kommentare:

  1. Barcelona war vor der Olympiade ganz nett.
    Aber das ist lange her.
    Gute Drogen zu kleinem Preis, verrückte Kneipen in den Randbezirken.
    Also quasi in den Banlieue ( Suburbano ) von Barcelona.
    Heißes Pflaster, aber wenn man selber nix hat muss man auch keine Angst vor Ausrauben haben.
    Und Wir sahen damals auch noch richtig gefährlich aus..........
    Aber sonst ist es schon eine durchschnittliche, ja fast schon langweilige Stadt.
    Weiß auch nicht was die Leute immer haben, Barcelona !!!

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  2. Hab mal einen getroffen, der hat 2 Monate in Badalona verbracht.
    Wenn Du mit dem Auto von Norden nach Barcelona reinfährst kommst Du dran vorbei.
    Es ist nicht zu übersehen, man fährt minutenlang an Hochhäusern vorbei.
    Er fand es dort ganz famos, das Dope war billig, er lebte am Strand und verbrachte die Tage zusammen mit ehemaligen Fremdenlegionären, Junkies und Nutten in irgend welchen Kneipen.
    Manche Menschen leben Ihren Traum.........

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  3. Hm, wäre jetzt nicht so meine Traumgegend ;-). Ich habe mir gestern auf youtube mal die Barcelona-Folge von "auf 3 Sofas durch..." angeschaut. Da war auch einer dabei, der wohl in so einem Vorort lebt und seine Couchsurfing-Gäste auch mal mit Waffe morgens aufweckt...

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  4. Da war wohl jemand recht enttäuscht von Barcelona. Tja, viele Touristen machen eine Stadt nicht unbedingt besser (Lissabon ist auf dem Weg dorthin). Bei meinem zweiten Besuch in Barcelona war ich auch eher entsetzt über die Menschenmassen auf Las Ramblas und die Schlangen bei den Bauten von Gaudí. Die Sagrada Familia hat aber Platz genug und ist inzwischen innen wirklich toll. Die Tapas sind aber nach wie vor gut! :-)

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    1. Ein wenig enttäuscht, schon ja, aber so richtig schlimm nun auch nicht. Ich würde nur vermutlich nicht noch einmal hinfahren, weil es Orte gibt, die mir besser gefallen. Mir war es zu voll und diese permanente Angst vor den Taschendieben machte den Aufenthalt recht unentspannt.

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