Freitag, 3. April 2020

Einmal um die Ostsee - Teil 2: Stockholm

Puh...darf man in Zeiten, in denen man nicht verreisen kann, über vergangene Reisen bloggen? Hm. Immerhin habe ich endlich Zeit dafür, denn aktuell bin ich mehr oder minder immer zu Hause statt mehrfach pro Woche in halb Deutschland unterwegs zu sein. Hätte mir vor vier Wochen jemand gesagt, dass man als Berliner aktuell nicht einmal mehr zur Ostsee kommt...ich hätte es definitiv nicht geglaubt.

Landeanflug
Zur Zeit ist also viel Zeit zum Bloggen. Die Wohnung ist inzwischen nämlich schon geputzt und aufgeräumt, der Garten ist frühlingsfit und wird nun noch umgestaltet... Und ich habe inzwischen schon erstaunlich viel erledigt, was seit langer Zeit halt immer so liegen geblieben ist....

Stockholm-Männchen, dessen Name ich vergessen habe
Also...kommen nun der nächste Beitrag zu der Ostsee-Umrundung, damals, als es noch möglich war...Vielleicht geht es ja bald wieder und vielleicht jemand mag es nachmachen (bei konkreten Fragen, am besten per Mail anfragen). Wir waren, wie schon gesagt, quasi mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, keine Pauschalbuchung, keine geführte Tour, kein eigenes Auto, wobei das mit den Fähren problemlos möglich wäre. Wir haben auch Radfahrer gesehen, die diese Tour oder ähnliche Strecken fuhren. Das finde ich durchaus interessant, vermute aber, dass es sehr lange dauert und die Küste soll hügeliger sein als man so annimmt am Meer.

Also... Erster Tag, erstes Land: Schweden

Stockholm begrüßte uns mit Regen. Sonst haben wir bei Reisen fast immer Glück mit dem Wetter. Wir hatten schon London im Sonnenschein, mehrere Tage Irland mit Sonnenschein ("that does not happen often!" sagte unsere Vermieterin) und überhaupt... Stockholm bildete eine Ausnahme und als wir aus dem sonnigen Berlin ankamen, war der erste Einkauf ein tütenartiger Regenponcho...

Regentüte
Und vielleicht hätte uns Stockholm in der Sonne auch gefallen. So wird es uns irgendwie grau in Erinnerung bleiben. Und sehr teuer. Das merkten wir bereits bei der Planung. An dem Wochenende war irgendein Festival und das ließ die ohnehin hohen schwedischen Preise in ungeahnte Höhen steigen. Ich habe lange herumgesucht, bei AirBnB, bei Booking.com, aus Verzweiflung irgendwann bei Hostelworld, in der Hoffnung, dort vielleicht zumindest ein Zweibettzimmer auftreiben zu können. Für einen Schlafsaal bin ich definitiv zu alt.
 Es wurde dann AirBnB und "nur" ein Gästezimmer in der Nähe von Stockholm, in einem Vorort namens Sticklinge. Keine Ferienwohnung, sondern ein Zimmer in einer Wohnung bei einer älteren Frau. In diesem Vorort war es sehr nett und heimelig (oder wie nennt man das jetzt? Hygge?). Der einzige Supermarkt war eine Art Tante Emma-Laden. Und die Schule war eine gemütlich aussehende Holzhäuseransammlung, in einer Senke gelegen und zu erreichen über diverse Rutschen! Echt wahr. So kann der Schulweg Spaß machen ;-)

Von Stockholm hatte ich viel Gutes gehört. Vielleicht war das wieder so ein Fall von "zu hohe Erwartungen". Wie damals in Barcelona, das auch einfach nicht überzeugen konnte. Kommt man in Stockholm an, ist man, wenn man dem Flieger einreist, ziemlich weit draußen. Das Ticket für den Bus kostet fast mehr als der Flug von Berlin nach Stockholm, aber zugegeben, die Preise von easyJet sind auch nicht wirklich realistisch. Man fährt durch karge Landschaft, viele Steine hat die Eiszeit hier liegen gelassen.

Faltboot aus Plastik
Fun Fact in Sachen Eiszeit: der Erdboden wird noch immer angehoben, weil er damals bei der Eiszeit vom Eis heruntergedrückt wurde und immer noch nach oben kommt. In Stockholm kann man das an manchen Brücken sogar sehen. Ich finde das total faszinierend. Auch wenn das Abheben des Festlandes wohl vom Anstieg des Meeresspiegels wieder wett gemacht wird, so dass es vielleicht dann irgendwann doch nicht mehr so gut sichtbar ist am Wasserstand? Ich weiß es nicht. Aber interessant, was es so gibt.

Stockholm ist eine Großstadt, klar, und irgendwie unübersichtlich. Viel Wasser, viele große Straßen, einige nur für Autos, wie Stadtautobahnen und das gleich am Bahnhof. Selbst der Bahnhof ist schon irgendwie kompliziert, mit vielen Wegen, die in Sackgassen enden oder wo man nicht mehr weiterkommt, weil es nur mit Ticket für einen Zug weitergeht.Oder man gerät in den Busbahnhof, der gleich mit beim Bahnhof ist und irgendwie damit verbunden, aber auch irgendwie nicht. Man kann dort erstaunlich viel Zeit verplempern. Und Fossilien sehen.

Fossil im Bahnhof
Die Straßenführung hat uns ziemlich verwirrt, trotz Google Maps und GPS-Geräten mit Open Streetmap-Karten standen wir immer wieder vor Straßen, die als Fußgänger nicht zu überqueren waren. Ich mag schon die Stadtautobahn in Berlin nicht, die sich in Gegenden wie Tempelhof oder Friedenau einem in den Weg stellt. Aber wenigstens ist die nicht so in der Innenstadt wie in Stockholm. Viele Umwege und Wirrungen später waren wir in Gamla Stan, der Altstadt. Es ist schon schön, hübsche Architektur, das viele Wasser hat auch was und die Inselchen, auf die man mit kleinen Fähren fahren kann, aber nun ja...Wir kennen nun auch das Gebäude, in dem das Stockholm-Syndrom seinen Namen bekam. Interessanter Fakt, durchaus. Ich habe zuvor nie darüber nachgedacht.

Auf den Gewässern der Stadt waren nicht nur Fähren, sondern auch die ersten Kreuzfahrtschiffe. Sie sollten uns irgendwie begleiten bis nach Estland.

Wir kamen auch - es war Freitag - an einer Friday for Future-Demo vorbei. Gleich da, wo mal mit Greta und dem Plakat alles begann. Vermutlich lag es am Wetter. Es waren nur ca. 10 Leute dort. Hätte es kein Plakat gegeben, hätte ich gedacht, da treffen sich eben ein paar Leute.

Schön hier
Man zahlt überall ohne Bargeld, durchaus ganz praktisch, das erspart den Umtausch von Euro in Kronen und man kann auch sicher sein, dass man nirgendwo doof angeschaut wird, wenn man einen geringen Betrag mit Karte zahlt. Es gibt sogar eine Menge bargeldfreie Imbisse. Meine Idee, erstmals eine Ramen-Nudelsuppe zu essen, endete um Haaresbreite mit einer allergischen Reaktion der Extraklasse. Ich habe es zum Glück rechtzeitig bemerkt...

Schrägstes Foto von mir ever... 
Wir waren durchaus ganz froh, nur einen Tag in Stockholm eingeplant zu haben. Die Altstadt hatten wir gesehen, sind auch am Vergnügungspark und dem nahen Abba-Museum vorbeigekommen und sind auf ein paar kleinen Inselchen gewesen. Im Grunde hätten wir ruhig abends schon weiterfahren können...

Ich verstehe dieses Schild absolut nicht...warum steht die gleiche Zeit dort 3x? Wochentage, (Samstage) Sonntage in rot? Aber warum, wenn die Uhrzeit immer gleich ist?
Wir fanden eine ganze Menge Geocaches und nach über 30.000 Schritten ging es in die Unterkunft im Vorort. Den erreichte man eigentlich ganz komfortabel mit dem Bus. Unsere Vermieterin öffnete uns mit einem knurrenden Yorkshire-Terrier die Tür ("He thinks he is a wolf!") die Tür und erklärte uns, dass morgens kein Bus mehr von dort wegfahren wird, weil erst ab 8 Uhr die Busse einsetzen am Wochenende. Man könnte die 7 km in die Stadt aber quer durch den auch nachts beleuchteten (!) Wald zu Fuß gehen! Da unsere Fähre Richtung Alandinseln aber schon früh am Morgen ablegte, blieb nur das Taxi, was auch ein sehr gute Entscheidung angesichts des definitiv nicht sehr übersichtlichen Fährterminals war...

Ach ja, für die geocachenden Leser hier: in der Nähe von Stockholm ist ein Cache aus dem Jahr 2000, also ein ganz alter und wer den finden möchte, muss eine ganze Weile hinaus ins Nirgendwo fahren.

Hab keine gesehen...
Alles in allem: nun ja. Eine Stadt. Eine Großstadt. Etwas unübersichtlich und in Teilen nicht sehr fußgängerfreundlich, hübsche Architektur, keine so richtig Highlights und relativ teuer. Schon zum zweiten Mal konnte mich Schweden nicht so ganz überzeugen, aber das ist ja, wie alles, Geschmackssache.

Hasenumfall

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