Dienstag, 5. Mai 2020

Schnabelmaske

Immer wenn man denkt, verrückter geht es nicht mehr, wird etwas kommen, was es eben doch toppen wird... so wie dieser Schnabeldoktor mit Kräuterkorb im hiesigen Aldi... Kommentar der Kassiererin "Ich glaube, ich gehe nach Hause"...


Freitag, 3. April 2020

Einmal um die Ostsee - Teil 2: Stockholm

Puh...darf man in Zeiten, in denen man nicht verreisen kann, über vergangene Reisen bloggen? Hm. Immerhin habe ich endlich Zeit dafür, denn aktuell bin ich mehr oder minder immer zu Hause statt mehrfach pro Woche in halb Deutschland unterwegs zu sein. Hätte mir vor vier Wochen jemand gesagt, dass man als Berliner aktuell nicht einmal mehr zur Ostsee kommt...ich hätte es definitiv nicht geglaubt.

Landeanflug
Zur Zeit ist also viel Zeit zum Bloggen. Die Wohnung ist inzwischen nämlich schon geputzt und aufgeräumt, der Garten ist frühlingsfit und wird nun noch umgestaltet... Und ich habe inzwischen schon erstaunlich viel erledigt, was seit langer Zeit halt immer so liegen geblieben ist....

Stockholm-Männchen, dessen Name ich vergessen habe
Also...kommen nun der nächste Beitrag zu der Ostsee-Umrundung, damals, als es noch möglich war...Vielleicht geht es ja bald wieder und vielleicht jemand mag es nachmachen (bei konkreten Fragen, am besten per Mail anfragen). Wir waren, wie schon gesagt, quasi mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs, keine Pauschalbuchung, keine geführte Tour, kein eigenes Auto, wobei das mit den Fähren problemlos möglich wäre. Wir haben auch Radfahrer gesehen, die diese Tour oder ähnliche Strecken fuhren. Das finde ich durchaus interessant, vermute aber, dass es sehr lange dauert und die Küste soll hügeliger sein als man so annimmt am Meer.

Also... Erster Tag, erstes Land: Schweden

Stockholm begrüßte uns mit Regen. Sonst haben wir bei Reisen fast immer Glück mit dem Wetter. Wir hatten schon London im Sonnenschein, mehrere Tage Irland mit Sonnenschein ("that does not happen often!" sagte unsere Vermieterin) und überhaupt... Stockholm bildete eine Ausnahme und als wir aus dem sonnigen Berlin ankamen, war der erste Einkauf ein tütenartiger Regenponcho...

Regentüte
Und vielleicht hätte uns Stockholm in der Sonne auch gefallen. So wird es uns irgendwie grau in Erinnerung bleiben. Und sehr teuer. Das merkten wir bereits bei der Planung. An dem Wochenende war irgendein Festival und das ließ die ohnehin hohen schwedischen Preise in ungeahnte Höhen steigen. Ich habe lange herumgesucht, bei AirBnB, bei Booking.com, aus Verzweiflung irgendwann bei Hostelworld, in der Hoffnung, dort vielleicht zumindest ein Zweibettzimmer auftreiben zu können. Für einen Schlafsaal bin ich definitiv zu alt.
 Es wurde dann AirBnB und "nur" ein Gästezimmer in der Nähe von Stockholm, in einem Vorort namens Sticklinge. Keine Ferienwohnung, sondern ein Zimmer in einer Wohnung bei einer älteren Frau. In diesem Vorort war es sehr nett und heimelig (oder wie nennt man das jetzt? Hygge?). Der einzige Supermarkt war eine Art Tante Emma-Laden. Und die Schule war eine gemütlich aussehende Holzhäuseransammlung, in einer Senke gelegen und zu erreichen über diverse Rutschen! Echt wahr. So kann der Schulweg Spaß machen ;-)

Von Stockholm hatte ich viel Gutes gehört. Vielleicht war das wieder so ein Fall von "zu hohe Erwartungen". Wie damals in Barcelona, das auch einfach nicht überzeugen konnte. Kommt man in Stockholm an, ist man, wenn man dem Flieger einreist, ziemlich weit draußen. Das Ticket für den Bus kostet fast mehr als der Flug von Berlin nach Stockholm, aber zugegeben, die Preise von easyJet sind auch nicht wirklich realistisch. Man fährt durch karge Landschaft, viele Steine hat die Eiszeit hier liegen gelassen.

Faltboot aus Plastik
Fun Fact in Sachen Eiszeit: der Erdboden wird noch immer angehoben, weil er damals bei der Eiszeit vom Eis heruntergedrückt wurde und immer noch nach oben kommt. In Stockholm kann man das an manchen Brücken sogar sehen. Ich finde das total faszinierend. Auch wenn das Abheben des Festlandes wohl vom Anstieg des Meeresspiegels wieder wett gemacht wird, so dass es vielleicht dann irgendwann doch nicht mehr so gut sichtbar ist am Wasserstand? Ich weiß es nicht. Aber interessant, was es so gibt.

Stockholm ist eine Großstadt, klar, und irgendwie unübersichtlich. Viel Wasser, viele große Straßen, einige nur für Autos, wie Stadtautobahnen und das gleich am Bahnhof. Selbst der Bahnhof ist schon irgendwie kompliziert, mit vielen Wegen, die in Sackgassen enden oder wo man nicht mehr weiterkommt, weil es nur mit Ticket für einen Zug weitergeht.Oder man gerät in den Busbahnhof, der gleich mit beim Bahnhof ist und irgendwie damit verbunden, aber auch irgendwie nicht. Man kann dort erstaunlich viel Zeit verplempern. Und Fossilien sehen.

Fossil im Bahnhof
Die Straßenführung hat uns ziemlich verwirrt, trotz Google Maps und GPS-Geräten mit Open Streetmap-Karten standen wir immer wieder vor Straßen, die als Fußgänger nicht zu überqueren waren. Ich mag schon die Stadtautobahn in Berlin nicht, die sich in Gegenden wie Tempelhof oder Friedenau einem in den Weg stellt. Aber wenigstens ist die nicht so in der Innenstadt wie in Stockholm. Viele Umwege und Wirrungen später waren wir in Gamla Stan, der Altstadt. Es ist schon schön, hübsche Architektur, das viele Wasser hat auch was und die Inselchen, auf die man mit kleinen Fähren fahren kann, aber nun ja...Wir kennen nun auch das Gebäude, in dem das Stockholm-Syndrom seinen Namen bekam. Interessanter Fakt, durchaus. Ich habe zuvor nie darüber nachgedacht.

Auf den Gewässern der Stadt waren nicht nur Fähren, sondern auch die ersten Kreuzfahrtschiffe. Sie sollten uns irgendwie begleiten bis nach Estland.

Wir kamen auch - es war Freitag - an einer Friday for Future-Demo vorbei. Gleich da, wo mal mit Greta und dem Plakat alles begann. Vermutlich lag es am Wetter. Es waren nur ca. 10 Leute dort. Hätte es kein Plakat gegeben, hätte ich gedacht, da treffen sich eben ein paar Leute.

Schön hier
Man zahlt überall ohne Bargeld, durchaus ganz praktisch, das erspart den Umtausch von Euro in Kronen und man kann auch sicher sein, dass man nirgendwo doof angeschaut wird, wenn man einen geringen Betrag mit Karte zahlt. Es gibt sogar eine Menge bargeldfreie Imbisse. Meine Idee, erstmals eine Ramen-Nudelsuppe zu essen, endete um Haaresbreite mit einer allergischen Reaktion der Extraklasse. Ich habe es zum Glück rechtzeitig bemerkt...

Schrägstes Foto von mir ever... 
Wir waren durchaus ganz froh, nur einen Tag in Stockholm eingeplant zu haben. Die Altstadt hatten wir gesehen, sind auch am Vergnügungspark und dem nahen Abba-Museum vorbeigekommen und sind auf ein paar kleinen Inselchen gewesen. Im Grunde hätten wir ruhig abends schon weiterfahren können...

Ich verstehe dieses Schild absolut nicht...warum steht die gleiche Zeit dort 3x? Wochentage, (Samstage) Sonntage in rot? Aber warum, wenn die Uhrzeit immer gleich ist?
Wir fanden eine ganze Menge Geocaches und nach über 30.000 Schritten ging es in die Unterkunft im Vorort. Den erreichte man eigentlich ganz komfortabel mit dem Bus. Unsere Vermieterin öffnete uns mit einem knurrenden Yorkshire-Terrier die Tür ("He thinks he is a wolf!") die Tür und erklärte uns, dass morgens kein Bus mehr von dort wegfahren wird, weil erst ab 8 Uhr die Busse einsetzen am Wochenende. Man könnte die 7 km in die Stadt aber quer durch den auch nachts beleuchteten (!) Wald zu Fuß gehen! Da unsere Fähre Richtung Alandinseln aber schon früh am Morgen ablegte, blieb nur das Taxi, was auch ein sehr gute Entscheidung angesichts des definitiv nicht sehr übersichtlichen Fährterminals war...

Ach ja, für die geocachenden Leser hier: in der Nähe von Stockholm ist ein Cache aus dem Jahr 2000, also ein ganz alter und wer den finden möchte, muss eine ganze Weile hinaus ins Nirgendwo fahren.

Hab keine gesehen...
Alles in allem: nun ja. Eine Stadt. Eine Großstadt. Etwas unübersichtlich und in Teilen nicht sehr fußgängerfreundlich, hübsche Architektur, keine so richtig Highlights und relativ teuer. Schon zum zweiten Mal konnte mich Schweden nicht so ganz überzeugen, aber das ist ja, wie alles, Geschmackssache.

Hasenumfall

Statt Party...

Letzte Woche wurde unser Jüngster 9 Jahre alt. Geplant war, selbstverständlich, eine Party mit Freunden. Seit einigen Wochen hatte er geplant und überlegt, wen er einladen wird und was er alles machen möchte. Und dann fiel alles aufgrund des aktuellen Kontaktverbotes aus. Sattdessen gab es immerhin Videobotschaften von einigen seiner Freunde. Wie schön, dass zumindest so etwas heute möglich ist. Wenn ich mir vorstellen, zu meiner Schulzeit hätte es solch ein Kontaktverbot gegeben und man hätte sich Briefe schreiben müssen...Wobei vermutlich auch das irgendwie gegangen wäre :-). Die Post ist aktuell auch nicht die schnellste... so kam auch bei uns ein rechtzeitig bestelltes Geburtstagsgeschenk zu spät an.

Viele Firmen reagieren momentan auf die Krise - mal gibt es kostenlose Zeitschriften zum Download, mal Hörbücher oder eben auch Trost für einen ausgefallen Geburtstag. Bei Escape Berlin gibt es momentan eine Aktion für Kinder, die in dieser Zeit Geburtstag haben. Eltern können ihre Kinder anmelden und zum Geburtstag kommt dann eine Postkarte und ein kleines Geschenk. Vielleicht ist es für den einen oder anderen ja interessant.


Dienstag, 28. Januar 2020

Escape Game, Teil 3: Auf der Suche nach Sherlock Holmes

Wir waren wieder einmal bei Escape Berlin und haben ein weiteres Spiel gespielt. Gerade jetzt im Winter sind solche Spiele, die unserem Hobby, dem Geocachen, ähnlich sind, aber eben drinnen gespielt werden, sehr willkommen und so freute mich, dass es sich erneut ergab, hierher zu gehen. In Berlin gibt es zahlreiche Anbieter von Escape-Games. Die Übersicht findet man hier.



Und so buchten wir auf der Webseite erneut ein Spiel für 5 Personen. Wir hatten einen Gutschein und binnen weniger Augenblicke war ein Termin ausgewählt und gebucht. Wir entschieden uns (wieder) dafür, das Spiel in der vorgesehenen Zeit von einer Stunde zu spielen. Es wäre möglich, noch mehr Zeit hinzubuchen, was vermutlich sinnvoll ist, wenn man erstmals spielt und noch nicht weiß, was auf einen zu kommt und ob man es realistisch schaffen kann. Da wir es bei den letzten beiden Spielen auch in der "Regelspielzeit" geschafft haben, wählten wir dies auch bei diesem Spiel. 

Escape Berlin bietet aktuell fünf verschiedene Spiele an. Nachdem wir das Horrorspiel Kidnapped und Knast 13 bereits gespielt haben, fiel nun unsere Wahl auf Sherlock Holmes. Zur Wahl standen ansonsten noch das Spiel Big Päng und der Schnapsladen.

Man findet Escape Berlin in einem durchaus etwas unscheinbaren Haus nah am S Landsberger Allee. Parkplätze sind auch völlig problemlos zu finden.

Pünktlich ging es los. Auch dieses Mal waren wir ein wenig eher da und konnten sofort nach dem Einschließen von Taschen und Jacken (und vor allem auch Telefonen) direkt loslegen. Ich würde immer raten, etwa 15 Minuten eher da zu sein, denn man wird wirklich erwartet.

Und dann ging es los: Der Raum wurde geöffnet, man erhielt eine knappe Instruktion, um sich in der Szenario hineindenken zu können und dann ging die Tür hinter uns zu. Ziel ist es, binnen einer Stunde alle Rätsel zu lösen und somit den Raum bzw. die Räume verlassen zu können. Über Monitore wird man permanent überwacht, so dass der Spielleiter auch sieht, wenn man verzweifelt nicht mehr weiterkommt. Ggf. gibt es dann auch einen Hinweis.

Dieses Mal sollte es darum gehen, Sherlock Holmes aus seiner Wohnung zu befreien, in der er vor vier Wochen hineingegangen war, aber nicht mehr hinausgekommen sei. Fraglich war natürlich: ist er dann überhaupt noch da? Und lebt er noch?  Man schlüpft in die Rolle der Detektive von Scotland Yard und taucht in eine Szenerie ein, die vor über 100 Jahren spielt. Jede Menge alte Requisiten sind in dem Szenario verbaut, um es authentisch wirken zu lassen. Es ist eine Wohnung mit mehreren Räumen, so dass man auch immer wieder gespannt ist, was wohl im nächsten Zimmer auf einen wartet und vor allem, wie man überhaupt erst einmal hineinkommt.


Das Spiel ist für 2-8 Spieler ausgelegt, ich denke, am besten ist es zu viert oder zu fünft. Nur zu zweit könnten manche Aufgaben gar nicht so leicht zu meistern sein und mit mehr Leuten tritt man sich in manchen kleinen Räumen womöglich ein wenig auf die Füße.

Die Wohnung ist, wie gesagt, so gestaltet, als sei man direkt zu Hause bei Sherlock Holmes ins letzte Jahrhundert gebeamt worden. Alle Aufgaben waren durchaus kniffelig, aber vor allem mit Teamwork gut lösbar und es sind wieder viele schöne Ideen dabei gewesen zum Verschlüsseln von Hinweisen. Dabei sind keine Vorkenntnisse irgendwelcher Art nötig. Das ist ganz gut vorher zu wissen, denn bei zwei Spielelementen hatte ich kurz Bedenken, ob wir das schaffen können.

Wir kamen relativ gut durch das Spiel, nur einmal wuselten wir so lange ratlos herum, dass uns der Spielleiter einen kleinen Tipp über den Monitor gab. Am Ende war Sherlock Holmes schließlich gefunden und wir hätten sogar noch 16 Minuten übrig gehabt. Es gab am Ende wieder die obligatorischen Gruppenfotos, die man dann 30 Minuten später online abrufen kann. Die Fotos kosten nichts zusätzlich.

Alles in allem wieder ein tolles Escape Game und zu empfehlen, insbesondere für Krimi-Fans.


Samstag, 16. November 2019

Einmal drumherum - in 8 Tagen um die Ostsee, Teil 1

Vielleicht kann sich der eine oder andere erinnern: im Sommer 2018 war ich in der Umgebung von Danzig und hatte überlegt, ob es möglich, nach Kaliningrad zu gelangen. Damals waren die Visa-Formalitäten noch kompliziert. Seit Juni 2019 sind sie es nicht mehr und so reifte eine Idee schon seit dem Frühjahr, nachdem ich von diesem neuen e-Visum gehört hatte: Einmal komplett um die Ostsee fahren, inklusive Kaliningrad. Für die Geocacher unter den Lesern ist klar, dass der Hintergrund (auch!) war, möglichst viele Länderpunkte zu sammeln...

Die Reaktionen im Umfeld gingen von "Verrückt, da würde ich definitiv Flextickets buchen, da geht bestimmt ganz viel schief!" von einer Freundin bis "Tja, Mama, mach das mal schön alleine" von Seiten meiner Kinder. Nach dem letzten Satz fiel schon einmal die Idee flach, das in den Sommerferien zu machen. Hätte ich das mit den Kids gemacht, hätte ich aber auch 2-3 Wochen eingeplant.
So war ich dann im September mit einer Freundin unterwegs und da wir nicht unbegrenzt Zeit hatten, wurden es 8 Tage. Länger wollte ich nicht so gern weg ohne die Kinder. Sicher, man ist eh immer in Kontakt, sie waren ja auch nicht allein zu Hause, aber trotzdem....


Ich wurde sehr oft fast schon reflexhaft gefragt, ob wir eine Kreuzfahrt gemacht haben, denn ähnliche Routen werden von einigen Reedereien angeboten. Nein, haben wir nicht gemacht. Mir ist das Konzept "Schwimmendes Pauschalhotel" nichts, ich mag es einfach nicht. Ich bin einfach nicht der Typ, der Pauschalurlaub bucht - das habe ich nur einige Jahre getan, als die Kinder klein waren und man quasi nicht ernsthaft individuell reisen konnte (oder dies schlichtweg in eine riesige stressige Aktion ausgeartet wäre).

In Tallinn, aber auch Helsinki und Stockholm haben wir die Kreuzfahrtouristen gesehen. Natürlich kann man sie nicht alle über einen Kamm scheren, aber die Tendenz war: "Heringsschwarmartig wird zu Tausenden die Stadt geflutet, kaugummikauend gelangweilt dem Guide zugehört, immer den Selfiestick in der Hand (Telefon dabei auch stets eingeschaltet), um immer Fotos oder auch Videos zu machen. Vermutlich für Instagram. Oder den Status. Insbesondere in Tallinn war ich erstaunt über die Menschenmassen. Klar, auch wir gehörten zu den Besuchern und sind somit kein bißchen besser, aber während ich dort vor 15 Jahren mehr oder minder einsam durch die Altstadt lief, schoben wir uns nun mit Menschenmassen durch die Altstadt. Die Tourismus zerstört was er sucht, indem er findet...

Ich wollte diese Reise unbedingt mit öffentlichen Verkehrsmitteln im weitesten Sinne machen. Nichts pauschal organisiertes und keinen Mietwagen. Sondern mit den normalen Verkehrsmitteln, die dort ohnehin unterwegs sind. Theoretisch war möglichst viel Zug geplant, am Ende wurde es kein einziger, sondern Fähren und viele Busse. Übernachtet haben wir einmal auf einer Fähre, sonst in AirBnB-Unterkünften. Leider war es dieses Mal nicht so individuell wie ich es sonst von AirBnB kenne, es waren einige professionelle Anbieter dabei, die man weder sah noch von ihnen je eine Bewertung bekam. So macht mir das persönlich keinen Spaß, aber die Tendenz geht allgemein bei AirBnB dorthin und das ist schade. Es erinnert an eBay, wo die Idee des Gebrauchtwarenhandels abgelöst wurde durch tausende professionelle Händler.


Kostenpunkt der gesamten Reise mit allem drum und dran: 420 Euro für 8 Tage, 2 Flüge, 3 Fährüberfahrten, Bustickets und Übernachtungen. Essen kam hinzu, war aber nirgendwo, außer auf den Alandinseln, wirklich teuer. Sparpotential wäre noch beim Flug nach Stockholm gewesen, den gibt es manchmal noch billiger und wenn man noch billigere AirBnBs oder Hostels gewählt hätte. Aber aus dem Schlafsaal-Alter bin ich raus. Teurer wäre es gewesen, die Flüge durch Züge zu ersetzen, aber möglich. So wäre diese Reise umweltfreundlicher gewesen.

Da ich bereits um detaillierte Infos gebeten wurde zwecks "Nachmachen" gebeten wurde: Hier die Reiseroute mit den jeweiligen Transportmitteln:

1. Flug mit easyJet von Berlin nach Stockholm - ja, es gibt theoretisch einen Zug von Berlin nach Malmö, einen schwedischen Nachtzug, den Snalltarget, mit dem auch Greta nach Berlin kam und der wirklich heimelig aussieht. Im Sommer sehe ich den oft morgens nach Berlin einfahren. Der  Zug fährt aber nur im Sommer.  Und eben nur bis Malmö. Wir wollten nach Stockholm. Mit eben diesem Umstieg hätte die Fahrt von einem Abend bis zum nächsten (frühen) Nachmittag gedauert und ein Vielfaches eines Flugtickets gekostet. Ganz abgesehen davon, fährt dieser Nachtzug nur im Hochsommer. Zu unserer Reisezeit tat er das, ganz knapp, nicht mehr. Die Anreise wäre dadurch so enorm kompliziert gewesen, dass es der Flieger wurde. Für 29 Euro ging es von Tegel nach Stockholm.

Von Stockholm auf die Alandinseln. Hierher ging es mit einer Fähre der SiljaLine. Dauerte 7 Stunden, man hätte aber auch über Nacht fahren können (im Nachhinein wäre dies besser gewesen, denke ich). Das Ticket kostete nur 12 Euro, wir hatten keine Kabine, da wir vormittags fuhren und wunderbar in der Sonne chillen konnten. Stundenlang fährt man die die Schären vor Stockholm, erst spät kommt man hinaus aufs offene Meer.


Abends ging es weiter nach Helsinki mit einer sehr alten Fähre der Viking Line (mit der Mariella, die beim Untergang der Estonia als erste zur Stelle war). 40 Euro mit Kabine auf dem Ankerdeck (ja, ganz unten, kein Fenster, laut, warm, das Wlan kam nicht zu uns durch, aber wir wollten ja eh nur schlafen).

Von Helsinki mit Eckerö Line nach Tallinn. Wieder vormittags, nach nur etwa 2:15 Stunden später waren wir in der estnischen Hauptstadt.

Im Baltikum wollten wir sehr gerne Zug fahren. Aber es war realistisch kaum machbar (das soll sich aber ändern, es gibt Pläne für eine Bahnlinie durchs Baltikum). Aber aktuell geht es kaum. Wenn, dann mit viel Zeit und einer sehr ausgeklügelten Planung. Von Tallinn wollten wir weiter nach Riga. Es gibt Zugverbindungen. Keine durchgehenden, sondern eine über Walk im Südosten des Landes. Dort kann man dann umsteigen in einen lettischen Zug, Umsteigezeit gut 2 Stunden.  Reisezeit insgesamt faktisch den gesamten Tag. Es gibt exakt jeweils einen Zug pro Tag von Tallinn nach Walk und einen dann von Walk nach Riga.

Kann man machen, wenn man echt viel Zeit hat und etrem gerne Zug fährt. Und auch darauf gefasst ist, einen Plan B zu haben, wenn in Walk mal der Zug für die Weiterfahrt ausfällt.
Nach sehr langem Googlen und Jonglieren stand leider fest: es wird der Bus. Lux Express war die am besten bewertete Buslinie und so wählten wir sie. Kostenpunkt um die 15 Euro für die Fahrt nach Riga und ich muss sagen: es war der modernste Reisebus, den ich bisher gesehen habe!

Dies ist nur ein altes Ausstellungsstück!
Von Riga sollte es nach Vilnius gehen. Wieder versuchte ich, Zugtickets zu ergattern. Ich stellte fest, es gibt durchgehende Verbindungen. Aber nur samstags. Dafür dann gleich 3x. Sonst nicht. Wir waren an einem Dienstag in Riga.Tja. Es wurde erneut der Bus. Aus Mangel an Alternativen dieses Mal Ecolines, die nicht so gute Bewertungen hatten, aber in Ordnung waren. Auch hier war der Kostenfaktor bei etwa 15 Euro. Wer diese Strecke mit dem Zug fahrten möchte, sollte die Reise von vornherein so aufziehen, dass man samstags in Riga ist.

Nächste Station der Reise war Kaliningrad. Das Visum für Kaliningrad (nicht für ganz Russland!!) bekommt man mittlerweile völlig problemlos online und kostenlos. Man beantragt es auf der Webseite der russischen Botschaft, einige Tage später kommt es per Email. Einen Reisepass muss man haben und schon geht es hinein in diese Enklave.
Laut Visa-Regularien sollte es zwei Orte geben, an denen man mit diesem Visum per Zug einreisen kann. An diesen beiden Grenzübergängen gab es aber gar keinen Zug oder zumindest definitiv keine durchgehende Verbindung!! Es gibt einen Zug von Vilnius nach Kaliningrad, aber der fährt über einen anderen Grenzübergang. Den darf man mit dem neuen E-Visum nicht nutzen.
Ich konnte es kaum glauben und fragte mehrere Stellen, ob das jetzt ein Irrtum ist. Ich fragte bei der russischen Botschaft, bei der russischen Bahn und bei einem Kaliningrad-Blogger, der sehr kompetent wirkt. Eindeutige Aussage: "nee, geht nicht. Nimm den Bus."
Also... Nachtfahrt von Vilnus nach Kaliningrad mit Eurolines. Es war aufregend. Dazu später in einem gesonderten Post mehr.


Natürlich wollte ich auch per Zug aus Kaliningrad wieder raus, Richtung Danzig. Aber es hätte mir meinetwegen auch Elblag gereicht. Aber... klar... nix. Theoretisch soll es eine Verbindung geben. Die würde nur niemand kennen, nicht mal die am Bahnhof. Tja, keine Ahnung. Ich habe wieder gesucht und recherchiert, polnische Freunde gefragt, darunter auch jemanden aus Danzig, der viel reist. Alle wieder: "nee, das geht nicht. Nimm den Bus!"
Und so wurde es erneut ein Bus. Wieder Ecolines. Die fahren übrigens von Kaliningrad durch nach Berlin und sogar weiter bis Kiel.

Wir stiegen dennoch in Danzig ist, da meine Freundin die Stadt noch nicht kannte. Nach einem Tag vor Ort ging es am nächsten Morgen mit easyJet nach Berlin. Ja, man kann auf dieser Strecke in Tat ohne Umsteigen auch Zug fahren. Habe ich letztes Jahr getan. Aber es war meiner Begleitung nur schwer vermittelbar, warum wir für 40 Euro 6 Stunden Zug fahren sollen, wenn wir für 16 Euro in 40 min in Berlin sind. Ich wurde also überstimmt.

Ach ja, gebucht haben wir alles einzeln und im Internet, auf den Webseiten der Fährunternehmen und Buslinien, Flüge auch direkt bei easyJet. Manchmal war das Buchen der Bustickets etwas schwierig, da die Webseiten mancher Buslinien zwar auf Englisch vorhanden waren, aber bei der Suche oder beim Buchen nur noch in Landessprache verfügbar war. Aber es hat alles geklappt, wozu gibt es Dinge wie den Google Übersetzer? Bezahlt habe ich nahezu überall mit Kreditkarte, was alles problemlos klappte. Und ich habe alles fest gebucht. Alle Busse, alle Fähren. Flextickets gab es gar nicht. Und es hat ALLES funktioniert. Pünktlich auf die Minute.

Das war die Reiseroute. Fotos und mehr gibt es in den nächsten Tagen...

Sonntag, 10. November 2019

Wir müssen leider draußen bleiben

Gestern war es so weit...30 Jahre Fall der Mauer. Normalerweise meide ich Großveranstaltungen aller Art, aber der Junior wollte unbedingt diesen Wünscheteppich sehen, der in den Medien war und den ich auch auf Facebook irgendwie an mir vorbeirauschen sah mit der Hinweis, der sei noch im Aufbau. Also dachte ich mir, dann wird der wohl erst am 9.11. richtig fertig sein, also fahren wir halt mal hin...

Fall of the wall? Zumindest unsere Verwandten aus England verstanden nicht, was das ist...
Es war klar, dass die Sicherheitsvorkehrungen enorm sein werden. Es war dann auch - wie erwartet - alles abgesperrt. Sogar Sperren gegen LKWs wurden hingestellt. In der Zeitung hatte ich gelesen, dass man keine Wasserflaschen über 0,5 ml dabei haben darf. Ok. Kennt man, also war wirklich nur solche Flasche im Rucksack, sonst war der ziemlich leer.

Als wir um 15 Uhr am Brandenburger Tor ankamen, war noch alles abgesperrt. Draußen eine Demo, vermutlich irgendwie rechts, den Flaggen nach zu urteilen und den Gegendemonstranten, die laut anstimmten "Nazis essen heimlich Döner".
Ein paar Meter weiter stand eine Dame im Burgfräuleinkostüm und rief irgendwelche Botschaften über Gott und Religion, sehr laut, wie in Trance. Die Frage, was sie wohl genommen hat, spukte uns allen im Kopf herum.
Ich freute mich mal wieder, dass ich nicht mehr in der Innenstadt wohne, denn entweder wird diese Stadt immer verrückter oder ich bin langsam zu alt für diesen ganzen Wahnsinn.

Da es von der Seite keinen Eingang gab, umrundeten wir das Adlon und gelangten neben dem Holocaust-Mahnmal zu einem Eingang des Geländes. Unsere Frage, ob man irgendwie seitlich durch den Tiergarten einfach zu diesem Teppich gelangt, der ja wohl bis zur Siegensäule gehen sollte, wurde mit einem "ja", mal mit "nein" von zwei nebeneinander stehenden Polizisten beantwortet und dass das Gelände bald öffnen würde.

Irgendwo da hinten ist das Tor...
Da noch so viel Zeit und es  an diesem Standort voll war, beschlossen wir, mal nach so einem Seiteneingang zu schauen. Nach einer sehr großen Runde um den gut gesicherten Tiergarten (doppelte Bauzäune, fest verschraubt -  klar, sonst bringt es nix...was waren das für Zeiten, als sich die Love Parade damals einfach in den Tiergarten ergießen durfte...), gelangten wir an einen wenig frequentierten Eingang. In einiger Ferne der Teppich (keinesfalls bis zur Siegessäule gehend) und die Bühne erahnte man auch.

Taschenkontrollen...das war ja klar, also machte ich meinen Rucksack auf, zeigte meine Wasserflasche und dass sich ansonsten in dem Rucksack nichts weiter befindet außer Geldbeutel, Powerbank und einem Notizbuch. Der gute Mann sagte "ok". Ich interpretierte dies auch als "Ist in Ordnung". Also hielt ich ihm den Rucksack hin, damit er da jetzt bitte so ein weißen Band ranmacht, damit ich reingehen kann.

Terrorrucksack ;-)
Aber dann... "Das geht nicht. Der Rucksack ist zu groß". Es handelt sich um einen eher kleinen Daypack, manche typische Frauenhandtasche ist größer und bei Kontrollen auch unübersichtlicher, zudem hatte man sich ja schon von der Harmlosigkeit meiner Tasche überzeugt. Er hat auch ziemlich genau DinA4-Format, vielleicht minimal größer, aber ich weiß, dass ein DinA4-Block hineinpasst, aber ziemlich "eingepasst" wird.  Bisher war ich auch noch ziemlich überall damit. Aber...nix. Rucksack zu groß. Was bitte ist das Problem? Dass ich da nicht mit dem Backpacker-Rucksack für 4 Wochen Australien reingehen sollte, ist mir klar, denn dann donnert das Ding allen gegen Kopf und stört (ist aber ungefährlich....aber ich verstehe da den Nerv-Faktor). Aber so? Der Rucksack war klein und leer. Ich hätte den auch wie eine Handtasche in der Hand gehalten. Oder haben sie Angst, man klaut etwas und steckt es in den Rucksack? Nur was? Oder sind sind es Sicherheitsgründe? Welche? Was genau kann man mit einem leeren Rucksack tun?

Zudem hatten wir wegen den Nieselwetters einen Regenschirm dabei. Der durfte auch nicht mit. Man könnte den an der Mülltonne anhängen. Da hingen schon etliche andere.

Schirmtonne
Ende vom Lied: Junior ging mit der Oma kurz den Teppich anschauen, die Oma hatte ihre übliche große, heillos vollgestopfte Handtasche dabei, aber die war ja eben eine Handtasche. Ich blieb mit Schirm und Rucksack draußen ;-). Grotesk, lustig, ich musste echt lachen. Und bekam unzählige Diskussionen mit von anderen, die aus dem gleichen Grund draußen bleiben musste.

20 Minuten später war der Junior samt Oma zurück, im Gepäck eine Bratwurst mit uraltem Brötchen und nicht durchgegarte Pommes. Grandios. Catering also mindestens so genial wie die Einlasskontrollen ;-)).

Dass solche Kontrollen nicht nach Logik gehen, weiß ich. Man muss einfach kategorisieren und dann muss man machen, was eben beschlossen wird. Weil: isso.
Ich habe als Studentin auch mal so einen Job gemacht. Einlasskontrollen für eine Aktionsnärsversammlung war es. Mit so einem Tor wie am Flughafen und Handsonden, wenn es piept. Ich habe damals auch stur gemacht, was mir gesagt wurde: "Wenn es piept, dann Kontrolle per Handsonde". Ich habe also einen Rollstuhlfahrer kontrolliert, weil es piepte (klar, wegen dem Rollstuhl, aber der kann ja noch mehr dabei haben?). Ich bekam beinahe eine Abmahnung, weil ich den Rollifahrer diskrimiert hätte, der sei schon genug gestraft. Der Rollstuhlfahrer sah es mit Humor und ihm war völlig klar, warum er kontrolliert wurde.  Aber meinem Chef nicht. Bis ich einwendete, dass man also nur mit Rollstuhl kommen muss, schon geht es unkontrolliert rein. Wenn man das jetzt mal weiterdenkt...
Gestern wäre da übrigens ein Kinderwagen das entsprechende Equivalent gewesen...Kann man alles zustopfen im Gepäckfach unten, scheißegal. Darf rein.

Erkenntnis: Massenveranstaltungen weiterhin meiden. Vor lauter Sicherheitsgedöns muss man als Berliner nun also manchmal eben draußen bleiben. Was auch immer das Problem war. Das wurde nicht kommuniziert.

Aber wie sagen ja die meisten in meinem Umfeld "Ja, aber ist schon wichtig, dass heute so gut auf Sicherheit geachtet wird. Man weiß ja nie...!".Genau, es könnte sonst jemand mit leerem Rucksack und Regenschirm eine Veranstaltung besuchen. Nicht auszudenken...

Freitag, 1. November 2019

Lebenszeichen...

Schon sehr lange gab es hier nichts mehr im Blog. Ich war die letzten Monate gut beschäftigt, auf dem Telefon und der Festplatte stapeln sich die Fotos, die ich hier einstellen möchte und im Kopf sind schier unzählige Geschichten.

Der Hauptgrund für die Ruhe ist ist ziemlich simpel.  Ich arbeite in den letzten Monaten viel. Ich bin überall und nirgendwo, eine Freundin sagt immer, ihr käme es vor, als sei ich ständig in der halben Republik unterwegs. Nein, ich bin weder unter die Lokführer noch unter die Schaffner gegangen, fahre aber dennoch ständig Zug. Eine Frau, die irgendwann mal zufällig im Zug neben mir saß und mit mir ins Gespräch kam, legte mir ans Herz, über die vielen schrägen Erlebnisse in Zügen zu bloggen. Mal sehen. Stoff gäbe es in der Tat reichlich.


In den letzten Monaten habe ich zwei größere oder eher weiter entferntere Geocaching-Touren gemacht. Allein in diesem Jahr habe ich - leider immer nur kurz-  12 Länder in Europa besucht. Dazu wird es gesonderte Beiträge geben. Es ging einmal Richtung Griechenland und Umgebung und einmal rund um die Ostsee in fast alle Länder, nur Dänemark haben wir ausgelassen. Und nein, es war keine Kreuzfahrt, sondern einmal drumherum. Es sollte eine Fahrt mit dem Zug werden, es wurden Fähren und Busse und zur Ab- und Anreise das Flugzeug. Ja, ich bin geflogen in Zeiten von Flugscham.


Zudem gibt es ein neues Haustier. Sehr spontan sah ich am 1.April bei den eBay Kleinanzeigen eine Maine Coon-Katze, die aufgrund ungünstiger Umstände verschenkt (!) wurde. Erst glaubte ich an einen April-Scherz. Ich wollte schon immer eine Maine Coon-Katze, weil sie so flauschig und riesig sind und konnte es gar nicht fassen, was ich da sah, als ich die App der Kleinanzeigen öffnete. Und so wurde keine Sekunde gefackelt, sondern angerufen und besichtigt. Nachdem uns der sonst ängstliche Kater sofort mochte, ist er am nächsten Abend mit all seinem Zubehör bei uns eingezogen. Seitdem heißt es bei uns von jedem Besucher "ist das aber eine große Katze!". 1,20 m lang insgesamt und kann einem, wenn man auf einem Stuhl sitzt, auf die Schulter tippen (!!) , Ansonsten ist er aber schüchtern. Er hat Angst vor Postboten, Mülltüten und vor unseren Farbmäusen.

Tatzenvergleich
Auch an dieser Population hat sich einiges getan, es kamen neue Mäuse hinzu. Inzwischen haben wir Mäuse vom  Showtyp, platt gesagt quasi Rassemäuse vom Züchter, um uns vor weiteren Mausplosion-Überraschungen durch falsch bestimmte Geschlechter zu bewahren. Denn das nahm dann ein echt ungutes Ende.



Tja, was gab es sonst noch... Nach einem Kriebelmückenstich im Sommer bekam ich eine riesige Wanderröte (nein, es war wirklich kein Zeckenbiss!). Der Borreliose-Test war positiv, 3 Wochen Antibiotikum habe ich immerhin ohne nennenswerte Nebenwirkungen hinter mich gebracht. Ende November wird getestet, ob nun wirklich alles wieder okay ist. Ich habe eigentlich seit Jahren Angst vor Zecken und suchte mich von März bis November immer ab, weil man ja immer irgendwie draußen war in Garten oder Wald  - und dann kommt so eine verdammte Kriebelmücke. Zumal ich mit der Rötung noch eine Woche in den Urlaub gefahren bin, in dem festen Glauben, das sei einfach nur ein richtig fies entzündeter Mückenstich. Aber irgendwie war es dann doch zu charakteristisch und die Hausärztin hat ein kleines bisschen die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen, als ich dann doch eher spät damit ankam.

Ich habe das Sternbild Großer Wagen auf dem Schienbein!
Ach ja, wer meinem Blog schon länger folgt, kennt ja die Geschichte von der dementen Oma. Da wir immer wieder danach gefragt werden... Ja, sie lebt noch. Aber auch nur das. Immerhin läuft sie nicht mehr weg. Weil es nicht mehr geht. Sie sitzt, in ein Stützkorsett gezwängt, in einem Rollstuhl, weil sie nicht mehr laufen kann. Sitzen ginge auch nicht mehr ohne eben dieses Korsett. Sprechen geht nicht mehr, andere Menschen erkennen auch nicht. Alles vorbei. Sie dämmert halt so vor sich hin. Schon lange. Ich denke, das geht in dem Zustand jetzt schon ein, zwei Jahre. Besuche sind daher auch sehr schwierig. Man sitzt dann da, wird nicht erkannt. Andere Bewohner des Demenzbereichs sprechen einen an. Oder beschimpfen einen, grundlos, einfach so -sicher durch ihre Krankheit bedingt. Oder wollen mit einem reden, weil sie einsam sind oder was auch immer. Es ist schwierig.
Nun stellte sich heraus, dass bei der Oma seit einem Jahr (!) die Zähne nicht mehr geputzt wurden. Das sei oft so bei Demenz, dass sie verweigern.  Ich möchte da niemandem einen Vorwurf machen. Vielleicht geht es wirklich nicht und man kann ja niemanden zwangsputzen. Ergebnis: demnächst sollen alle noch vorhandenen 20 Zähne gezogen werden, weil nun quasi ein Totalschaden vorliegt. Definitiv in einem Krankenhaus, aber wie sich das bitte sonst gestalten soll, ist unklar. Vollnarkose ist in dem Alter und mit den Vorerkrankungen eigentlich zu riskant, aber nur mit örtlicher Betäubung geht so ein Akt ja auch nicht. Und an ein Gebiss gewöhnen, wird sie sich auch nicht, daher ab dann dann ohne. Sie bekommt ohnehin schon Brei, da es auch Schluckstörungen gibt. Wahnsinn. Immer wenn man denkt, es geht nicht schlimmer, kommt immer noch etwas.

Das sind die letzten Monate in absoluter Kurzform, mehr gibt es bald, es sind schon jede Menge Beiträge so halb fertig...

Mittwoch, 6. März 2019

Escape Game, Teil 2: Flucht aus dem Knast Nr.13

Vor einiger Zeit war ich bereits bei Escape Berlin, darüber habe ich hier bereits berichtet. Das hat großen Spaß gemacht, es erinnerte mich ans Geocachen - denn so ein Escape Game ist wie ein sehr gut gemachter Cache, bei dem garantiert alles funktioniert und lösbar ist, Hinweise kommen, wenn man sie braucht - man dafür aber unter Zeitdruck steht. Die Spiele sind inzwischen beliebt und in Berlin gibt es einige Anbieter.

Nun bekam ich erneut eine Einladung von Escape Berlin, um noch einmal zu spielen. Den Gutschein zum Spielen mit insgesamt bis zu 6 Personen habe ich gratis zur Verfügung gestellt bekommen. Es steht mir vollkommen frei, wie ich über den Besuch berichte.

Im Freundeskreis fanden sich schnell einige, die Lust hatten, mal wieder ein Escape Game zu spielen. Alle von uns kannten das Prinzip bereits. Man wird quasi in einem Szenario eingesperrt und muss mittels Lösen von Rätseln und Aufgaben wieder hinauskommen. Man darf alles anfassen und ausprobieren, oft sind es die eher kuriosen Aktionen, die zum Erfolg führen. Wenn man Panik aufgrund des geschlossenen Raums bekommt, kann man einen der gut sichtbaren Knöpfe drücken und schon gehen die Türen auf - allerdings ist dann auch das Spiel vorbei.


Escape Berlin bietet derzeit fünf unterschiedliche Spiele an. Es dürfte für wohl jeden Geschmack etwas dabei sein. Beim letzten Mal waren wir bei dem Horrorspiel Kidnapped, das sehr gut war, aber nichts für ganz schwache Nerven.

Eine Übersicht der Escape Games, nicht nur in Berlin, gibt es hier.

Dieses Mal entschieden wir uns für das neue Spiel Knast 13.  Hier muss man als Gruppe "Verurteilter" aus dem Knast entkommen. Man hat eine Stunde Zeit für den Ausbruch, danach würden die Wärter wieder erscheinen. Der Spielleiter ist quasi auch Wärter, aber auch Komplize, denn im Fall des Falles gibt er Hinweise über einen Monitor. Man wird beim Spielen als permanent beobachtet.  Der Spielleiter greift ein, wenn man mit den Armen wedelnd Hilfe ruft oder wenn er merkt, man steckt fest und die Zeit wird knapp.
Ich habe gehört, dass andere Escape-Spiele mit Walkie Talkies arbeiten. Ich finde einen Monitor besser, denn so kann man quasi in Ruhe den Hinweis nachlesen.

Gebucht haben wir über die Webseite, man kann dort problemlos einen Termin auswählen. Ich bin ein großer Fan solcher Reservierungssysteme. Das ist viel einfacher und übersichtlicher als wenn man anruft und nach freien Terminen fragen muss (die man dann wiederum mit seinen Mitspielern abstimmen muss...).

Man wird in der Reservierungsbestätigung gebeten, etwa 15 Minuten vor Spielbeginn zu erscheinen, denn die Spiele sind live, ein Spielleiter wartet auf einen und er muss ja hinterher auch wieder aufräumen und wieder herrichten, bis die nächste Gruppe kommt und ohne Wartezeit spielen möchte. Wir waren kurz vor 19 Uhr dort. Nach kurzer Zeit im Warteraum, wo man sich mit Geduldspielen die Zeit vertreiben kann, ging es los. Jacken, Taschen und vor allem auch Telefone müssen weggesperrt werden. Die Schließfächer funktionieren mit bereits dort vorhandenen Vorhängeschlössern, man braucht keinen Euro oder ähnliches.

Vorab waren wir etwas unsicher, denn in der Spielbeschreibung zu Knast 13 stand, dass man das Szenario gegeneinander spielen könnte - bedeutet dies, wir spielen gegen eine andere (fremde) Gruppe? Oder wird unsere Gruppe aufgeteilt? Da wir - aufgrund eines Krankheitsfalls - nur zu fünft waren, war uns lieber, gemeinsam in einem Szenario zu spielen und das war auch problemlos möglich. Vor Ort erkannten wir dann auch, wie das mit den zwei Gruppen eigentlich gedacht ist. Es gibt quasi zwei Zellentrakte - man kann gegeneinander spielen, wenn die Gruppe groß ist (über 6 Leute),  aber man kann auch mit einer Gruppe nur einen Zellentrakt bespielen.

Quelle: Escape Berlin
Wie auch bei dem Spiel Kidnapped sind die Räume sehr passend gestaltet. Es gibt keine Fenster, wenig Licht, die Zellen wirken authentisch. Schon im ersten Raum ist so manches kniffelige Rätsel, aber wir kamen hier ganz gut durch, ohne einen Hinweis zu benötigen. Auch war hier schon klar, warum in der Beschreibung stand, dass rudimentäre körperliche Fitness vorhanden sein sollte, denn hier wurde zumindest von einem Spieler eine Leiter erklommen. Danach ging es durch den Fluchttunnel, von dem man auch in der Spielbeschreibung lesen kann. Im Tunnel war es sehr dunkel und dadurch durchaus aufregend, aber nicht gruselig.

Im nun folgenden Raum haben wir zwar gut angesetzt, uns dann aber ewig verzettelt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Zudem sind hier, wie auch im ersten Raum, einige falsche Fährten gelegt ;-). Aber irgendwann war es geschafft, es wurde noch einmal sportlich und dann standen wir erneut etwas ratlos herum. Bis ein Geistesblitz einer Mitspielerin das sehr spaßige Ende des Spiels einläutete. An der Stelle wäre ein Spiel gegeneinander mit einem zweiten Team richtig lustig gewesen, aber auch so war es toll und als die Türen aufsprangen und das Licht anging, waren noch 5 Minuten Restzeit auf dem Ticker.

Wie beim letzten Spiel wurden mit einigen Requisiten noch Fotos gemacht. Man erhält dann einen QR-Code, den man direkt mit dem Telefon scannen, die Bilder anschauen und abspeichern kann. Die Bilder müssen nicht irgendwie gesondert gekauft werden.

Wir hatten wieder viel Spaß, das Spiel war klasse gestaltet und aufgemacht, die falschen Fährten manchmal ein wenig irreführend, aber das gehört dazu. Der Spielleiter war sehr nett und wie beim letzten Mal hatte ich den Eindruck, dass das Personal schaut, dass man motiviert wird und sich nicht zu sehr unter Zeitdruck gesetzt fühlt. Wir kommen auf jeden Fall gern wieder und können auch dieses Escape Game empfehlen.