Freitag, 29. April 2016

Sag niemals nie...mit Ryanair nach Dublin

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub ;-). Nein, es war eher ein Zufall, dass kurz auf den Kurztrip nach Barcelona ein weiterer, schon länger geplanter folgte. Das Ziel des Ausflugs, diesmal ohne Kinder und Mann, war Dublin. Das Finden des ältesten europäischen Geocaches  stand auf dem Plan. Und ich wollte mir mal einen kleinen Eindruck von Irland verschaffen - ob das vielleicht ein Ziel für einen Familienurlaub ist - oder ob es nur aus Klippen, Meer und Bergen besteht.


Ich habe diesmal etwas getan, was ich nie tun wollte. Ich bin mit Ryanair geflogen. Eigentlich habe ich mich bisher ferngehalten.

Auch für den Weg nach Irland hätte ich eigentlich Aer Lingus bevorzugt. Sie sind so schön grün, genau passend zu Irland. Sie fliegen ab Tegel und sind auch nicht teuer, ab ca. 30-40 Euro pro Strecke ist man dabei. Da aber die Flugzeiten nicht so recht zu unseren Plänen passten, buchten wir Ryanair.

Die Gründe, weshalb ich bisher nicht mit dieser Airline geflogen bin, sind vielfältig. Da wäre zum einen die aggressive Werbung, die es zumindest vor Jahren gab. "Bye bye Latehansa" stand auf einem Flugzeug, "Bye bye EasyJet" auf einem anderen... Es sollte Toilettengebühren geben und Sondergebühren für Übergewichtige. Es gab Scherze über Stehplätze und bizarre Angebote für männliche Kunden, falls sie jemals auf der Langstrecke fliegen.
Hm. Ungefähr so sympathisch wie Mediamarkt-Werbung.


In letzter Zeit hört man aber, dass sie versuchen, ihren Ruf zu verbessern. EasyJet hat sie überholt bei den Passagierzahlen und nun ist man bemüht, das schlechte Image loszuwerden. Hm.

Dann gefiel mir immer nicht, dass diese Airline einen zum *** der Welt fliegt und das dann Frankfurt, Düsseldorf, Oslo oder London nennt, man aber ewig weit weg ist, meist auch noch fern von öffentlichem Nahverkehr... So dass man das Geld, das man gespart hat, dafür ausgibt, um in die Stadt zu kommen, in die man auch für etwas mehr Geld auch direkt hätte fliegen können. Und noch ewig viel Zeit flöten geht.

Die Preise bei Ryanair waren früher immer ziemlich intransparent. Ich kann mich erinnern, so vor 10-12 Jahren mal geschaut zu haben. Da waren ganz geringe, irrwitzige Preise, teilweise im Cent-Bereich (!!) und wenn man dann ernsthaft durch den Buchungsprozess ging, kam so viel noch hinzu, dass es immer teurer wurde. Oft so teuer, dass man auch gleich die Konkurrenz buchen konnte.

Früher konnte man, wenn man einen Flug gebucht hat, auf der Webseite aus Versehen sonstwas alles kaufen - vom Koffer bis zur Versicherung. Oder bekam gleich noch einen Mietwagen dazu. Die Webseite war bewusst so gemacht, dass man höllisch aufpassen musste und ggf. Dinge abwählen musste.


Man hört viel von Ärger, den manche Leute beim Check-In haben...Koffer kosten extra, Übergepäck wird ganz doll teuer. Vergessen die Bordkarte auszudrucken? Auch das kostet - früher über 50 Euro, inzwischen "nur" noch 20.
Letzteres sind Dinge, die mich eher nicht abschrecken, da ich fast immer nur mit sehr kleinem Gepäck reise, vor allem wenn ich ohne die Kinder unterwegs bin. Und das Einchecken mache ich grundsätzlich immer vorab online. Daher stört mich so etwas überhaupt nicht.

Ein weiterer Grund, weshalb ich Ryanair bisher vermieden habe, waren die Berichte, die man überall hört. Eben "cheap and nasty". Selbst meine Schwägerin, quasi eine Vielfliegerin bei zahlreichen Billigairlines, meinte,  wenn es geht, fliegt sie mit der orangefarbenen Konkurrenz. Sie warnte mich, dass man mein Handgepäck ausmessen wird, ggf. einzelne Sachen doch noch im Kofferbereich des Flugzeugs bringen wird, weil nichts mehr in die Overhead Compartments passen wird und dann stünde ich mit meinen Wertsachen in der Hand dumm herum. Und sie seien "annoying". :-/
Vorsichtshalber packte ich daher in meinen Rucksack noch eine ganz kleine Umhängetasche, in die in diesem Fall die wichtigsten Dinge wie Telefon, Geldbörse und Kamera gepasst hätten. Und stellte mich darauf an, im Flieger wohl eher nicht Prince Charming als Flugbegleiter zu erleben,

Aber man hört auch gutes... im Endeffekt seien sie immer noch am billigsten. Und sie seien inzwischen nicht mehr "cheap and nasty", sondern "cheap and nice". Zeit also, es mal zu probieren...


Gebucht haben wir ca. 8 Wochen vor der geplanten Reise. Es waren gerade keine Ferien, wir sind an einem Samstag zurückgeflogen - das sind Faktoren, die den Preis natürlich nach unten bringen - bei jeder Fluggesellschaft. Wir haben pro Person ca. 25 bzw. 35 Euro pro Strecke bezahlt, ab 19 Euro wäre es möglich gewesen, hätten wir eher gebucht.

Das Buchen ging problemlos, es fielen mir auch keine wirklichen Fallen auf. Es waren nichts standardmäßig angeklickt, was man hätte "abwählen" müssen.
Allerdings ist die Seite so überfrachtet mit Angeboten, dass man eine Weile sucht, bis man das schlichte Wort "Fortfahren" findet... Es kamen auch nach der Buchung noch Werbemails... Ob man nicht einen Mietwagen möchte... oder ein Hotel...

Die Seite ist in einem sehr holprigen Deutsch verfasst. Manches erschließt sich einem nicht. Gerade die Terms and Conditions sind teilweise einfach nur wirr. Das ist sicher schlecht, wenn es mal Probleme gibt und man stornieren möchte oder ähnliches...



Einchecken kann man bereits 30 Tage vorher, das kostet dann allerdings... Wenn man "einfach nur" einchecken will, ist das 7 Tage vor Abflug möglich. Ist man mit Ryanair im Sommerurlaub und hat keinen Drucker dabei (...), könnte das schon schwierig werden.  Und es muss selbst gedruckt werden, es gibt keine Check-In-Schalter. Die Schalter am Flughafen sind nur für die Annahme der Koffer zuständig, Einchecken kann man dort nur im Notfall und das kostet extra.
Alternativ kann man mit dem Handy und App einchecken, dann hat man auch eine Bordkarte, ohne zwingend einen Drucker zu brauchen.

Beim Einchecken auf der Webseite erschienen bei mir erstmals Gebühren, die ich so noch nicht kannte: wenn man gemeinsam sitzen möchte, muss man bezahlen. 6 Euro pro Person und Flug (was bei einer vierköpfigen Familie für Hin-und Rückflug schon mal eben fast 50 Euro wären...).
Wählt man das nicht aus, kann es sein, dass man an völlig anderen Stellen im großen Flugzeug sitzt. Wir haben die 6 Euro bezahlt. Und konnten uns so auch die Sitzplätze frei auswählen. Auf dem Hinflug haben wir erlebt, dass andere die 6 Euro gespart hatten und dann fröhlich Sitze tauschen wollten, was etwas Unruhe beim Einsteigen verursachte...

Und Unruhe ist schlecht, denn es musste schnell gehen....echt schnell... Ryanair wirbt damit, die pünktlichste Airline Europas zu sein. Ganz ehrlich, vor allem auf dem Hinflug waren sie so schnell, dass mir ganz schlecht wurde. Und das ist schlecht, denn es gibt keine Kotztüten...

Aber von vorn... Im ohnehin nicht schönen Schönefeld hat man Räumlichkeiten für die Abfertigung, die einfach nur unfassbar hässlich sind. Dagegen ist der ZOB am Kaiserdamm schön! Ein kleiner Raum. Voll mit Menschen. Die Sitzplätze reichen bei weitem nicht für die Menge an Leuten, die Mitarbeiterin rief immer wieder, man solle durchtreten, damit noch mehr Menschen in den kleinen Raum passen. Unser Flugzeug, die 4 Jahre alte Boeing 737-800 mit Registrierung EI-EVE,  kam zu spät an... nicht viel, vielleicht 10, 15 Minuten.

Es wurde zu keiner Zeit die Größe unseres Handgepäcks ausgemessen. Es stehen überall diese Teile herum, in die man sein Handgepäck tun kann -  wenn es passt, darf es mit. Ich habe nicht gesehen, dass es angewendet wurde. Man darf zwei Handgpäckstücke haben - ein relativ großes ( 55x 40 x 20 cm) und noch etwas kleineres, etwa in Form einer kleinen Handtasche, genau genommen mit den Maßen 35 x 20 x 20 cm.

Und kaum war der Flieger da und die ankommenden Passagiere ausgestiegen, ging es auch schon los. Die Ansage, der Flug stünde bereit, wurde so schnell gesprochen, dass man es weder auf Englisch noch auf Deutsch verstand. So etwas habe ich noch nie erlebt. Dann ging es ganz fix rein in den Flieger. Das war gut organisiert, Treppen waren vorn und hinten am Flugzeug, auf der Bordkarte stand auch klar, zu welcher Tür man gehen sollte. Es waren übrigens die berühmten Metalltreppen, von denen angeblich schon Kinder gestürzt sind - da war allerdings ein Gitter seitlich. Keine Gefahr (mehr?), würde ich sagen. Es kann aber auch sein, dass Schönefeld und auch Dublin bessere Treppen haben als kleine Provinzflughäfen.


Lange gefackelt wurde vor dem Abflug nicht, als alle da waren. Es ging alles sehr zügig. Eigentlich gut, denn es nervt immer, wenn man noch ewig herumsitzt. "Bording completed" hieß es und schon dudelte das Tonband mit den Sicherheitsinstruktionen. Zum Start ging es irre schnell. Nix mit kurz noch an der Bahn herumstehen... Mein Mann hat den Flug zu Hause mit Flightradar24 beobachtet und meinte, dass muss ein "immediate Take Off" gewesen sein (wie man es Flugfunk manchmal hört), denn es war bereits ein Flugzeug für genau diese Bahn gerade im Anflug...
Es war ok,  sonst hätte  es keine Freigabe gegeben, aber es ging eben einfach nur ratzfatz...Wie alles bei Ryanair.

Erster Eindruck im Flieger: alles sehr gelb. Sitze oben gelb, Overhead Compartments zumindest im 4 Jahre alten Flieger gelb und mit Werbung versehen. Ganz dünne Sitze, aber die gibt es inzwischen anderswo auch. Langstrecke möchte man da nicht fliegen, aber kurz mal fliegen, ist ok. Der Sitzabstand... nun ja, seht selbst. Ich bin 1,72 m und habe kurze Bein. Für mich war es ok.


Es gibt keine Sitztaschen - so kann da auch keiner seinen Müll reintun, der dann weggeputzt werden muss... Spart Zeit...

Die Sicherheitskarte ist auf den Vordersitz gedruckt. Obendrüber ist bei vielen Sitzen Werbung für Snacks. Es gibt keine Kotztüte ... bei dem Preis hat einem nicht schlecht zu werden. Und das Bordmagazin mit den Preisen für Snacks und Getränke, mit dem Angebot des Shops usw. wird verteilt und wieder eingesammelt. Kaffee kostet 3 Euro, es gibt auch Snacks oder eine Fünf-Minuten-Terrine.



 Mein Tisch machte einen unglaublich wackeligen Eindruck. Überhaupt war ich erstaunt, als ich hinterher las, dass das Flugzeug erst 4 Jahre alt war. Da machte auf mich das Germanings-Flugzeug nach Barcelona, das schon 12 Jahre auf dem Buckel hatte, einen weniger heruntergerockten Eindruck.

Auf dem Rückflug war es dann anders... Wir saßen in EI-FRC, einer ganz neuen Boeing 737-800. Ryanair hat auch gar keine anderen Flugzeugtypen, es gehört zum Konzept nur gleiche Flugzeuge zu haben. Auch das spart Kosten.
Das neue Flugzeug war toll, alles ganz sauber, das Tischchen diesmal nicht wackelig. Die Farbe gelb wurde auch nicht mehr so kreischend überall verwendend, sondern nur noch an den Sitzen. Die Overhead-Compartments waren weiß/grau und frei von Werbung. Vielleicht auch ein Teil des neuen Konzepts...

Vorab hatte ich gelesen, es wird an Bord viel verkauft. Es gäbe Rubbellose, Sonnenbrillen... Ich dachte schon, man landet bei einer Art Kaffeefahrt... "Wolle Sonnenbrille kaufen... schöne Sonnenbrille...hier, probieren Sie...vielleicht eine Heizdecke dazu oder einen Regenschirm...?".
NEIN, so war es nicht. Es war nicht anders als der Bordshop bei fast jeder Airline. Es kam die Ansage, dass man etwas kaufen könnte und dass man nun mit den Sachen mal durchläuft. Und es lief auch eine Flugbegleiterin mit den Rubbellosen durch und sagte immer "Scratch cards, scratch cards". Gestört hat das nicht.


Wer fliegt eigentlich Ryanair? Wohin ich um Umfeld hörte, von fast allen kam ein angewidertes "Nein, also ich würde damit nicht fliegen". Es erinnerte mich an das Lesen der Bildzeitung... keiner tut es. Und obwohl niemand damit fliegt, sind bei Ryanair fast alle Flüge ausgebucht. Hm.
Sagen wir es mal so... es fehlten die typischen Geschäftsreisenden fast völlig, wobei neben uns jemand mit einem Laptop saß und sich als Vielflieger bei dieser Airline outete. Aber er war nicht repräsentativ bzw. die Ausnahme. Es gab einige Familien im Flieger und sehr viele...hm... naja, Leute, die tatsächlich aussahen, als würden sie sonst die Bildzeitung lesen. Auch sehr viele sehr junge Leute, die sich für wenig Geld Europa ansehen - woran ja nichts falsch ist.
Auf dem Flug nach Berlin hat sich übrigens jemand in aller Ruhe die Nägel lackiert im Flieger. So etwas habe ich auch noch nicht gesehen...

Auffällig auf beiden Flügen: eine extrem junge Crew. Auf dem Hinflug aus Osteuropa, das würde ich zumindest aus den Namen und dem Akzent vermuten. Auf dem Rückflug war es, vermute ich, eine italienische Crew. Alle sehr nett, freundlich, sehr nett zu den Kindern. Aber auch irgendwie gehetzt. Das machte mir Sorgen. Ehrlich.

Wir landeten mit 5 Minuten Verspätung in Dublin. Das bedeutet: keine Fanfare (!). Ja, Ryanair hat eine Fanfare, die bei pünktlicher Landung abgespielt wird. Schaut man bei Youtube, stellt man fest, dass die früher mal sehr trashig klang. Die neue Variante klingt besser...
Beim Hinflug gab es keine Fanfare, nur ein "We are 5 minutes behind" (?). Beim Rückflug landeten wir 15 min vor der Ankunftszeit... da gab es natürlich das Gedudel und der stolze Hinweis, auf 90% pünktliche Flüge im letzten Jahr.

Ganz ehrlich, mir macht DAS Angst. Pünktlich sein ist toll, aber das war mir zu viel des "Wir tun alles für die Pünktlichkeit". Es soll angeblich sogar Strafen für die Crew geben, wenn sie zu spät sind. Das Gehetzte hinterließ bei mir ein sehr mulmiges Gefühl.

Mein persönliches Fazit: Ich glaube, ich mache das nicht noch einmal.  Es war ok, wir sind gut  angekommen, es war keine fliegende Kaffeefahrt, wir sind nicht in der Provinz gelandet und bis auf die 6 Euro fürs Wählen des Sitzplatzes kamen keine Überraschungen auf uns zu. Aber in Zukunft möchte ich wieder entspannter fliegen, meinetwegen auch mit ein wenig Verspätung.

Das wichtigste in Kürze:

  • man sollte natürlich rechtzeitig buchen, dabei auf Sparangebote auf der Seite achten und bei der Buchung dem Einchecken immer nach dem "Fortfahren"-Button suchen, denn nur damit geht es weiter...
  • Koffer vermeiden und wenn man doch einen abgeben möchte - VORHER das Gepäck hinzubuchen, das ist billiger als direkt am Flughafen
  • Bordkarte ausdrucken keinesfalls vergessen
Da das Flugzeug ganz neu war und somit die Fenster noch blitzsauber, gelang auch ein Video im Landeanflug auf Schönefeld... Zu sehen sind unter anderem der Müggelsee, der Müggelturm, Reste des einst in den Müggelbergen geplanten Fernsehturms, die Dahme... Und man hört die Fanfare, wobei diese inzwischen offenbar einer einfachen Melodie gewichen ist.


Kommentare:

  1. Ich bin früher viel mit Ryanair geflogen, bevorzugt nach Irland rüber. Das waren noch die Anfangszeiten, als sie in Deutschland i.W. ab Hahn flogen. War meiner Meinung nach nie wirlich schlecht, allerdings hat sich ihr Geschäftsmodell wohl durch die anderen No-Thrills-Airlines ein wenig überholt. Aber ich hatte nie Grund, mich zu beschweren.

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    1. Stimmt, du bist so ziemlich der einzige, den ich kenne, der zumindest früher Ryanair geflogen ist. Sonst hörte ich überall nur "auf keinen Fall, niemals nie einsteigen". Aber ich fand es auch ok. Mir hat, wie geschrieben, nur diese Geschwindigkeit und Hektik echt Angst gemacht (subjektiv, ich weiß, es ist nur so ein Gefühl gewesen und war auch nur auf dem Hinflug extrem).

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