Montag, 8. Mai 2017

Urlaub 2017 - Sonne, Wal und Sand...

Der April ist bei uns Reisezeit, zumal die Schule der Großen mal wieder die Prüfungen der älteren Schüler so gelegt hat, dass für alle anderen direkt vor und nach den Ferien frei haben. Da der Kleine erst ab dem Herbst zur Schule geht, bietet es sich an, dies noch zu nutzen. Wie immer haben wir uns spät entschlossen... Aus mir wird kein "Monatelang-im-Vorraus-Bucher" mehr ;-).


Wir wollten irgendwohin, wo es warm ist. Definitiv warm. Nicht nur vielleicht warm. Also schied alles rund ums Mittelmeer aus. Endlos lange fliegen wollte ich aber auch nicht. Damit scheiden viele Fernziele aus. Mein Blick fiel auf ein Kanaren-Angebot, das mir günstig erschien. 10 Tage Gran Canaria für 4 Personen für insgesamt knapp 1400 Euro samt Flügen und einem vernünftigen Hotel.

Bei den Flügen stand Niki/Air Berlin und Condor zur Auswahl. Wir entschieden uns für letzteres, nachdem Air Berlin vor 10 Jahren auf dem Weg nach Lanzarote ziemlich ätzend war. Ein klassischer Fall von: Es gibt nur eines, woran sich Kunden noch besser erinnern, als guten Service - nämlich schlechten Service. Ich bin seitdem nur ein einziges Mal noch einmal Air Berlin geflogen und das auch nur, weil ich es in dem Fall nicht aussuchen konnte.

Auf den zweiten Blick stellte ich fest, dass ich exakt an diesem Ort schon war war, mehrmals sogar. Anfang der 90, als ich so 10, 11 Jahre alt war, verbrachten meine Eltern und ich zwei Mal den Urlaub dort. Und zwar wirklich nahezu genau dort, lediglich im Nachbarhotel. Damit war klar, der Strand ist nah und wirklich groß, das Einkaufszentrum nicht weit und keine fiesen Überraschungen möglich wie "Der Strand ist zwar nur 200 m entfernt, leider ist da noch eine Klippe.".... Sonst verbringen wir vor dem Urlaub immer viel Zeit mit Recherche, um vor Ort bestens gewappnet zu sein. Das war diesmal nicht nötig. Keine komischen Überraschungen. Auch mal ganz angenehm.


Am Flughafen noch hier in Berlin kamen mir erste Zweifel. Mir war klar, dass die Insel schon aufgrund der günstigen Preise alle möglichen Leute anzieht. Mir war es im Vorfeld auch etwas peinlich, zuzugeben, wo wir hinfahren. Auf Fragen wie "Wohin fliegt Ihr?" antwortete ich vorab leicht ausweichend mit "Kanaren"... Vor Ort unterhielt ich mich zufällig mit einem anderen Touristen. Auch er meinte "mir ist das Reiseziel ja echt peinlich... aber eigentlich ist es schön hier. Und so ungefährlich. Ich mag zur Zeit nicht in die Türkei, nach Ägypten oder Tunesien". Allgemein trafen wir viele Leute, die genau aus solchen Gründen dort waren. Auch erstaunlich viele Leute, die in den 80ern oder frühen 90ern schon dort waren und nun erstmals seitdem wieder hingeflogen sind.

 Am Gate in Schönefeld stand dann eine Mischung aus Senioren, überdurchschnittliche viele Männern und Familien in Jogginghosen. Wir waren overdressed in Jeans...! Senioren und Jogginghosenträger sausten auch los, als die Gratis-Zeitschriften zum Zugreifen aufgestellt wurden... Super-Illu für alle...Hurra...

Nach 5 Stunden Flug in einem 16 Jahre alten Flugzeug, das aber optisch prima aussah, waren wir da. Es gab nichts zu essen oder zu trinken, was ich bei 5 Stunden schon komisch finde. Dafür immerhin Filme. Und der Akku vom Tablet hielt exakt diese Zeit durch.

Die Landung war leicht turbulent, man sieht es in unserem Landevideo. Das Gekreische und das Klatschen sind nicht von uns!


Erster Eindruck der Insel: wie früher, nur moderner.  Noch rasch in den Flughafen-Supermarkt gesaust, um Getränke zu besorgen und über die moderaten Preise gestaunt. Die Fahrt mit dem Bus nach Playa del Ingles - ja genau, die Touristenhotelstadt im Süden - war kürzer als früher. Oder ich war als Kind ungeduldiger.

Der Ort hat sich teilweise verändert. Durchaus zum Positiven. Klar, es reiht sich nach wie vor ein Hotel ans andere. Wobei das schlagartig endet, wenn man nicht in Richtung Strand läuft, sondern in die andere Richtung. Da gibt es Wohnhäuser, sogar ein paar (sehr einfache) Spielplätze....Viel karge Flächen, man merkt, es regnet nicht viel. Wir sahen sogar ein paar Riesen-Echsen. Und Katzen, überall Katzen. Sogar welche mit langen Haaren. Ich hätte ja zu gern eine mitgenommen ;-).


Das Hotel.... drei Sterne, Familienzimmer mit 2 Schlafzimmern, Wohnzimmer, voll eingerichteter Küche, Bad und Balkon. Es wird darauf geachtet, dass man keine Liegen am Pool mit Handtüchern reserviert, dass keine Handtücher über der Balkonbrüstung hängen und niemand auch nur darüber nachdenkt, von der Terrasse in den Pool zu hüpfen. Ein Rettungsschwimmer wachte über allem. Und der Pool war beheizt auf 29°C. Das soll inzwischen in nahezu allen Hotels in dem Ort so sein.


Das Publikum... gemischt. Das erste, was wir beim Aussteigen aus dem Bus sahen: Mann mit Bierplauze und darauf befindlichem Sonnenbrand, offenem Hemd, Sandalen mit Socken. Ärgs. Ja, auch am Strand waren so einige. Aber nicht nur. Man merkte aber, dass hier einige Senioren wohl den Winter verbringen. Manche hatten Haut, die eher an Leder erinnerte. Aber als in Deutschland dann überall Ferien waren, kamen auch mehr Familien. Am Strand gibt es Bars mit Schlagermusik. Und in Einkaufszentren fast immer mindestens einen Swingerclub (und wir haben am einem Samstagabend geschaut, wer da hingeht... das Publikum ist auch da älter ;-)). Das Yumbo-Center ist abends offenbar ein Gay-Paradies, aber auch ein Einkaufszentrum.
Alles in allem: Urlauber halt. Touristen. Keine Sangria-Eimer, keine Stimmung wie Llroet de mar. Gut so.

Der Strand... riesig wie schon vor 25 Jahren. Jede Menge Dünen in Maspalomas. Strandabschnitte für jeden...Familien, FKK-Freunde, Gays (samt Cruising-Gebiet verborgen in den Dünen... teilweise wird nackt mit Zelt gewartet - DAS habe ich so in Berlin noch nie gesehen ;-)). Es gibt sogar einen Strandbereich, an dem man mit dem Rollstuhl zum Strand kann, mit dazugehöriger Dusche. Man ist offenbar auf sämtliches Publikum eingestellt. Das merkte man auch im Hotel - laut einem Zettel an der Rezeption konnte man nicht nur Babybettchen mieten, sondern auch einen Duschsitz oder Rollator. In der Nähe war auch ein Fahrradverleih, der hochwertige Mountainbikes verlieh und wo jeden Morgen viel los war.


Es gibt angenehmerweise keine nervigen Leute mehr, die einem irgendwelche Timesharing-Wohnungen anhexen wollen. Auch keine Kaffeefahrten mehr, wo Leute zu Werbezwecken herumgekarrt werden (und Werber für diese Fahrten einem ständig anquatschen). Man wird allgemein nicht mehr ständig angesprochen. Sicher, ab und an möchte einem jemand eine Sonnenbrille verkaufen oder ähnliches, aber ein simples "Nein" reicht und der Spuk ist vorbei. Deutlich angenehmer als vor 25 Jahren.


Da wir keine Verpflegung mitgebucht hatten, ging es zum Essen immer hinaus. Morgens zum Bäcker, mittags gab es eine Kleinigkeit vom Supermarkt, abends testeten wir die Restaurants durch. Die Angebote waren überwiegend ähnlich, aber gut und zu ebenfalls günstigen Preisen. Was mich wunderte: abends werden Heizpilze aufgestellt, damit man auch wirklich nicht fröstelt.


Wir haben natürlich Wanderungen gemacht - mal nach Süden, mal nach Norden, meist am Wasser, mal etwas im "Inselinneren", wobei es da recht schnell steil, karg und unwegsam wird. Wir haben den Leuchtturm in Maspalomas angeschaut, Rockpooling bei Ebbe an einigen Stränden gemacht, jede Menge kleine Badebuchten entdeckt, die allerdings alle immer hohen Wellengang hatten. Schnorcheln konnte man nirgendwo wirklich. Eventuell ginge es in Puerto Rico im Südwesten, dort sah die Bucht ruhiger aus (dafür war der Strand so klein, dass die Leute wie Sardinen herumlagen).



Am Aeroclub Gran Canaria kann man Tragschrauber fliegen oder Cessna... oder diese alte DC-7 bewundern, die Binter Canarias restauriert hat. Das Flugzeug aus dem Jahr 1958 flog einst für Swiss, SAS und Japan Airlines, später für Spantex. Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass dieses recht kleine Flugzeug früher über den Atlantik flog.


Auf einen Mietwagen haben wir entgegen unserem Plan verzichtet. Es gab genug in der Umgebung und auf Kraxeln durchs Gebirge hatte ich mit den Kindern ohnehin nicht so recht Lust. Die Hauptattraktionen für Touristen, ein Wasserpark sowie der Palmitos Park, eine Art Zoo, sind für kanarische Verhältnisse teuer. Der Wasserpark ist toll, aber kleinere Kinder können da nicht wirklich viel machen. Das meiste sind eher heftig waghalsige Rutschen.


Dass man in Spanien ist, merkt man nicht. Jeder spricht Deutsch und das fast immer so gut, dass man fröhlich drauflos plaudern kann. Das war vor 25 Jahren noch nicht ganz so...

WLAN gab es im ganzen Ort und gratis. Es war abends manchmal etwas lahm, aber meistens lief es ganz gut. Das ist man so gar nicht gewohnt, dass es öffentliches WLAN gibt, das auch noch einfach funktioniert. Und wo kein Wlan war, war wenigstens LTE. Sogar 20 km weit draußen auf dem Meer...!


Am vorletzten Tag entschieden wir uns zu einem Bootsausflug. Ich hatte die ganzen Tage immer schon Werbung für Bootsfahrten zu Delphinen gesehen. Eigentlich habe ich es für Nepp gehalten. So wie die Wanderungen zu Tigern in Indien, wo sich dann herausstellt, dass da vor 20 Jahren letztmalig ein Tiger gesehen wurde. Aber nachdem uns im Hotel andere versicherten, viele Delphine gesehen zu haben, buchten wir einen Ausflug. Dauer: 2 Stunden, Kostenpunkt für 4 Personen: 74 Euro. Mit Delphingarantie - wenn man keine sieht, darf man am Folgetag noch einmal wiederkommen und gratis mitfahren. Im Netz waren zu der Tour sehr viele Berichte zu übelster Seekrankheit. Hm. Es war nur Windstärke 2, also wagten wir es.


Ja, es wackelte, aber niemandem wurde übel. Auf dem Oberdeck schwankte es extrem. Mit ganz kleinen Kindern (oder Wildfängen) würde ich die Tour nicht machen, auch weil das Schiff nicht rundum zu ist. Nachdem wir schon fast eine Stunde immer weiter aufs offene Meer gefahren waren, sah man Delphine, aber nur von Weitem. Sie sprangen hoch, aber wir hatten uns das anders vorgestellt. Einige Kinder murrten. Bis plötzlich die Ansage kam, dass vor uns ein Pottwal sei. Man sah die Wasserfontäne nach oben sprühen. Der Motor vom Boot wurde es ausgemacht, es schwankte ganz arg, als das Boot den Wellen überlassen wurde. Dann war der Wal eine ganze Weile neben dem Boot, ließ sich gut beobachten, bis er ganz klassisch mit Flosse nach oben abtauchte.


Alles in allem:  Schön war es. Klar, es gibt keine kulturellen Highlights, es ist kein besonders ausgefallenes Reiseziel, fast jeder war schon dort, es gibt einfach nur Strand, Meer, beheizte Pools, Katzen und Echsen, viele Wandermöglichkeiten und zahlreiche Restaurants. Zum Relaxen oder Familienurlaub ausreichend und wir würden wieder hinfahren, wenn uns das Wetter hier zu kalt ist.

Kommentare:

  1. der_Grillfreund16. Mai 2017 um 15:49

    Wie? Nur 20 Geocaches? Was habt ihr denn den ganzen Tag gemacht? *GGGGGG*

    Viele Grüße aus Bonn
    dG

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    1. Gute Frage ;-) Nein, im Ernst, die lagen recht weit auseinander. Im Nachbarort waren ganze Trails, aber immer steil den Berg hoch. Dazu konnte ich die Kinder nicht wirklich motivieren. Aber bald geht es zum Cachen nach Schweden und dann mal für einen Tag NUR zum Cachen nach Bremen.

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