Dienstag, 7. März 2017

Die alte Abhörstation auf dem Teufelsberg

Die alte Abhörstation ist vielen Berlinern ein Begriff. Und (zumindest gefühlt) ist sie vielen Nicht-Berlinern, die sich in der Stadt aufhalten, noch bekannter. Wenn man sich mit zugezogenen Berlin-Bewohnern aus dem Ausland unterhält, kommt ganz oft das Gespräch auf diese alte Station auf dem Gipfel des Teufelsberg. Und als wir auf dem Fernsehturm waren, sprach uns auch jemand an, was denn das für ein weißess "Ding" da auf dem Berg sei und ob man da hineinkäme...

Früher hörte die US-Army von hier den Ostblock ab. Nach der Wende wurde die ehemalige Field Station noch einige Jahre zur Überwachung der zivilen Luftfahrt genutzt. Seit Ende der 90er Jahre steht die Station leer.

Jahrelang hörte man immer wieder von Leuten, die auf abenteuerliche Weise hineingelangt waren, um sich den Lost Place anzuschauen. Gut, die Zäune (es sind drei hintereinander) waren hier und da durchgeschnitten, man kam schon rein. Wie in viele Lost Places. Ich muss gestehen, mir war die Abhörstation immer zu gruselig, um hier mal einfach zu schauen.

Außerdem muss man "Bergsteigen". 120 m hoch ist der Teufelsberg und somit die höchste Erhebnung der Stadt  die zweithöchste Erhebung der Stadt. Ein Drittel des gesamtes Berliner Schutts des 2. Weltkriegs liegt hier aufgetürmt. Ursprünglich sollte hier die Wehrtechnische Fakultät im 3. Reich entstehen. Sie sollte Teil des Projekts Germania werden. Wurde es nicht und dann hat man den ganzen Schutt draufgekippt, Erde dazu, eine Million Bäume gepflanzt. Ganz oben dann die Abhörstation, wohl quasi die letzte vor Moskau.

Einen Weinberg gab es am Teufelsberg auch mal. Teufelströpfchen wurde hier angebaut.

Weinberg!
Einen Skilift gab es auch mal, genau wie eine Sprungschanze. Das gibt es nicht mehr. Aber man sieht noch ein paar Reste. Der Skilift bzw. dessen Elektrik störte die Abhörstation.

Alter Skilift?

Der Rodelberg ist sehr steil. Er ist eigentlich wohl mal bepflanzt worden, damit da niemand heruntersaust. Also ich finde, man könnte da nach wie vor rodeln...Tun würde ich es nicht.
Die Straße, die sich den Berg raufschlängelt, wird viel von Longboardern genutzt.

Und es gibt Wildschweine! Bei unserem Aufstieg lief uns eine Rotte aus gut und gerne 30 Tieren aller Größen über den Weg. Wir haben dann beschlossen, einen Umweg zu nehmen.

Wenn man sich den Berg hinaufbegeben hat, steht man an einem Zaun und muss erstmal um die Station herum, um zum Eingang zu gelangen (vielleicht war unser Weg - den Rodelberg hinauf- auch nicht so ganz der richtige...).

Und erstaunlicherweise kann man inzwischen in das Areal um die verlassene Field Station hinein. Ganz legal, aber dafür kostet der Besuch 8 Euro Eintritt. Unter 16 Jahre hat man freien Eintritt. Ich würde allerdings nicht dazu raten, hier mit Kinder herzugehen. Von dem Eintrittsgeld wird zwar etwas für die Sicherheit getan, aber manches wirkt noch nicht sehr vertrauenserweckend, man könnte bei vielen Begrenzungen drunter durch schlüpfen und in die Tiefe sausen. Macht man nicht, aber wie gesagt, mit kleinen Kindern würde ich hier nicht hergehen.

Station
Für 15 Euro kann man an einer historischen Führung teilnehmen. Wir haben uns gegen die Führung entschieden und uns alleine umgesehen. Man musste noch kurz für die Versicherung seinen Namen, Anschrift und Unterschrift hinterlassen. Ein Blick auf die Liste verriet, dass hier viele Touristen sind.

Reinfallschutz...
Grundsätzlich finde es gut, dass man diesen Ort anschauen kann. Es war immer spannend, was da oben wohl ist und wie es da drinnen aussieht. Man sieht die Station ja gut vom Teufelssee... Und ich muss gestehen, dass ich es ganz angenehm finde, wenn man legal in solch ein verlassenes Haus hinein gehen kann. Das vermeidet jeglichen Ärger wegen Hausfriedensbruch oder mit eventuellen Bewohnern.



Aber man muss sagen... es ist jetzt ein Ort für Künstler. Sprayer und andere. Es sieht an vielen Stellen eher etwas verrümpelt aus. Mich erinnert es an das RAW Gelände im Friedrichshain. Ganz ehrlich, ich hätte mir hier mehr historischen Bezug gewünscht statt Party und Graffiti.

Kunst im Gebäude

Aber...das Gebäude war den Eintrittspreis wert. Interessante Akustik in den Kuppeln, die schon recht zerfetzt sind. Toller Ausblick auf die Stadt und das Umland. Aber leider so gut wie keine noch sichtbaren Spuren der früheren Nutzung. Vielleicht sieht man die nur mit der Führung.

Türrahmen und Kuppel

Ausblick... man sieht in der Ferne Fernsehturm, Funkturm und vieles mehr

Turm...ganz oben ist die beste Akustik!

Innen


Blick durch eine der Kuppeln

Seltenes Selfie...

Kommentare:

  1. Ich muss da wirklich mal hin, ich kenne die Station nur aktiv und schwer bewacht, wir waren da oben oft zum Rodeln und Drachen-steigen-lassen, ich bin ganz in der Nähe aufgewachsen....

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    1. Dann musst du dort auf jeden Fall hin! Innen ist leider nicht viel zu sehen (oder sagen wir so, da ist irgendwie alles weg?!, eventuell lohnt sich die Führung, um mehr zu sehen, vielleicht gibt es noch etwas im Keller oder so...

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  2. Liebe Amelie, du bist doch auch Nordberlinerin - seit 2 Jahren sind doch unsere Arkenberge in Blankenfelde die höchsten!
    Mit Gruß aus Rosenthal, m-
    m-

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    1. Ok, davon habe ich sogar schon gelesen. Irgendwie nimmt die Arkenberge gar nicht so wahr, sie sehen ja aus wie ein Sandberg, den jemand hingekippt hat.
      Viele Grüße

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