Montag, 29. Mai 2017

Kurz mal nach Schweden - Minikreuzfahrt nach Göteborg mit Stena Lina

Schon sehr lange habe ich mit einer Minikreuzfahrt geliebäugelt. Immer wieder kam Werbung für die Fahrten mit Colorline nach Oslo an mir vorbei, aber ich fand nie so das wirklich perfekt passende Angebot. Anfang des Jahres kam mir dann Werbung der Stena Line unter. Es gab Sonderpreise - für 44 Euro pro Person sollte es hin und auch wieder zurück von Kiel nach Göteborg gehen. In Schweden waren wir noch nie, der Preis günstig und ich fand das Angebot sogar in einem Zeitraum, der uns wunderbar passte. Fix noch eine 19 Euro-Aktion der Bahn abgewartet und schon konnte es losgehen...



Letzte Woche ging es dann los. Mit dem ICE ging es nach Kiel. Als wir dort ankamen, lag schon das beeindruckend große Schiff der Stena Line mit den 11 Etagen am Schwedenkai. Gegenüber lag die Colorline am Norwegenkai und war noch größer. Wir hatten etwas zu viel Zeitpuffer in Kiel eingeplant und hatten daher noch die Möglichkeit, ein wenig die Stadt anzuschauen. Nett - schon am Bahnhof ist es schön, mit einer Bahnhofshalle voller Segel.



Das Schiff
Kurz vor dem Einchecken ging es noch zu Rewe, um Proviant zu kaufen. Wir hatten uns gegen das 30 Euro teure Abendbuffet im Schiff entschieden, denn die Kinder hätten mit Sicherheit kaum etwas gefunden. Was nicht am Büffet lag, sondern eher am wählerischen Essverhalten ;-). Also, eingekauft, was wir kennen und los... Das Gepäck wurde durchleuchtet wie am Flughafen und dann ging es hinauf, höher und höher die Schräge hoch, um dann im 8.Stock bzw. Deck das Schiff zu betreten.

Ein Schiffsmaler
Für den Preis bekamen wir natürlich nur zwei Innenkabinen. Die waren sauber, ordentlich, sogar mit Fußbodenheizung. Dusche und WC waren selbstverständlich auch dabei. Und ein Fernseher mit einer Handvoll deutscher Senden (ARD, ZDF...). In der Kabine an sich war ein Bett oben, eins unten. Das obere konnte man am Tage hochklappen. Es gab faktisch keinen Rausfall-Schutz, mit kleinen Kids ist das eher nichts, aber man könnte einen solchen Schutz kostenlos bekommen. Eine Leiter kann man einhängen oder eben abmachen, damit sie nicht im Weg herumsteht.

Wir haben beschlossen: beim nächsten Mal nehmen wir definitiv eine Außenkabine. Den Aufpreis ist es auf jeden Fall wert. Ein Fenster ist ein Muss. Denn so hingen wir immer außerhalb der Kabine herum - entweder oben auf dem Sonnendeck oder an den Fenstern. Denn wir wollten doch aufs Meer hinausschauen...Und es gab unterwegs durchaus auch viel Land zu sehen.

Kojen
Bei der Buchung konnte man diverse Dinge zusätzlich buchen. Weinflasche in die Kabine, Straßenbahnticket für Göteborg, Stadtrundfahrt in Göteborg... Und Kinderpakete. Für 7 Euro sollte es explizit einen niedlichen Plüsch-ELCH und kleine Überraschungen geben. Ich habe für meinen 6 Jahre alten Sohn so ein Paket mitgebucht. Tja...Und DAS ist unser "Elch". Er heißt Sparkles.

Ein Elch...
Kreuzfahrt ist natürlich schon etwas geprahlt für eine solche Fahrt. Sie nennen es vermutlich nur so, weil es schön klingt und natürlich schon eine komplette Reise ist - es geht hin und zurück, man macht einen Landgang zwischendurch ;-).  Es gibt im Schiff ein Restaurant, eine Bar, abends Bingo und einen Sänger. Man kann Lose kaufen, um "viele schöne Preise" zu gewinnen. Dazu gab es sogar eine Durchsage ;-)

Direkt nach dem Ablegen am Abend, sowohl in Kiel als auch in Göteborg ging es gegen 18:45 jeweils los, strömen alle aufs Sonnendeck. Da öffnet dann die Bar, es gibt Bier, Slush, Nüsse und einen Grill - dort kann man Hamburger order Bratwurst erstehen. Die teuerste Bratwurst meines Lebens - für 6 Euro...! Immerhin, eine Art HotDog-Brötchen war dabei. Erinnerungen an die 30 Euro-Pizza in Oslo kamen auf ("Lasst uns in eine günstige Pizzeria gehen!" sagte meine Freundin, die in Oslo lebt ;-))

Direkt an der Bar sind die Panorama-Suiten. Sie sehen ganz toll aus, aber der Balkon geht in Richtung Bar-Bereich. Man hat direkt alle Leute vor sich sitzen. Privatsphäre ist da wohl eher nicht gegeben. Andererseits ist es nur kurz nach der Abfahrt dort oben so voll. Sobald es nichts mehr zu sehen gibt (keine Kieler Bucht mehr bzw. keine Schärengärten mehr), schließt die Bar auf dem Sonnendeck und es öffnet die im Inneren des Schiffes. Alles spielt sich auf Deck 7 ab - Shop, Restaurant, Bühne, Kinderspielecke...sie war eher klein, aber zumindest mein Sohn fand es super. Für das Alter meiner Tochter gab es nichts, außer einen Nintendo DS zum Ausleihen.

Die Überfahrt dauert gut 14 Stunden. Oder:


Mit knapp 30 km/h geht es über die Ostsee, mentholbetrieben, die dunklen Wolken aus dem Schornstein haben uns beeindruckt, sie waren aber nur bei der Abfahrt zu sehen. Die Nacht über war es ruhig, trotz Gewitter und Windstärke 9. Man merkte nur ein sanftes Schaukeln. Nur das Duschen war komisch, während das Schiff so vor sich hin schaukelte.


Man sollte unbedingt darauf achten, dass man bei seinem Telefon die mobilen Daten und Roaming ausschaltet. Denn trotz Inklusiv-Roaming in fast ganz Europa wird es auf dem Schiff sehr teuer, da es nur Schiffsfunk gibt. Erst in Hafennähe kann man alles wieder beruhigt anschalten.

Aber man braucht die mobilen Daten auch nicht, denn es gibt gratis Wlan, das aber nur in den öffentlichen Bereichen zuverlässig funktioniert. Als ich meinen Begleitern verkündete, dass das Wlan funktioniert, hörte ich eine Frau hinter mir zu ihrem Mann sagen:
"Alle reden von Wlan - ich weiß nicht mal, was das ist!"


Für den Morgen auf der Hinfahrt hatten wir das Frühstücksbuffet gebucht. Das kostete für alle zusammen ca. 30 Euro (vorab gebucht ist es billiger als vor Ort). Es war ein großes Buffet, dessen Angebot ziemlich das enthielt, was auch Hotels bieten - Brötchen mit Aufschnitt aller Art, Marmelade, ein großes Nutella-Glas mit darin steckenden Messer für alle. Lachs, Rührei, gekochte Eier, Speck, Eierkuchen, Müsli, Joghurt, etwas Obst. Saft, Kaffee und Tee natürlich ebenfalls. Es war in Ordnung, wir zogen gestärkt in den Tag.
Auf der Rückfahrt habe ich kein Frühstück mitgebucht, da wir in Kiel in einem Café frühstücken wollten - und das war auch gut, denn auf der Rückfahrt war die Fähre irre voll, alle wollten frühstücken und es kamen immer Durchsagen, man möge sich beeilen, damit noch alle vor Erreichen des Ziels essen können.

Kenn dein Limit...oder so...
Und das Publikum? Bunt gemischt. Familien, Motorradfahrer, alte Leute, etliche Minikreuzfahrer. Und viele Schweden, die zum Einkaufen kamen, da Alkohol auf der Fähre bis zu 60% billiger ist. Man sah Leute mit kleinen Handkarren mit kistenweise Alkohol. Im Schiff wurde auch einiges konsumiert. Manche torkelten schon 30 min nach dem Ablegen. Insgesamt war aber alles ruhig, keine Ballermann-Stimmung oder ähnliches.


Die Einfahrt nach Göteborg ist sehr schön. Blick auf die Schärengärten, kleine rote Häuschen, eine Brücke, unter die das Schiff gerade so hindurchpasst... Möwen kamen und futterten Käsewürfel.



Göteborg... eine Stadt ohne echte Highlights  - keine weltberühmten Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt gesehen haben muss... Aber eine durchaus schöne Stadt. Die Blumenkübel und Rabatten in den Parks waren beeindruckend schön bepflanzt. Hier hat wohl jemand ein echtes Händchen für Gestaltung mit Blumen. Mein Vorschlag, wir könnten eine Hop-on/Hop-off-Tour mit einem Boot machen, wurde leider abgeschmettert mit der Begründung, dass wir ja wohl mehr als genug Boot gefahren seien.

Am Hauptbahnhof gesehen...
Und so ließen wir uns zu Fuß durch die Innenstadt treiben und schauten uns um. Die Zeit reichte nicht wirklich für Vergnügungspark oder Museen, die mir empfohlen wurden. Dafür hatten wir schon zu viel Zeit mit "erst einmal zurecht finden" verbracht.

Schären
Daher ein Tipp: schon vorab bei der Buchung der Minikreuzfahrt ein Tagesticket für die Straßenbahn in Göteborg kaufen. Die Haltestelle ist ca. 200 m vom Deutschlandterminal entfernt und von dort geht es recht fix in die Innenstadt. Das Kaufen der Fahrkarte vorab erspart das Suchen.

Ein wenig nervig ist, dass man im Schiff kein Geld umtauschen kann. Zum Glück gibt es dann in Göteborg alle paar Meter einen Geldautomaten.

Traurig?
Wie gesagt, wir haben den Tag mit Herumlaufen, hier und da schauen, Eis essen und dem Suchen einiger Geocaches verbracht (es gibt hier einen Cache aus dem Jahr 2001...das dürfte für manchen interessant sein :-)). Auch mal ganz schön und das Wetter war großartig.



Wir haben die gesamte Innenstadt gesehen und fuhren dann  zurück zum Deutschlandterminal. Das Gepäck kann man während des Ausflugs übrigens in der Kabine lassen, man fährt mit dem gleichen Schiff ja abends wieder zurück.


Nach knapp 9,5 Stunden legt die Fähre dann wieder ab und es geht zurück nach Kiel. Uns hat es gut gefallen und wir werden mit Sicherheit wieder mal eine Minikreuzfahrt machen, beim nächsten Mal vielleicht dann nach Oslo.


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